Michael Schenker Group - Don't Sell Your Soul

Review von Damage Case vom 03.10.2025 (1474 mal gelesen)
Michael Schenker Group - Don't Sell Your Soul Michael Schenker gehört zu denjenigen, die stur (manche würden sagen: unbeirrt) in ihrem selbst erschaffenen Kosmos leben und musizieren. Da er ohnehin keine Ahnung hat, was die Jugend von heute, also alle unter 60, so hört und seine eigenen musikalischen Hörgewohnheiten der Wahrnehmung von Fremdkompositionen gefühlt irgendwann zwischen dem Ableben von Jimi Hendrix und dem Rücktritt Richard Nixons eingestellt hat, liefert das deutsche Gitarrenwunder Album für Album das ab, was er so gut wie kein anderer kann: rifflastigen Classic Hardrock teutonischer Prägung. Sein neuestes Werk ist dabei das zweite Album einer Quasi-Trilogie, die einander lediglich dadurch verbunden ist, dass sie gleichzeitig geschrieben und aufgenommen wurde. Vergangenes Jahr erschien hiervon mit "My Years With UFO" ein Cover-Album mit Neuinterpretationen der von Schenker für die Briten geschriebenen Songs aus den 1970ern, begleitet von einer ausgiebigen UFO-Cover-Tour. Kommendes Jahr wird dann final ein akustisches Instrumentalalbum erscheinen. Nun, im Herbst 2025, kommt mit "Don't Sell Your Soul" ein Album unter dem Bandlabel MICHAEL SCHENKER GROUP heraus, was ein wenig willkürlich wirkt, denn ein Album mit Eigenkompositionen flankiert von mehreren Gastsängern hätte auch genauso gut unter dem Banner MICHAEL SCHENKER FEST herauskommen können. Aber egal, denn was der inzwischen Siebzigjährige einmal mehr komponiert und eingespielt hat, verdient es, gehört zu werden. Wie kaum ein anderer seiner technischen Gewichtsklasse stellt sich Schenker in den Dienst der Mannschaft und fügt seine Künste harmonisch in die Lieder ein, ohne sich in den Vordergrund zu fiedeln. Dazu passt auch der organische Sound, den der Meister gemeinsam mit seinem Dauer-Sidekick Michael Voss verantwortet und der den Song ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt. Die Band ist erstklassig besetzt, allen voran Erik Grönwall (Ex-SKID ROW) glänzt in fast allen Songs (auch Voss, Dimitri Liapakis und Robin McAuley kommen zum Zug) mit gewohnt brillianter Stimme. Insgesamt gibt es hier melodischen Hardrock auf hohem Wohlfühlniveau ohne wirkliche Ausfälle - auch dank der beteiligten Sänger. Doch die Zeit richtig harter Riffs und Gitarrenmomenten zum Staunen scheint vorbei. Doch das ist Kritik auf hohem Level, denn alleine, dass Schenker immer wieder im Abstand von maximal zwei Jahren tolles Kraftfutter liefert, ist ein Phänomen, für das alle Hardrocker dankbar sein sollten. Was diesmal jedoch besonders auffällt, ist das sehr klassisch wirkende Coverartwork, das nach mehreren ein wenig peinlich erscheinenden Artworks in den vergangenen Jahren einen absoluten Glanzpunkt setzt und nicht nur deswegen an die 80er-Jahre der MSG erinnert.

Fazit: MSG sind heute nicht mehr die Band, die zu Beginn der 1980er die Hardrockwelt in Brand setzte. Mitte der 2020er performt und komponiert der Meister nebst Begleitmusikern immer noch in Reichweite des obersten Regals, aber eben deutlich "besonnener". Man könnte es die "AOR-Werdung" des Teutonenstahls nennen und würde Michael Schenker im letzten Viertel seiner langen Karriere damit weder seine Klasse absprechen noch die Qualität seines fortlaufenden Outputs in Frage stellen. Aber gerade, weil Schenker keinen Personenkult um sich betreibt (oder betreiben lässt), sondern stets bescheiden bis manchmal auch verschroben die Musik durch seine Gitarre sprechen lässt, spielt er nicht als Headliner in Stadien und auf Festivals, sondern fühlt sich im gehobenen Mittelfeld deren Line-Ups und in gut gefüllten Clubs ebenso wohl - sein Legendenstatus hätte es zumindest verdient, dass er den SCORPIONS ebenbürtig wahrgenommen werden würde. Das unterstreichen diese elf neuen Kompositionen nochmal nachhaltig. Mögen Schenker, Voss und Grönwall noch mehrere solche Alben gemeinsam miteinander aufnehmen!

Anspieltipps: 'Sixstring Shotgun' und 'Janey The Fox' sind zwei saubere Hardrock-Groover. Speziell die mit unverkennbar "europäischen" Gitarren- und Gesangsmelodien versehenen - und passenderweise von Erik Grönwall verantworteten - wie in 'Don't Selll Your Soul', 'Danger Zone', 'Flesh & Bone' oder 'Surrender' klingen so sehr nach Michael Schenker, dass sie in dieser Form von keinem anderen Musiker stammen könnten.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Don't Selll Your Soul
02. Danger Zone
03. Eye Of The Storm
04. Janey The Fox
05. Can't Stand Waiting
06. Sign Of The Times
07. The Chosen
08. It's You
09. Sixstring Shotgun
10. Flesh & Bone
11. Surrender
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 46:57 Minuten
VÖ: 03.10.2025

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