Desaster - Kill All Idols

Review von Chaosswampchicken vom 27.08.2025 (819 mal gelesen)
Desaster - Kill All Idols Vor genau 20 Jahren, am 22. August 2005, veröffentlichten DESASTER ihr fünftes Studioalbum "Angelwhore", das erste unter dem Banner von Metal Blade Records. Heute, auf den Tag genau zwei Dekaden später, erscheint mit "Kill All Idols" das mittlerweile zehnte Werk der Koblenzer Black-Thrash-Institution. Schon damals prägte Chris Moyen das Artwork, und auch diesmal ist er für die optische Gestaltung verantwortlich - ein Kreis, der sich schließt und zugleich ein neues Kapitel aufschlägt. Für mich persönlich ist es ein besonderer Rückblick, denn "Angelwhore" war nicht nur mein erster bewusster Berührungspunkt mit der Band, sondern auch der Beginn meiner Reise in die Welt der härteren Klänge. Zwei Jahrzehnte später stehen DESASTER fest verankert in der Szene - verlässlich, unbeugsam und noch immer in der Lage, mit derselben Intensität zu überzeugen wie früher. Denn wenn es um kompromisslosen Black/Thrash Metal geht, der seit Jahrzehnten in zuverlässiger Beständigkeit auf höchstem Niveau lodert, führt kein Weg an DESASTER vorbei. Ihre Alben erscheinen zwar in größeren Abständen - auch das neue hat erneut vier Jahre in der Produktion verbracht, doch mit jeder Veröffentlichung wird klar: Hier wird nicht müde runter gespielt, sondern hier haben wir eine Band, deren Feuer nie erloschen ist. "Kill All Idols" reiht sich nahtlos in diese Tradition ein - ein Werk, das zeigt, wie aus Vergangenheit und Gegenwart eine zeitlose Kraft entsteht. Und nun beschäftigen wir uns mit dem Wichtigsten einer jeden Review, der Musik.

Vier Jahre nach dem letzten Album, wie klingt "Kill All Idols"?

Mit dem kompromisslos-explosiven Opener 'Great Repulsive Force' zeigen DESASTER von der ersten Sekunde an, dass sie nichts von ihrer unbändigen Kraft verloren haben. Simples, aber effektives Riffing, das an die ungeschliffene Direktheit der frühen Tage erinnert, trifft auf Satans giftig-diabolische Vocals und ein Blastbeat-Inferno, das die Tradition des finsteren sowie harten Black/Thrashs der 90er hochhält. Ein unheilvoller Midtempo-Part in der Mitte verstärkt die bedrohliche Atmosphäre, ehe der Song im letzten Drittel noch einmal mit voller Härte zuschlägt. Ein Opener, der sowohl vertraut klingt, und dennoch frisch und neu wirkt - quasi oldschool-sein, ohne dabei zu sehr in der Vergangenheit zu verweilen. Nahtlos geht es mit 'Emanation Of The Profane' weiter, einer beinahe hymnischen Nummer, die ihre Wurzeln klar im klassischen Heavy Metal trägt und damit eine weitere Facette der Jungs aus Koblenz zeigt. Der Song sticht mit seinem Uptempo-Charakter hervor: Ein rohes, und wie schon erwähnt, klassisches Heavy Metal-Stück, das ohne das markante und intensive Gebrüll von Sataniac nicht funktionieren würde. Es mischt sich eine deutliche Punk-Schlagseite hinein - das kompromisslose Drei-Akkord-Schema regiert und fügt sich erstaunlich gut in das gewohnt angeschwärzte Geschrammel ein. So entsteht eine Nummer mit ordentlich Power, die sofort den Wunsch auslöst, seinem Nacken ein Schleudertrauma zu verpassen. Heavy Metal, Thrash, Black Metal - hier verschmelzen die Stile zu einem wilden Hybrid, getragen von typischen Melodien und epischer Note. Mit einem Gitarren-Intro, das stellenweise , wegen seiner Rohen Intensität an BLACK SABBATHs 'Iron Man' erinnert, (fragt nicht warum, aber das war das erste Lied was mir in den Sinn gekommen ist) eröffnet 'Towards Oblivion' und verwandelt sich rasch in eine unbändige Speed Metal-Attacke: prägnantes, charismatisches Riffing von Infernal, rotzige Vocals und ein echt düsterer Mittelteil, der auf den Song 'Hellbangers' vom 2007er Album "Satan's Soldiers Syndicate" verweist. Heavy Metal, Thrash und Black Metal verschmelzen hier mit den für DESASTER typischen Melodien und epischer Wucht. Schon der vorab veröffentlichte Track ließ erahnen, wie mächtig dieses Stück ist - vom meisterhaften Leadgitarren-Intro Infernals, bis hin zur letzten Note: ein wahres Highlight. Es ist DESASTER pur, kompromisslos und mitreißend - ein Song, der live nichts als verbrannte Erde hinterlassen wird.

DESASTER zwischen Tradition und Innovation

Dass die Band auf "Kill All Idols" punkige Einflüsse zeigt, überrascht kaum - die Band selbst hatte sie angekündigt, und auch ihre Vorbilder VENOM, SODOM oder DARKTHRONE bewegten sich schon auf diesem Terrain. Die wirkliche Überraschung ist jedoch - ich würde sagen - der Titeltrack 'Kill The Idol': Er ist thrashig, groovend und verdammt eingängig, ein Song, den man so von DESASTER nicht unbedingt erwartet hätte. Doch trotz dieses Stilbruchs fügt er sich nahtlos und passend ins Album ein. In nur zweieinhalb Minuten entfesseln die Koblenzer eine geballte Abrissenergie, Hardcore-Vibes und einen mitreißenden Part zum Moshen - ein perfekter Mix aus Tradition und frischer Dynamik, der live garantiert für ordentlich Headbanging sorgen wird. 'Ash Cloud Ritual' ist ein perfektes Beispiel für den unverfälschten, rauen Charakter von DESASTER. Der Song eröffnet mit einer kompromisslosen, beinahe abweisenden Direktheit, die mich als Hörer sofort packt, nur um dann wenig später in schwerfällige, düstere Doom-Abgründe gezogen zu werden. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz des Stücks aus: Rasende Black/Death-Passagen wechseln sich mit drückend langsamen, fast erdrückenden Momenten ab, bis das Tempo gegen Ende wieder in volle Fahrt zurückkehrt. Hier zeigt sich die Vielschichtigkeit der Band, die trotz aller Brutalität nie eindimensional klingt. Stattdessen gelingt es der Band, rohe Gewalt und grobschlächtige Härte mit einer unterschwelligen, fast epischen Größe zu verbinden. 'Ash Cloud Ritual' ist somit nicht nur ein wuchtiger Brecher im Albumfluss, sondern auch ein Beleg dafür, wie virtuos die Band ihre extreme Musik variiert und und den Hörer dabei immer wieder aufs Neue herausfordert. 'Stellar Remnant' beginnt getragen, langsam und mit einer bleiernen Schwere, die den Song wie ein dunkler Schleier umhüllt. Doch DESASTER drehen den Spieß um und betten unerwartet schnellere Passagen in den ansonsten drückenden, kraftvollen Aufbau ein. Man wird so in ein Wechselbad aus lastender Düsternis und rasendem Veitstanz geworfen. Ein fast schon Death Metal-taugliches Gitarrensolo von Infernal verleiht dem Stück zusätzlich Kontur und Tiefe, bevor es sich in seinem facettenreichen Spannungsbogen erschöpft. Wer bis hierhin das traditionelle DESASTER-Instrumentalstück vermisst, wird schließlich im Finale belohnt: Mit 'Idol's End' tragen die Koblenzer ihre Idole zu Grabe - ein epischer Rausschmeißer, der ganz von Infernals unverkennbarem Gitarrenriffing getragen wird. Seine fast schon singenden Leads versprühen jene unnachahmlichen Mittelalter-Vibes, die seit jeher wie ein nostalgischer Atem durch das Schaffen der Band wehen.

Fazit

Mit "Kill All Idols" haben DESASTER ein Black/Thrash-Monument geschaffen, das um ein Vielfaches abwechslungsreicher ist, als man es zunächst erwarten würde. Das Quartett bleibt seinen Wurzeln absolut treu, wirft aber zugleich alle Scheuklappen über Bord und präsentiert über zehn Songs hinweg eine erstaunliche Vielfalt. Gerade jene, die die Band vorschnell als eindimensional abtun, werden hier eines Besseren belehrt - deutlicher könnte DESASTER diesem Vorurteil nicht entgegentreten. Treue Fans wissen sowieso, dass Musiker aus Koblenz seit jeher die Kunst beherrschen, brutale Raserei mit melancholischer Ergriffenheit zu mischen. Das Ergebnis ist nicht nur Härte, sondern auch Leidenschaft und echtes Gefühl - getragen von kompositorischem Können. Wer geglaubt hat, DESASTER würden sich mit dem neuen Machwerk einer eher kommerziellen Ausrichtung öffnen, hat die Band nie verstanden: Diese Herren waren nie etwas für jeden Geschmack, und das ist auch gut so. Stattdessen legen sie ein Album vor, das roh, ehrlich und kompromisslos klingt. Ich lege euch hier besonders 'Towards Oblivion' und den Titeltrack 'Kill The Idol' ans Herz.

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
1. Great Repulsive Force
2. Emanation Of The Profane
3. Towards Oblivion
4. Kill The Idol
5. Ash Cloud Ritual
6. Fathomless Victory
7. Throne Of Ecstasy
8. They Are The Law
9. Stellar Remnant
10. Idol’s End (Outro)
Band Website: www.total-desaster.com
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 40:37 Minuten
VÖ: 22.08.2025

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