Atomic Witch - Death Etiquette

Review von Chaosswampchicken vom 02.09.2025 (524 mal gelesen)
Atomic Witch - Death Etiquette ATOMIC WITCH sind für mich eine neue Entdeckung - und genau das macht für mich den Reiz einer Review aus: Wenn man völlig unvoreingenommen in die Musik einer Band eintauchen kann. Gegründet wurde die Truppe bereits 2012 in Ohio (USA), damals noch unter dem Namen BULK & SKULL. 2016 kam es dann zur entscheidenden Namensänderung: Aus BULK & SKULL wurde ATOMIC WITCH. Mit einem neuen Namen folgten zunächst einige Singles, eine Split und ein paar weitere EPs, bis die Band schließlich 2022 ihr erstes vollwertiges Album "Crypt Of Sleepless Malice" veröffentlichte. Nun, etwa drei Jahre später, steht das Folgewerk in den Startlöchern: Unter dem Banner von Redefining Darkness Records erschien bereits am 25. Juli ihr wie schon erwähnt zweites Album "Death Etiquette". Ich persönlich nutze die Gelegenheit, ATOMIC WITCH in voller Länge kennenzulernen - und die spannende Frage lautet, wie der Mix aus Thrash- und Death Metal nun einem breiteren Publikum präsentiert wird und vor allem, wie er klingt. So, let's Start!

Dramatisch, aggressiv - ein typischer Thrash-Auftakt


Schon mit dem ersten Song machen ATOMIC WITCH unmissverständlich klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. 'Morgue Rat' eröffnet die zweite LP mit einem zweiminütigen Schlag ins Gesicht - roh, wütend und kompromisslos. Ein schriller Thrash-Auftakt voller sägender Riffs sowie aggressiver und kehliger Vocals, der von Beginn an mit einer Menge Energie glänzt. Der würgende, beinahe erstickende Gesang endet in einem abrupten Stopp, der dem Track zusätzliche Wucht sowie Tiefe verleiht. In den schnelleren und wilderen Parts treten die starken Einflüsse von Szenelegenden wie SLAYER und KREATOR deutlich hervor, aber im Gewand des eigenen Sounds der Band. 'Morgue Rat' ist der perfekte Start in das Album. Am besten nicht beim morgendlichen Kaffee hören, das Headbangen könnte zum Verschütten führen.

Mit 'Of Flesh & Chrome' fahren ATOMIC WITCH nach dem gnadenlosen Auftakt etwas das Tempo herunter und schaffen so einen kurzen Moment der Atempause. Doch trotz dieser kleinen Verschnaufpause bleibt das Riffing bissig und melodisch, aggressiv und zugleich strukturgebend, während Vocals und Drums kompromisslos nach vorne preschen. Gesanglich dominiert ein Wechselspiel aus hohen, schneidenden Screams, gutturalem Grollen und scharfem Shouting, das dem Song eine wilde Dynamik verleiht. Das Ergebnis ist ein vielseitiger Prog-Thrash-Kracher, bei dem Sänger Greg Martinis wie ein entfesselter Dämon agiert und die Riffs zwischen schlichter Brutalität und trügerischer Komplexität pendeln - ganz im Geiste von Chuck Schuldiner.

Mit 'Worms & Dirt' präsentieren sich ATOMIC WITCH mit einem klaren Fokus auf ihre Death Metal-Wurzeln: komplexe Riffs, aggressive Vocals, wilde Soli, stürmische Riffs und unerbittliche Tempowechsel prasseln unaufhaltsam auf den Hörer ein. Der Song wirkt bewusst überladen und beinahe erratisch - wütend, konfrontativ und unberechenbar. Dabei erinnert er stellenweise an REVOCATIONs technischen Death Metal, jedoch durchzogen vom ungestümen Geist des deutschen Thrash der 80er Jahre, mit einem klaren SLAYER-Einschlag. Zusammen mit dem geschwärzten 'Dream Rot' bildet er das Herzstück des Albums: Die Gitarristen Jonah Meister und Jesse Shattuck glänzen hier als Ausnahmetalente, während Nick Amato am Schlagzeug das Fundament mit unbändiger Wucht niederhämmert. 'Dream Rot' überzeugt mit einer markanten, fast bellenden Gesangs-Performance, die auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregt. Das Gitarrenspiel bleibt komplex und aggressiv, während die Rhythmussektion weiterhin gnadenlose Tempowechsel und wuchtige Breaks liefert. Mit diesem Track zeigen ATOMIC WITCH erneut, dass sie die Kunst beherrschen, Death- und Thrash Metal-Elemente zu einer bedrohlich intensiven, aber dennoch packenden Atmosphäre zu verweben.

Technik, Aggression und musikalische Tiefe


'Sabbath Breaker' kehrt mit voller Wucht zum Thrash zurück. Die Produktion ist hervorragend gelungen und bringt klare Ordnung ins Chaos: Die Riffs kommen vor allem in den thrashlastigen Passagen scharf und präzise zur Geltung, während die Death Metal-Elemente etwas dumpfer, aber dennoch druckvoll klingen. Die Vocals stehen ausdrucksstark, variantenreich und dramatisch im Vordergrund, während die Rhythmussektion solide agiert, sich jedoch meist bewusst im Hintergrund hält. Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit Religion und schreckt dabei vor keinerlei provokativen Aussagen zurück. 'Sabbath Breaker' beginnt unglaublich schnell und brutal, das Riff ist melodisch und kreativ, und auch das Drumming ist dunkel und scheppert ohne Gnade. Der Gesang verleiht durch seine blasphemisch gottesverachtende Botschaft zusätzlich Substanz und Tiefe. Der kraftvolle Breakdown, gepaart mit düsteren Lead-Licks, verleiht dem Song eine unverkennbare Schwere und macht ihn zu einem der stärksten Tracks.

'Death Edging (Come To The Light)' eröffnet zunächst ungewohnt ruhig, mit schön filigranen Gitarrenparts, bevor der Song ohne jegliche Vorsicht mit voller Wucht in thrashige Gefilde ausbricht. Die Vocals treffen uns, den Hörer, mitten ins Gesicht - konfrontativ, wütend, unnachgiebig. Angetrieben vom rasenden Schlagzeug entfalten die Gitarren eine Mischung aus Grind-Attacken und melodischen Tönen, gekrönt wird das Ganze von einem kreativ gespielten Solo. Inhaltlich behandelt dieser Track die verstörende Praxis der Sexualisierung von Nahtoderfahrungen - ein dunkles und schweres Thema, das der Song in bedrückend intensiver Form erzählt. Wenn 'Death Edging (Come To The Light)' auf seinem Höhepunkt explodiert, verwandelt er sich in einen epischen Klangangriff: schnelles, hartes, finsteres Riffing, exzellente Gitarrenarbeit und das brutale Zusammenspiel der Vocals lassen keinen Platz zum Durchatmen. Unter dieser massiven Oberfläche brodelt ein Hauch von Wahnsinn - als würde ein unauslöschbares Jucken tief im Schädel nagen. Genau dieses Gefühl macht 'Death Edging' zu einem sehr starken Song des Albums.

'Vicious Mistress“ rollt mit schwerem Groove und kantigen Riffs heran, während die abwechselnden hohen und tiefen Vocals die wütenden Soli und das entfesselte Instrumentalspiel noch schärfer wirken lassen. Der Song verzichtet bewusst auf große Melodien, setzt stattdessen auf rohe Energie und Ausdruckskraft. Wie so oft bei ATOMIC WITCH findet das Ganze ein abruptes Ende - hart, kompromisslos, unnachgiebig. "Vicious Mistress" zeigt sich als gnadenloser Brecher, chaotisch, brutal und dennoch kunstvoll verwoben.

Fazit


"Death Etiquette" ist ein kompromissloser Ritt durch Thrash- und Death-Gefilde, roh, aggressiv und voller chaotischer Energie. ATOMIC WITCH verbinden technische Raffinesse mit unbändiger Wut und erschaffen so ein Klanggewitter, das trotz aller stilistischen Brüche packende Hooks und erinnerungswürdige Momente bietet. Gereift und fokussiert, aber immer hungrig, zeigt die Band, dass sie mehr ist als nur eine Fusion aus Genres - sie ist ein Monster, das brennt.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info

1. Morgue Rat
2. Of Flesh & Chrome
3. Worms & Dirt
4. Dream Rot
5. Sabbath Breaker
6. Death Edging
7. Skelecidal
8. Vicious Mistress
Band Website: https://atomicwitch.bandcamp.com/album/death-etiqu
Medium: CD
Spieldauer: 27:20 Minuten
VÖ: 25.07.2025

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