Professor Emeritus - A Land Long Gone

Review von Chaosswampchicken vom 29.07.2025 (2086 mal gelesen)
Professor Emeritus - A Land Long Gone Seit der Veröffentlichung ihres stimmungsvollen Debüts "Take Me to the Gallows" (No Remorse, 2017) sind acht Jahre vergangen - und in dieser Zeit hat sich das Gesicht von PROFESSOR EMERITUS beinahe vollständig gewandelt. Nur Lee Smith, der Herr der Gitarren und Tasten, ist geblieben - ein Fackelträger in finsterer Nacht. Den Bass hat er inzwischen in die fähigen Hände von José Salazar gelegt, während Tyler Antram nun offiziell die Leadgitarre führt. Beide waren bereits im Hintergrund am Debüt beteiligt, treten nun aber ins Rampenlicht. Das Schlagzeug bedient mit wuchtiger Präzision Chris Avgerin und am Mikrofon erhebt sich Esteban Julian Pena (ACERUS) mit einer Stimme, die gleichermaßen klagt wie triumphiert - ein würdiger Nachfolger von MP Papai (FER DE LANCE). Was bleibt, ist die tiefe Verankerung in der pulsierenden Underground-Metalszene Chicagos: Salazar und Antram entstammen der Heavy Metal-Schmiede TIGER FIGHT, während Avgerin aus der raueren Klangwelt von NEQUIENT stammt. Die neue Formation bringt frischen Atem in das ehrwürdige Gemäuer von PROFESSOR EMERITUS - und lässt hoffen, dass der schwere, episch getragene Metal der Band nicht nur erhalten bleibt, sondern neue Höhen erklimmt. "A Land Long Gone" ist das zweite Studioalbum von PROFESSOR EMERITUS und es knüpft nahezu nahtlos an das Debüt an. Die klangliche Kontinuität ist bemerkenswert und wirkt wie eine Zeitkapsel, die den Geist ihres Debüts bewahrt hat. Dass die Band nach so langer Absenz so treffsicher an ihren früheren Sound anknüpft, ist nicht nur ein Kunststück, sondern fast schon ein Statement.

Atmosphäre, die trägt, und Stimmen, die fesseln

Wie immer lege ich gerne als Erstes den Fokus auf das Artwork der Platte. Eindruck macht dieses durch sein stimmungsvolles Design, gestaltet wurde es von Adam Burke - ein Name, der vielen vertraut sein könnte. Seine Werke zieren unter anderem die Platten von Bands wie ANGEL WITCH, ENFORCER, LUNAR SHADOW, PAGAN ALTAR, SPELL, UNTO OTHERS oder VEKTOR. Es fängt die düstere Poesie des Albums visuell meisterhaft ein. In gedeckten Farben und melancholischen Lichtstimmungen zeigt es eine weite, entvölkerte Landschaft - eine Welt, die ebenso zeitlos wie verlassen wirkt. Zwischen nebligen Hügeln und fernen Silhouetten scheint die Natur selbst zum letzten stillen Zeugen einer vergangenen Epoche geworden zu sein. Wie schon bei vielen seiner früheren Arbeiten gelingt Burke auch hier eine tiefe emotionale Resonanz: Das Bild erzählt keine Geschichte im klassischen Sinne, sondern schafft ein Gefühl - von Verlust, Einsamkeit, aber auch von Größe und Ewigkeit. Das Artwork steht damit sinnbildlich für die Musik von PROFESSOR EMERITUS: getragen, erhaben und voller Wehmut. Nun kommen wir aber zum Wichtigsten einer jeden Review, der Musik. Opener 'A Corpse’s Dream' setzt sofort den Ton: ein über acht Minuten dauerndes Schwergewicht, tief verwurzelt in der Tradition des epischen Doom Metals. Mit schweren, monolithischen Riffs und einem packenden Gespür für Dynamik entfaltet sich ein Track, der irgendwo zwischen der melancholischen Erhabenheit von SOLITUDE AETURNUS und der düsteren Schwere von CANDLEMASS variiert. Esteban Julian Pena liefert eine eindrucksvolle Gesangsperformance ab - seine Stimme wechselt zwischen klanglicher Dramatik, kämpferischer Leidenschaft und einem Gänsehaut erzeugenden Aufschrei ("All death!"), der sich wie ein Echo durch finstere Hallen zieht. Der Song macht unmissverständlich klar, wohin die Reise auf dem neuen PROFESSOR EMERITUS-Album geht. Der Opener rollt mit walzenden, kernigen Riffs an, solche, die mühelos zwischen epischem Doom und kompromisslosem True Metal pendeln. Schon hier merkt man: Im Vergleich zum Debüt hat sich etwas verändert. Der Sound ist schwerer, direkter - ein kraftvoller True-Doom-Brocken, der wie ein Gewitter auf uns niedergeht. Das Ganze bleibt nicht plump: Die Produktion ist überraschend klar, das Songwriting präzise - brutal, aber mit Stil. Der nächste Track ist 'Zosimos' ("A Twist of fade. A Twist in time."), er zeigt eindrucksvoll das Gespür der Band für Dynamik und dramaturgischen Aufbau - eine Fähigkeit, die vielen Genre-Kollegen abgeht. Maidenlike Twin-Guitar-Leads verweben sich mit okkult anmutenden Harmonien, während sich mehrschichtige Melodien über einen treibenden, beinahe tranceartigen Rhythmus legen. Hier entfaltet sich epischer Doom mit progressivem Unterton in voller Pracht.
Im direkten Kontrast dazu präsentiert sich 'Passage' als pures Heavy Metal-Feuer - schnell, ungestüm und voller Energie. PROFESSOR EMERITUS ziehen das Tempo deutlich an und lassen klassischen Power Metal aufblitzen, nur um ihn im richtigen Moment in ein melodisches Gitarrensolo münden zu lassen, das zwischen Virtuosität und Emotion vermittelt. Es bietet ein überraschend melodisches Zwischenspiel, das dynamische Veränderungen innerhalb des epischen Umfangs des Albums aufzeigt. Wie ein dunkler Schleier legt sich dann 'Pragmatic Occlusion' über die Mitte des Albums - ein Track, der mit schwerfälliger Gravität an frühe Doom-Epen erinnert, zwischendurch aber überraschende Momente von Schönheit offenbart, wenn melodische Gitarrenpassagen aufsteigen. Die Aggression entlädt sich in 'Defeater' - einer martialischen Hymne aus Stahl und Glut. Mit wuchtigem Riffwerk und treibender Dramatik schlagen PROFESSOR EMERITUS hier eine entschlossene Brücke zu den epischen US-Power-Doom-Bands der Gegenwart. Die Komposition wirkt schwer wie ein Belagerungsturm, durchzogen von Pathos, kraftvoller Aggression und klassischen Metal-Tugenden. 'Defeater' ist ein Schlachtruf für all jene, die das Banner des "True Metals" hochhalten - mit gezückter Klinge und ungebrochener Energie.

Epischer Doom-Metal, getragen von dunkler Melancholie und Kraft

Ein weiteres episches Kapitel öffnet sich mit 'Hubris', das sich nach einem filigranen Gitarrensolo vom akustischen Intro zu einem kraftvollen Hymnus erhebt. 'Conundrum' schlägt als energischer Galopp in die Saiten und erinnert mit seiner düsteren Dramatik an die Welt des Power Dooms. 'Kalopsia Caves' lädt auf eine knapp neunminütige Reise in dunkle Schattenwelten voller Erinnerungen und Visionen ein. Esteban Julian Pena verleiht dem Stück mit seiner Stimme zwischendurch einen Hauch von Bruce Dickinsons eine ordentliche Portion Ausdruckskraft. Es klingt wie der Versuch, die majestätische Schwere von CANDLEMASS mit dem düsteren Minimalismus von WARNING zu verschmelzen - und das Ergebnis ist beeindruckend gelungen. Er entführt uns dabei auf eine faszinierende dunkle Doom-Reise. Nebenbei blitzen Elemente von Folk sowie Anklänge an Bruce Dickinsons 'Chemical Wedding' auf. Eine ungewöhnliche Mischung, man sollte meinen es passt nicht - aber das tut es dennoch. Der Track webt eine geheimnisvolle Stimmung, die sich bis zum letzten Ton stetig steigert und fesselt. Ein wunderbares und passendes Ende für "A Land Long Gone".

Fazit

Ein einziger kleiner Makel, den ich an "A Land Long Gone" ansprechen möchte, liegt im Klangbild des Schlagzeugs - vor allem die Snaredrum wirkt stellenweise etwas flach und mit wenig Druck. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn alles andere an diesem Album erinnert eindrucksvoll daran, dass die episch-tragende Heavy-/Doom-Metal-Szene derzeit echt einiges hervorbringt. Ob Gesang, Riffarbeit, Melodieführung oder Arrangement - PROFESSOR EMERITUS liefern weit überdurchschnittliche Kompositionen ab, die mit einer natürlichen Leichtigkeit zwischen klassischem Doom und traditionellem Heavy Metal pendeln. Für alle, die sich in den letzten Jahren an Bands wie DOOMOCRACY, ARGUS, CRYPT SERMON oder VENDEL erfreut haben, ist "A Land Long Gone" nicht weniger als ein Pflichtkauf.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
1. A Corpse's Dream
2. Zosimos
3. Passage
4. Pragmatic Occlusion
5. Defeater
6. Hubris
7. Conundrum
8. Kalopsia Caves
Band Website:
Medium: CD, Digital
Spieldauer: 53:19 Minuten
VÖ: 13.06.2025

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