Canary - Cage Company

Review von derkleinekolibri vom 28.08.2025 (2103 mal gelesen)
Canary - Cage Company Seit 1896 ist Mannheim Großstadt. 85 Jahre nach diesem "bedeutsamen" Ereignis brachte eine bis dato vollkommen unbekannte Band namens CANARY ihr erstes und gleichzeitig auch einziges Album heraus: "Cage Company" erschien beim kleinen Label Srilanca. Ein entsprechend großes Budget fehlte dem Label, um das Album der Mannheimer Band vernünftig bewerben zu können. So wurde es zu einem Geheimtipp der Szene und wird heute relativ hoch gehandelt. Dank Golden Core/Zyx gibt es ab dem 29. August 2025 nicht nur eine neu gemasterte Langspielplatte, sondern auch erstmalig eine separat gemasterte CD.

Das Coverartwork lässt einen psychedelischen Einschlag vermuten, doch die Jungs toben sich im Hard Rock, Krautrock und Prog Rock aus. 72 Sekunden fehlen an 40 Minuten, denen man dem musikalischen Treiben folgen kann. Von der Formation aus Baden-Württemberg ist nicht viel bekannt, lediglich dass das scheinbar wichtigste Mitglied Klaus Jungmann im Dezember 2024 verstorben ist. Er war Schlagzeuger und gehörte zu den kreativen Köpfen der Rockmusik der 70er, von denen es zu jener Zeit etliche aus Mannheim und Umgebung gab (zum Beispiel: KING PING MEH oder TWENTY SIXTY SIX AND THEN).

Gleich mit dem ersten Titel 'Loser' hängen die Jungs die Messlatte recht hoch. Der Refrain bohrt sich wie ein Wurm ins Gehirn - das ist mal ein netter "Ohrwurm". Das Songwriting weist ein extrem breites Spektrum auf. In einigen Titeln verschwimmen die Genregrenzen, in den anderen kann man gezielt eine Schublade öffnen. Besonders die härteren Stücke mit exorbitant guten Gitarrensoli und phänomenalen Basslinien zaubern Klangwelten, denen man nicht alltäglich begegnet. Diese harte Abteilung der Stücke lässt mich an DR. KOCH VENTILATOR und ROY LAST GROUP denken, während die seichteren Songs Assoziationen zu AL STEWART, BARCLAY JAMES HARVEST und EAGLES wecken. Des Sängers Stimme passt sich harmonisch dem musikalischen Geschehen an. Und immer wieder sind die Fingerfertigleiten des Gitarristen deutlich spürbar - filigran bearbeitet er die Saiten und entlockt seinem Instrument allerliebste Töne.

Allerdings: Man muss diesem Genremix offen gegenüberstehen, sonst wird sich kein sonderlich großer Genuss einstellen. Wem diese Offenheit obliegt, der ist klar im Vorteil, denn dann wird aus der optischen Perle auch eine akustische, in deren Lichterglanz man sich gerne aalt und auf jede Wiederholung freut.

All denen, die sich beim Ausgraben, Bearbeiten und Produzieren von "Cage Company" beteiligt haben, muss man dafür herzlich danken. Ohne solche Musikbesessenen würden viele unbekannte und unterschätzte Werke dem Vergessen anheimfallen.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Loser
02. Climb The Hill
03. Where Ever You Go
04. Monstershow
05. Amanda
06. Old Man
07. Jessica
08. Jim Jones
09. Good White Speed
Band Website:
Medium: CD, LP
Spieldauer: 38:48 Minuten
VÖ: 29.08.2025

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