Hexvessel - Nocturne | |
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| Review von Chaosswampchicken vom 11.07.2025 (8504 mal gelesen) | |
Mat McNerney hat eine erlebnisreiche musikalische Historie hinter sich:Da wären seine Ausbrüche in den Post-Punk und Death Rock mit BEASTMILK und GRAVE PLEASURES, oder auch der Abstieg in die dunklen Gefilde des Black Metals mit CODE, DODHEIMGARD und THE DEATHTRIP. Eines von dieser musikalischen Reise beeinflussten und spannendsten Projekte ist HEXVESSEL. Was zunächst eher als psychedelischer Folk Rock begann, hat sich zu einem atmosphärischem und melodischen Black Metal im klassischen Stil von ULVER hin entwickelt, wobei die Musik der finnischen Band auch einige Doom-Vibes verlauten lässt. Diese spezielle Entwicklung des Projekts begann mit dem Album "Polar Veil" im Jahr 2023 (das abwechslungsreichen Sound sowie die Richtungsänderung hervorhob), dieses Machwerk zeigte, welches Potenzial es hatte. Das Ergebnis: ein gut durchdachtes Album mit vielen Schichten. Nun, rund zwei Jahre später im Jahre 2025, hat HEXVESSEL mit "NOCTURNE" ihren siebten Longplayer veröffentlicht. Wie klingt "Nocturne" nun? Wenn ich es kurz anschneiden soll, bevor wir uns gleich tiefer damit beschäftigen, fange ich am besten mit dem Kern dieser Idee an. Dieser fand seinen Anfang bei einer Aufführung eines Werkes beim Roadburn Festival 2024, das ursprünglich den Titel "Music for Gloaming: A Nocturne" trug. Mit diesem Album erscheint es nun in voller Länge als Aufnahme. Dieses Opus Magnum verbindet den rauen Geist von Quorthons Black Metal mit dem komplexen Minimalismus zeitgenössischer Komponisten wie Philip Glass, György Ligeti und Avro Pärt.HEXVESSEL und die dunkle Wandlung zum Black Metal Starten wir mit dem Cover, meine Lieben. "Das Albumcover kommt mir bekannt vor" - dieser Gedanke dürfte nicht nur mir durch den Kopf gegangen sein, wenn man erstmals seinen Blick über das neue Werk von HEXVESSEL gleiten lässt. Und tatsächlich: Ja, aber auch nein. Denn obwohl das Album, das - wie schon besprochen - aus einem eigens für das Roadburn Festival 2024 konzipierten Projekt hervorging, visuell wie konzeptionell gewisse Parallelen zum Vorgänger "Polar Veil" aufweist, schlägt es musikalisch eine noch düsterere Richtung ein. Nicht nur das Cover wirkt wie die finstere Spiegelung seines Vorgängers – auch der Sound ist schwärzer, unheilvoller, tief verwurzelt im Black Metal, ohne dabei die Atmosphäre und das Gespür für Tiefe zu verlieren, für die HEXVESSEL seit jeher stehen. Mit leichten und zärtlichen Pianoklängen öffnet uns 'Nocturne' langsam die Tür zur Dunkelheit - doch die Ruhe trügt. Schon bald bricht mit 'Sapphire Zephyrs' ein fast neunminütiger Strom aus frostiger Schwere los: kalt, schleppend, bedrohlich - ein Klangbild wie aus tiefstem schwarzen Winter. Wenn schließlich die Double-Bass und die Rauen fast kreischenden Vocals einsetzen, denk ich so bei mir: Verdammt - das wird gut. Doch HEXVESSEL wären nicht HEXVESSEL, wenn sie das Dunkle und Böse nicht mit ihrem typischen mystischen Glanz durchbrechen würden. Der Gesang erhebt sich gemeinsam mit theatralischen Female-Backing-Vocals auf eine transzendente, fast schon rituelle Ebene. Als schließlich der wunderbar melodische sowie epische Chorus einsetzt, offenbart sich uns der hörbare Wandel der Band - irgendwo zwischen Schwärze und Schönheit sowie Trance und Tragik. Die von der Band vertrauten, dezent eingesetzten Folk-Elemente sind uns aber erhalten geblieben und weiterhin präsent. Sie beschwören stimmungsvolle Kontraste herauf - und sorgen so für Abwechslung und atmosphärischer Tiefe zwischen all der Finsternis. Das Klangkonzept wirkt unheilvoll: Wald, Nebel, Einsamkeit - all das spürt und hört man auch. Ein reich gedecktes Mahl für den Liebhaber der zweiten Welle des Black Metals der 90er Jahre. Dem klassischen Hörer des Prog hingegen wird dies eher weniger Interessieren. 'Inward Landscapes' trieft dann nur so von doomigem Sound: Schürfende, walzend-kernige Riffs, schwermütiger Gesang, und treibende, düstere Passagen formen ein melancholisches Epos. Auch hier erwartet uns ein längerer Track - über eine Länge von ebenfalls fast neun Minuten. Hier bleibt genug Zeit und Raum zum Entspannen, Loslassen und Versinken. 'Inward Landscapes' ist der nächste Song auf unserer Reise und beginnt mit einem wunderbar einprägsamen Leadgitarren-Intro. Die Kombination aus harschen Black Metal-Instrumentals und Mats eindringlicher Stimme wirkt auf den ersten Blick beinahe gegensätzlich - doch genau diese Reibung entfaltet hier ihre Wirkung. Was zunächst unstimmig erscheinen mag, entpuppt sich als perfekte Ergänzung zu dem düsteren Klangbild, das HEXVESSEL auf diesem Album erschaffen. Der akustische Mittelteil ist besonders klangvoll und wird durch Saaras feine musikalische Akzente stilvoll veredelt. Eine spannende Wendung bringt 'A Dark & Graceful Wilderness', das durch einen Spoken Word Part und Mats cleanen Vocals zusätzliche Facetten und Tiefe offenbart. Besonders hervorzuheben ist hier für mich der subtil eingesetzte Synthesizer, der mit seiner frostigen, fast geisterhaften Atmosphäre die Stimmung des Tracks noch verstärkt und dem Song eine mystische Aura verleiht. Zwischen Nebel und Nacht – "Nocturne" beschreitet dunkle Pfade Mit 'Spirit Masked Wolf' rückt der Fokus spürbar auf die Gitarren - kraftvoll, treibend, beinahe zeremoniell. Mat entfaltet hier seine stimmliche Bandbreite, er wechselt zwischen klarem, beinahe beschwörendem Gesang und jene harschen, rauen Schreie, die abermals an den frühen Black Metal erinnern. Die Gitarren brennen sich schichtweise in die Tiefe, während Saaras zurückhaltender, doch eindringlicher Einsatz gegen Ende dem Stück einen fast spirituellen Touch verleiht - wie ein Lichtschein im Nebel. Mit 'Nights Tender Reckoning' betritt ein noch düstereres Gefühl die Szenerie. Hier schleichen sich die Synthesizer wie frostige Nebelschwaden ins Klangbild, verweben sich mit Gitarren und Gesang zu einem kalten, aber anmutigen Gebilde. Der Abschnitt mit den zwei Leadgitarren wirkt wie ein kurzer Aufbruch - melodisch, hell und überraschend lebendig, als würde für einen Moment der Himmel aufreißen. Nach einem introvertierten Auftakt, begleitet von Schneefallgeräuschen und eisigem und heulenden Wind, erhebt sich 'Mother Destroyer' aus der Stille - angetrieben von unbarmherzigen Blastbeats, die wie ein Schneesturm durch das Stück jagen. Der Song lebt von dieser Urgewalt, kanalisiert in strukturierter Raserei, und markiert einen der intensivsten Momente auf Nocturne. Nach der beruhigenden Akustikreise in 'Concealed Descent' öffnet sich das Tor zur Finsternis erneut: In 'Unworld' verleiht Vicotnik (DODSHEIMGARD) dem Stück mit seiner eindringlichen Stimme eine raue Tiefe, die den Song in dunkle, mystische Sphären trägt. Die Gitarren wirken dabei wie schwarze Flügel, die sich über die gesamte Komposition spannen. Das letzte Kapitel schreibt 'Phoebus' - eine psychedelisch angehauchte Reflexion des Albums, getragen von hallenden Klangflächen. Besonders hervorzuheben sind die unheilvoll heulenden Schreie von Juho Vanhanen (ORANSSI PAZUZU), die dem Song eine geisterhafte Seele einhauchen und das Album mit einem Schaudern in der Dunkelheit entlassen. Fazit Mit "Nocturne" gelingt HEXVESSEL ein tiefschwarzes Klanggemälde, das die Grenzen zwischen atmosphärischem Black Metal, Doom und psychedelischer Eleganz kunstvoll verwischt. Die Band um Mat McNerney beweist erneut ihr Gespür für Tiefe, Dynamik und dramaturgische Spannungsbögen - mal brachial, mal zerbrechlich, stets durchzogen von einer beeindruckenden Aura. "Nocturne" ist mehr als ein Album - es ist ein düsteres Ritual, ein nächtlicher Ritus zwischen Nebel und Sternenlicht, der die Hörenden mit jeder Note tiefer in seine Schattenwelt zieht. Für Freunde experimenteller, emotionaler Extremklänge mit Anspruch eine lohnende Reise - und vielleicht eines der stärksten und facettenreichsten Werke von HEXVESSEL. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 1. Opening 2. Sapphire Zephyrs 3. I nward Landscapes 4. A Dark & Graceful Wilderness 5. Spirit Masked Wolf 6. Nights Tender Reckoning 7. Mother Destroyer 8. Concealed Descent 9. Unworld 10. Phoebus | Band Website: www.hexvessel.com/ Medium: 2 CDs, 2 LPs Spieldauer: 57:59 Minuten VÖ: 13.06.2025 |
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Mat McNerney hat eine erlebnisreiche musikalische Historie hinter sich:Da wären seine Ausbrüche in den Post-Punk und Death Rock mit BEASTMILK und GRAVE PLEASURES, oder auch der Abstieg in die dunklen Gefilde des Black Metals mit CODE, DODHEIMGARD und THE DEATHTRIP. Eines von dieser musikalischen Reise beeinflussten und spannendsten Projekte ist HEXVESSEL. Was zunächst eher als psychedelischer Folk Rock begann, hat sich zu einem atmosphärischem und melodischen Black Metal im klassischen Stil von ULVER hin entwickelt, wobei die Musik der finnischen Band auch einige Doom-Vibes verlauten lässt. Diese spezielle Entwicklung des Projekts begann mit dem Album "Polar Veil" im Jahr 2023 (das abwechslungsreichen Sound sowie die Richtungsänderung hervorhob), dieses Machwerk zeigte, welches Potenzial es hatte. Das Ergebnis: ein gut durchdachtes Album mit vielen Schichten. Nun, rund zwei Jahre später im Jahre 2025, hat HEXVESSEL mit "NOCTURNE" ihren siebten Longplayer veröffentlicht. Wie klingt "Nocturne" nun? Wenn ich es kurz anschneiden soll, bevor wir uns gleich tiefer damit beschäftigen, fange ich am besten mit dem Kern dieser Idee an. Dieser fand seinen Anfang bei einer Aufführung eines Werkes beim Roadburn Festival 2024, das ursprünglich den Titel "Music for Gloaming: A Nocturne" trug. Mit diesem Album erscheint es nun in voller Länge als Aufnahme. Dieses Opus Magnum verbindet den rauen Geist von Quorthons Black Metal mit dem komplexen Minimalismus zeitgenössischer Komponisten wie Philip Glass, György Ligeti und Avro Pärt.
