Agropelter - The Book Of Hours

Review von Zephir vom 20.07.2025 (2085 mal gelesen)
Agropelter - The Book Of Hours Ein gelungenes Stück vom reichhaltigen norwegischen Prog-Büfett servieren uns AGROPELTER mit ihrem Debüt "The Book Of Hours": Dieses ist rein instrumental und trotz seiner Raffinesse wunderbar leicht zu goutieren, ohne dabei fad zu werden. Multiinstrumentalist Kay Olsen hat für dieses Release eine vielköpfige Formation zusammengetrommelt, die ein beachtliches Arsenal an Instrumenten beisteuert: Die vielseitig inspirierte Musik, die 80er-Prog mit klassischen, neo-klassischen und sakralen Elementen mischt, wird unter anderem getragen von Hammond- und Kirchenorgel (hierfür verantwortlich ist Kay Olsen höchstselbst neben seinem Einsatz an Gitarre, Bass und ARP-Synthie), Percussion und Mellotron (Mattias Olsson), klassischem Klavier (Jordi Castella), Flöte und Altflöte (Hannah Danets und Luis Vilca) und Duduk (Edgar Asmar) - um nur eine Auswahl zu nennen. Der so entstandene Sound ist vielschichtig strukturiert, ohne anstrengend zu sein: Die Kompositionen mischen psychedelische Phantasmagorien mit meditativen Passagen und Ausflügen in jazzig-luftige Sphären.

Obwohl die sieben Tracks durchwegs bewegt und progressiv-rhapsodisch aufgebaut sind, bietet die Platte Raum zum Atmen und Abdriften. Als musikalische Inspiration sollen altgediente Progger wie GENESIS und KING CRIMSON ebenso gehört worden sein wie barocke, klassische und "moderne klassische" Komponisten - um genauer zu werden: Bach, Beethoven und Rachmaninow. Vor allem die Erwähnung des barocken Vertreters mag überraschen, doch offenbart das Songwriting mehr als die Orgel-Passagen in 'Levitator', beispielsweise das Fugato zu Beginn von 'The Book Of Hours Part I'. Mit welcher Geschmeidigkeit dieses in spaceigen Synthie-Prog mit alsdann einsetzendem Uhrenticken übergeht und letztlich gar in einen treibenden E-Gitarren-Galopp verfällt, ist einfach sagenhaft.

Bei einem solchen Resultat handelt es sich selbstredend nicht um typische Radiomusik; gleichwohl hat Kay Olson eine Single auskoppeln lassen: 'The Book Of Hours Part II', fünfter Track des Albums und zweiter Teil der viergliedrigen Titelreihe. Ob die hierin enthaltene musikalische Reminiszenz an den Oompa-Loompa-Gesang aus Tim Burtons Charlie And The Chocolate Factory (2005) beabsichtigt oder zufällig ist, kann ich nicht sagen, aber sie unterstreicht den Eindruck, den AGROPELTER hinterlassen: Die Musik ist ein Labyrinth aus Formen und Farben, in das man sich verirren kann, in dem es aber auch hinter jeder Windung eine neue schmackhafte Überraschung zu kosten gibt. Der synästhetische Eindruck wird durch ein surrealistisches Video untermalt, das stilistisch zwischen 80er-SciFi-Comic und Salvator Dalí mäandert.

Da die Musik sich jenseits des Metal bewegt und eine ausgesprochene Nische bedient, dürfte der Name AGROPELTER auch zukünftig keine übermäßige Bekanntheit in der deutschen Metal-Szene erlangen. Wen diese Nische interessiert, der wird hier allerdings einen wahren Leckerbissen finden, dessen differenzierte Geschmäcker sich vor allem beim mehrmaligen Genießen voll entfalten.



Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Flute Of Peril
02. Levitator
03. Burial Mound
04. The Book Of Hours Part I
05. The Book Of Hours Part II
06. The Book Of Hours Part III
07. The Book Of Hours Part IV
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 45:00 Minuten
VÖ: 25.07.2025

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