Bell Witch And Aerial Ruin - Stygian Bough: Vol 2 | |
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| Review von Chaosswampchicken vom 11.12.2025 (1510 mal gelesen) | |
Mystischer Atmosphären-Doom zeitlosen Charakters - dafür steht der Name BELL WITCH & AERIAL RUIN. Genau so lässt sich auch das neue Werk des Trios um Dylan Desmond (Bass), Jesse Shreibman (Drums) und Erik Moggridge (Gitarre, Gesang) beschreiben: ein Album, das alle Trademarks dieser ungewöhnlichen, sphärischen Doom-Symbiose erneut aufgreift und weiter verfeinert. Inspiriert von "Der Goldene Zweig", der berühmten religions- und rituellgeschichtlichen Studie des schottischen Anthropologen James Frazer, erschufen die Musiker ein weltentrücktes, abstrakt-obskures Klanggebilde aus vier monumentalen Stücken. Es handelt sich dabei um den zweiten Teil der Reihe, der nahtlos dort ansetzt, wo "Stygian Bough: Vol.I" endete - ein fortgesetzter Abstieg in tiefe, rituell anmutende Klangräume. Wie im schweren Funeral-Doom üblich, nehmen die Stücke viel Raum ein: Laufzeiten zwischen zwölf und zwanzig Minuten formen eine Gesamtspielzeit von 57:36 Minuten. Das ist definitiv kein Album für Liebhaber von ordentlichen Krach, sondern eines, das Geduld, Ausdauer und vollständige Hingabe erfordert. Wer bereit ist, sich auf dieses Werk einzulassen, findet jedoch eine außergewöhnliche Reise durch Zeit, Mythos und Klang, die sich nur langsam - und dafür umso intensiver - entfaltet. Das Album trieft schon zu Beginn vor Mystik, Schwere und SymbolikSchon alleine der Name der Band trägt bereits eine Schwere, die tief in der amerikanischen Folklore verwurzelt ist. Der Legende nach suchte im frühen 19. Jahrhundert die sogenannte Bell-Hexe die Familie Bell in Tennessee heim - ein Geist, der bis heute als eines der berühmtesten Spukphänomene der USA gilt. Dieser düstere, rätselhafte Ursprung passt beinahe unheimlich gut zu der Musik, die BELL WITCH seit ihrer Gründung kultivieren: archaisch, verlangsamend, von einer bedrückenden Spiritualität durchzogen, die zugleich etwas zeitlos Magisches besitzt. Auch das Albumcover ist nicht weniger beeindruckend, es stammt vom international renommierten Künstler Denis Forkas, der bereits Werke für BEHEMOTH und WOLVES IN THE THRONE ROOM geschaffen hat - und erneut beweist, dass seine Kunst eine eigene erzählerische Dimension besitzt. Sein Gemälde für "Stygian Bough: Vol.II" ist mehr als bloße Illustration: Es bündelt die emotionale Schwere des Albums, seine rituelle Intensität und jene archaische Symbolkraft, die die Musik von BELL WITCH und AERIAL RUIN durchzieht. "Denis Forkas' Artwork sprach mich sofort mit der Symbolik des abgetrennten Kopfes an", erklärt Dylan Desmond. In Verbindung mit den schon erwähnten mythologischen und rituellen Motiven aus James Frazers anthropologischer Studie "Der Goldene Zweig", die als geistige Grundlage für Stygian Bough dient, gewinnt diese Bildsprache eine weitere, tiefere Bedeutungsebene. Abgetrennte Köpfe tauchen in zahlreichen Kulturen und Gesellschaften auf - als Trophäen, Opfergaben, Machtsymbole oder metaphysische Schwellen. "Zweifellos teilten viele unserer Vorfahren - und auch wir Nachgeborenen - diese Faszination; sie ist Teil unserer Identität", sagt Desmond. Forkas' Werk wird damit zum visuell verdichteten Spiegel der Musik selbst: ein Blick in die Dunkelheit, der weniger abstößt als vielmehr offenbart, was in den Tiefen Schichten menschlicher Erfahrung seit jeher nachhallt. 'Waves Became The Sky' eröffnet das Album ohne Vorwarnung, als würde man mitten in ein bereits existierendes Ritual eintreten. Keine allmähliche Entfaltung, kein Anlauf - die Klänge wirken wie ein Zustand, in den man hineingeworfen wird. Moggridges Stimme liegt wie ein ferner Schleier über den schweren Bassklängen, während das Schlagzeug nur gelegentliche Signale setzt, die eher Orientierungspunkte als echte Rhythmen darstellen. Diese Musik formt keinen Weg, sondern eine Landschaft: weit, entrückt und zugleich beklemmend nah. Der Übergang zu 'King Of The Wood' vollzieht sich so unmerklich, dass man kaum sagen kann, wo ein Stück endet und das nächste beginnt. Der Track arbeitet zunächst fast ausschließlich mit Andeutungen - dünne Synthschichten, vereinzelte Beckenimpulse, Akkordfragmente. Im Zentrum steht die Stimme, fragil und menschlich in einem sonst fast körperlosen Klangraum. Erst nach und nach sammelt sich Masse: Verzerrung, Schwere, pulsierende Tiefe. Der Song wächst nicht, er gerinnt - aus Nebel wird Form, aus Andeutung Gewicht. Diese ersten Minuten machen deutlich, warum die beiden Bands im Doom so einzigartig sind. Das Album setzt weniger auf Wucht als auf Zuspitzung, darauf, wie viel Spannung in minimalem Klang liegen kann. Es ist Musik, die Zeit dehnt und Wahrnehmung schärft - und die zeigt, dass Atmosphäre manchmal stärker wirkt als jede Wand aus Lautstärke. Mit "Stygian Bough: Vol. II" reißen BELL WITCH und AERIAL RUIN abermals das Tor zur Finsternis auf'From Dominion' öffnet im Anschluss ein neues Kapitel innerhalb dieses Klanglabyrinths. Hier treten Moggridges Dark-Folk-Wurzeln deutlicher in den Vordergrund: Akustische Gitarren, schimmernde Orgeltexturen und seine intime, fast zerbrechliche Stimmführung verleihen dem Stück eine unerwartet warme Färbung. Dieser Moment macht spürbar, wie tief die Zusammenarbeit zwischen BELL WITCH und AERIAL RUINS reicht - Funeral Doom und Folk verschmelzen zu einer Ausdrucksform, die weniger überwältigt als vielmehr eindringlich berührt. Doch die Stille ist nur geliehen. Mit der Zeit schieben sich schwere Drums und verzerrte Basswellen zurück ins Bild, lassen den Song wachsen, ohne seine innere Sanftheit zu zerstören. Der Song bleibt ein Stück, das man mehr fühlt als hört - wie ein längst verdrängtes Bild, das unvermutet wieder auftaucht. 'The Told And The Leadened' bildet mit seinen 19 Minuten einen monumentalen Abschluss, der die Geduld des Hörers nicht nur fordert, sondern auch belohnt. Der Song breitet sich wie ein schwerer, staubiger Mantel aus - warm, erdrückend, beinahe rituell. BELL WITCH und AERIAL RUINS lassen die Zeit hier langsamer vergehen; jeder Akkord verharrt, jeder Schlag klingt nach. Nach einer langen Phase des Schwebens fällt das Stück plötzlich in sich zusammen, bis nur noch eine gezupfte Akustikgitarre bleibt. Es ist einer der klarsten und verletzlichsten Momente des Albums, fast wie ein Fenster, das kurz geöffnet wird und frische Luft in die dichte Schwärze lässt. Doch dieser Frieden hält nicht lange. Langgezogene Verzerrungen steigen wieder auf, die Drums setzen ein, und ein sehnsüchtiges Gitarrensolo zieht sich wie ein Riss durch die Dunkelheit. Am Ende gibt es keinen heroischen Abschluss - nur ein letztes tiefes Ausatmen, das den Hörer zurücklässt, als hätte das Album selbst seine letzte Kraft verbraucht. Fazit"Stygian Bough: Vol. II" ist weit mehr als eine bloße Fortsetzung früherer Werke. Es ist eine Verdichtung, eine Verfeinerung, ein gemeinsamer Atemzug von BELL WITCH und AERIAL RUINS, der beide Akteure musikalisch und atmosphärisch auf ein neues Level hebt. Das Album schafft keinen einfachen Hörraum, sondern einen Zustand: einen Ort, der dunkel, melancholisch, aber gleichzeitig seltsam tröstlich wirkt. Hier hält die Schwere nicht nur, sie trägt. Für Liebhaber des Funeral Doom, die das Genre über bloße Langsamkeit und Gewicht hinaus schätzen, öffnet sich mit "Stygian Bough: Vol. II" ein Werk von außergewöhnlicher Tiefe. Die vier Stücke entfalten sich wie lange Winternächte oder stille, introspektive Räume, die nur selten betreten werden. Wer sich auf diese Klanglandschaften einlässt, wird von der unvergleichlichen Magie BELL WITCHs verzaubert - ein Erlebnis, das noch lange nach dem letzten Ton nachhallt. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 1. Waves Became The Sky 2.King Of The Wood 3. From Dominion 4.The Told And The Leadened | Band Website: Waves Became The Sky King Of The Wood From Dominio Medium: CD, LP Spieldauer: 57:36 Minuten VÖ: 14.11.2025 |
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Mystischer Atmosphären-Doom zeitlosen Charakters - dafür steht der Name BELL WITCH & AERIAL RUIN. Genau so lässt sich auch das neue Werk des Trios um Dylan Desmond (Bass), Jesse Shreibman (Drums) und Erik Moggridge (Gitarre, Gesang) beschreiben: ein Album, das alle Trademarks dieser ungewöhnlichen, sphärischen Doom-Symbiose erneut aufgreift und weiter verfeinert. Inspiriert von "Der Goldene Zweig", der berühmten religions- und rituellgeschichtlichen Studie des schottischen Anthropologen James Frazer, erschufen die Musiker ein weltentrücktes, abstrakt-obskures Klanggebilde aus vier monumentalen Stücken. Es handelt sich dabei um den zweiten Teil der Reihe, der nahtlos dort ansetzt, wo "Stygian Bough: Vol.I" endete - ein fortgesetzter Abstieg in tiefe, rituell anmutende Klangräume. Wie im schweren Funeral-Doom üblich, nehmen die Stücke viel Raum ein: Laufzeiten zwischen zwölf und zwanzig Minuten formen eine Gesamtspielzeit von 57:36 Minuten. Das ist definitiv kein Album für Liebhaber von ordentlichen Krach, sondern eines, das Geduld, Ausdauer und vollständige Hingabe erfordert. Wer bereit ist, sich auf dieses Werk einzulassen, findet jedoch eine außergewöhnliche Reise durch Zeit, Mythos und Klang, die sich nur langsam - und dafür umso intensiver - entfaltet.
