Zeicrydeus - La Grande Hérésie

Review von Froosti vom 29.07.2025 (2045 mal gelesen)
Zeicrydeus - La Grande Hérésie Rund um Québec in Kanada hat sich in den vergangenen Jahren eine starke Black Metal-Kultur etabliert. Einige dieser Bands haben auch in Europa schnell Fuß fassen können und haben teilweise schon eine Art "Legenden"-Status. Bei mir konnten sie bisher kaum punkten und liefen eher unter handwerklich gutem, aber ziemlich standardisiertem Black Metal wie ihn tausende Bands spielen. Als ich hörte, dass mit ZEICRYDEUS ein Solo-Projekt vom FUNEBRARUM-Gitarristen am Start ist, war meine Neugier geweckt, und ich konnte es kaum erwarten, die Platte zu reviewen. Laut Promo lässt sich das Debütalbum "La Grande Hérésie" in keine musikalische Schublade packen und bietet eine einzigartige Mischung. Aber schon aus Jugendzeiten weiß ich, dass nicht jede Mische unbedingt schmecken muss. Wo stehen also ZEICRYDEUS?

Tatsächlich hatte ich so meine Startschwierigkeiten mit dem Album. Nach dem ersten Durchlauf hatte ich keine Idee, was ich mit der Musik anfangen sollte. Irgendwie schräg, irgendwie alles durcheinander, irgendwie anstrengend waren meine ersten Gedanken. Zu viel auf einmal prasselte auf mich herab, und ich hatte schon Lust, die Platte abzuhaken. Irgendwas sorgte aber dafür, dass sie mir nicht aus dem Kopf ging und ich ihr einfach noch ein paar weitere Durchläufe geben musste, und siehe da, das Chaos fand Struktur und ich Zugang zur Musik. Leicht verdaulich ist ZEICRYDEUS also auf keinen Fall, und ihr solltet etwas Zeit mitbringen.

Den Sound der Band in ein paar Zeilen zu beschreiben, ist ein recht schwieriges Unterfangen. Was aber beim ersten Anhören bereits auffällt, ist der prägnante Bass. Dieser dröhnt ordentlich und steht im Mix sogar über den Gitarren und agiert nicht ausschließlich als Rhythmusinstrument, was ja eher eine Seltenheit in unserer Szene ist. Das kann man besonders gut im Opener 'Ten Thousand Spears Atop The Bleeding Mountains' hören.

Wenn ich mich auf ein Genre festlegen müsste, würde ich wahrscheinlich Black Metal wählen, und zwar den der zweiten Welle. Besonders die räudig gekeiften Vocals erinnern stark an diese Zeit. Der Gesang klingt von der ersten bis zur letzten Sekunde bitterböse, fies und eiskalt, und genau so mag ich meinen Black Metal. Das Geröchel am Anfang von 'Profane Spells & Naked Swords In the Emerald Meadows of Nhaath' kann kaum ekliger hervorkommen.

Aber ZEICRYDEUS als reine Black Metal-Band zu bezeichnen, würde den Kern auch nicht treffen. Im Verlauf des Albums werden dauerhaft unterschiedliche Elemente aus den verschiedensten Bereichen integriert. Da haben wir einen breiten Keyboardteppich, der mal nur sanfte Akzente setzt und ein anderes Mal recht dominant im Vordergrund auftritt. Als kleiner Dungeon Synth-Nerd kommt mir das sehr gelegen.

Zusätzlich haben wir immer wieder Wechsel im Tempo. Mal wird wie im Black Metal vor sich hin geballert. Mal schleppt sich der Sound wie eine Doom-Walze voran. Mal befinden wir uns im Midtempo und geben den Gitarren und vor allem dem Bass viel Raum, um sich melodisch zu entfalten. Elemente des Heavy Metals werden also auch berücksichtigt.

Um das Ganze noch abzurunden, darf eine Ladung Epik nicht fehlen. Die Songs entwickeln sich langsam und in Kombination mit dem Keyboard und den Tempowechseln baut sich eine epische, intensive Atmosphäre auf. Die melodischen Spielereien an den Instrumenten unterstreichen dies noch. Im Entferntesten erinnert dies ein wenig an BATHORY zu ihren Pagan-Zeiten.

Das Versprechen aus der Promo, einen einzigartigen Sound zu erzeugen, haben ZEICRYDEUS vollkommen erfüllt. Dass damit aber auch ein schwer verdaulicher Brocken entstanden ist, kann man nicht von der Hand weisen. Die vielen verschiedenen Elemente, die rohe Produktion, der hervorragende Gesang und die epische Atmosphäre konnten mich nach einigen Durchläufen allerdings überzeugen. Besonders 'Godsteel (Blood Of The Third Son)' hat es mir angetan. Wer mal abseits der ausgetretenen Pfade laufen will und etwas Zeit aufwendet, wird im Debütalbum "La Grande Hérésie" eine Perle des Untergrunds entdecken.

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Dragonships On The Juurn (Open Wide The Gate Of The Zeicryde)
02. Ten Thousand Spears Atop The Bleeding Mountains
03. Profane Spells & Naked Swords In the Emerald Meadows of Nhaath
04. Sous L'Ombre Éternelle Des Vestiges D'Heghemnon
05. Godsteel (Blood Of The Third Son)
06. La Grande Hérésie
07. The Era Of Satan Rising (THOU ART LORD-Cover)
Band Website:
Medium: CD, LP, Tape
Spieldauer: 42:07 Minuten
VÖ: 25.07.2025

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