1914 - Viribus Unitis

Review von Eddieson vom 13.11.2025 (377 mal gelesen)
1914 - Viribus Unitis Kriegsthematik in Verbindung mit Metal ist nun wirklich nichts Neues. Doch kann man die irren Geschichten des Krieges auf verschiedenste Weisen erzählen. HAIL OF BULLETS wissen das genauso wie BOLT THROWER oder auch KANONENFIEBER. Nur SABATON, die wissen das leider nicht (haha!). Aber um die geht es hier auch nicht. Hier geht es um das neue Album der Ukrainer 1914, die mit am besten wissen, wie man die Kriegsthematik in den Texten verarbeitet. Denn 1914 singen keine Songs, sie erzählen Geschichten, eingerahmt vom derben Blackened Death/Doom. Eindrücklich bewiesen haben sie das schon auf ihren Alben "Eschatology Of War", "The Blind Leading The Blind" und ihrem letzten Überalbum "Where Fear And Weapons Meet". Jetzt legen die Jungs aus Lemberg nach und knallen da kein Deut weniger. Ganz im Gegenteil, denn im Gegensatz zum vorherigen Album haben sie die Orchestrierung wieder ein wenig zurückgeschraubt und ballern einem ungefiltert ihren Blackened Death um die Ohren, dass es eine wahre Freude ist.

Den Opener macht 'War In (The Beginning Of The Fall)', eines dieser alten Kriegslieder, die sie als Sample eingebaut haben und was die Atmosphäre einfach noch dichter werden lässt. Auch im Verlauf des Albums kommen immer mal wieder solche Samples zum Einsatz, die einfach stimmig und passend sind. '1914 (The Siege Of Przemyśl)' ist dann ein knapp fünf Minuten ballernder Song. Die Gitarren bauen eine massive wall of sound auf, dann wieder ein eingespieltes Sample und der Song nimmt eine andere Richtung. Wesentlich langsamer geht es zu Werke, bevor sie dann wieder das Gaspedal voll durchtreten. '1915 (Easter Battle For The Zwinin Ridge)' wird ebenfalls durch ein altes Kriegssample eingeleitet und dann wird wieder ordentlich geballert.

Sprach ich eben davon, dass 1914 keine Songs singen, sondern Geschichten erzählen? Auf dem neuen Album begleiten wir einen Soldaten der ukrainischen k. u. k. Armee durch die Jahre 1914 bis 1919. Der Fokus wird dabei ganz klar auf Atmosphäre gesetzt und dafür haben 1914 ein goldenes Händchen - sei es durch die genannten Samples, die Orchestrierung oder den Chor, der unterlegt vom Blastbeat den Song veredelt. Auch Melodien dürfen nicht zu kurz kommen, wie der erste Song schon zeigt, und auch '1916 (The Südtirol Offensive)'.

Den absoluten Höhepunkt des Albums bildet der in drei Teile aufgeteilte Song '1918'. 'Pt 1: WIA (Wounded In Action)' ist mithilfe von fetten Chören und doomigem Tempo ein brachialer Song geworden, der so ziemlich alles niederwalzt, was sich ihm in den Weg stellt. Die Schmerzensschreie im Hintergrund am Ende des Songs sind eben jene kleinen Details, die einfach ganz viel Atmosphäre aufkommen lassen. 'Pt 2: POW (Prisoner Of War)' ist zu Beginn ebenfalls ein langsamer Brecher, tritt dann gegen Mitte in den Arsch und geht dann wieder etwas runter vom Gas. 'Pt 3: ADE (A Duty To Escape)' ist dann eine erdrückende Härte, wie sie besser nicht sein könnte. Absolutes Highlight ist hier die Zusammenarbeit mit Aaron Stainthorpe (ex-MY DYING BRIDE, HIGH PARASITE), dessen wehklagende Stimme hier einen ganz besonderen Akzent setzt. Der letzte Track vor dem Outro 'War Out (The End?)' ist dann '1919 (The Home Where I Died)', der von ROME-Sänger Jérôme Reuter gesungen wird und dessen trauriger Klargesang hier sehr eindringlich aus den Boxen kommt.

Wie auch schon auf den vorherigen Alben schaffen es 1914 eine erdrückende Atmosphäre auf das Album zu bringen, die den Hörer völlig in ihren Bann zieht. 1914 erzeugen mit ihrer Musik und den Geschichten, die sie in den Texten erzählen, Bilder im Kopf. Bilder, die einem die Gräueltaten des ersten Weltkrieges vor Augen halten, aber auch Bilder von Kameradschaft. Sie entführen den Hörer in die Gefühlswelt derer, die dieses Grauen ertragen mussten. Und das schaffen sie wie kaum eine andere Band.



Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. War In (The Beginning Of The Fall)
02. 1914 (The Siege Of Przemyśl)
03. 1915 (Easter Battle For The Zwinin Ridge)
04. 1916 (The Südtirol Offensive)
05. 1917 (The Isonzo Front)
06. 1918 Pt 1: WIA (Wounded In Action)
07. 1918 Pt 2: POW (Prisoner Of War)
08. 1918 Pt 3: ADE (A duty To Escape)
09. 1919 (The Home Where I Died)
10. War Out (The End?)
Band Website: www.facebook.com/1914band/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 56:55 Minuten
VÖ: 14.11.2025

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