Gràb - Kremess | |
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Review von Chaosswampchicken vom 27.02.2025 (12463 mal gelesen) | |
![]() Das Todesmahl ist LeereBevor wir mit der Musik in eine andere Welt eintauchen werden, widmen wir uns als allererstes einmal dem grandiosen Artwork des Albums. Gemalt von Benjamin König, zeigt es den Tod, der dem jungen Knaben einen Teller voll Leere serviert, während Schnee fällt. Der Tod scheint darin Diener und Meister in einem zu sein: Zum einen scheint er dem Knaben einen geliebten Menschen genommen zu haben, was ihn mit Leere zurücklässt. Doch könnte die Laterne mit dem Licht darinnen suggerieren, dass es auch einen Ausweg aus der Trauer und dem Schmerz gibt, selbst das Unausweichliche (wie der Tod) einem einen positiveren Ausblick auf das eigene Leben geben kann und man jeden Tag nutzen sollte, der sich einem bietet. Auf dem Debüt "Zeitlang" schaut ein alter Mann zurück auf sein Leben, es beginnt mit der Kindheit. In dieser schleicht sich irgendwann die Dunkelheit in dein Leben, gemeint ist damit wohl der Tod. Der Song 'Nachtkrapp' zum Beispiel beschäftigt sich mit eben dieser Thematik. Bei dem aktuellen Release "Kremess" geht es um die andere Seite der Wahrnehmung, aus der Sicht des Kindes. Und damit kommen wir dann auch zu dem Wichtigsten einer jenen Review, der Musik. 'Waidler' eröffnet das Album mit einer kräftigen Midtempo-Black-Metal-Melodie im Stile von HELRUNAR oder KAMPFAR. Der gleich zu Beginn einsetzende Chorgesang erinnert mit seinem rustikalen Ambiente an norwegische Wandervögel auf dem in den 90ern stilprägenden Moonfog-Label. Grànt macht seinem Künstlernamen hier alle Ehre, wenn er die werten Hörer auf den Spuren LUNAR AURORAs über "a haudiga Weg" führt. Der Opener erinnert zudem auch ein wenig an SATYRICON, vor allem an frühe Werke, als man das kernige Schwarzmetall noch mit epischen Klängen und feinen Melodien verzierte. Weiter geht es mit dem Titeltrack der Platte. 'Kremes' beginnt zunächst etwas getragener und mit leichten Dissonanzen versehen, der Sprechgesang und der darauffolgende Chor fügen dem Track zusätzlich Tiefe und Melancholie bei. Im Verlauf des Tracks wird es frostiger und rauer, was letztlich auch an der rauen und röchelnden Stimme von Grànt liegen dürfte. Dieses langgezogene Keuchen und Schreien löst einfach etwas in einem aus. Die große Überraschung aber kommt am Ende, denn das Ende wartet mit melodischen Heavy Metal-Riffs auf. Ungewöhnlich? Vielleicht, aber auch verdammt gut. Ein anderes Beispiel für die perfekte Balance zwischen dem aggressiven und frostigen Kern von GRÀB und der atmosphärischen Brillianz, die sie in ihre Musik stecken, ist das Stück 'Kerkermoasta'. Hier demonstriert die Band ihre Fähigkeit, über lange Passagen hinweg zwischen verschiedenen Stilen hin und her zu wechseln und gleichzeitig ein hervorragendes Hörerlebnis zu bieten. Großartige fließende und schwere Melodien, untermalt mit diesem unnachgiebigen bayrischen Grollen in den Vocals von Grànt. Der ganze Track trieft nur so von clever gesetzten Ambient-Elementen und im Generellen ist das Songwriting hier wirklich ausgreift, irgendwann habe ich hier meine Augen geschlossen und die Soundkulisse einfach auf mich wirken lassen. "Kremess" ist Heimat für ungewöhnliche Elemente im Black MetalIn 'Im Hexnhoiz' ertönen von Komalé Akakpo auf dem Hackbrett gespielte Melodien. Zuallererst aber dringen zarte Melodien aus einer Akustikgitarre an unser Ohr, diese Melodien werden untermalt von flüsterndem Sprechgesang, was wirklich zur mystischen Stimmung beiträgt. Es folgen schwere, an EMPYRIUM erinnernde Sounds, was wohl daran liegt, dass neben den klassischen Saiteninstrumenten, die hier überall zu vernehmen sind, auch der dunkle und tiefe Cleangesang von Thomas Helm (EMPYRIUM und NOEKK) an das Ohr des geschätzten Hörers dringt. Die generellen Vocals, keuchend und leidend, sowie dieses hypnotische Schlagzeug machen diesen Song zu einem der wohl melancholischsten und spannendsten auf "Kremes". 'Vom Gràb Im Moos' überzeugt mit vielschichtigen Arrangements, wehmütigen Melodien und einem Gänsehaut erzeugenden und verträumten Chorus, und wieder spielt sich hier ein grandioses Solo hervor, das man so nicht auf einer so dunklen Platte vermuten würde. Es zeigt aber wieder ein weiteres Mal, wie vielfältig die Band hier im Stande ist, Genre und Stile in Einklang zu bringen. Neben den schon angesprochenen Besonderheiten in diesem sehr treibenden und starken Song spielt sich vor allem auch das Flötenspiel von Johanna Rehm zum Ende in den Vordergrund. Nach einem ins Mark gehenden schmerzerfüllten Schrei ertönt diese zarte und wunderschöne Melodie, diese Folkelemente spiegeln für mich dieses Bündnis aus Trauer um Verlust und die Heilung eines Selbst nach eben diesem Verlust wieder. Wie schon auf dem Debüt, steuert Markus Stock auch dieses Mal ein kurzes Instrumentalstück bei, intoniert auf Hackbrett und analogem Synth. 'Waldeinsamkeit' strahlt eine nostalgische Verträumtheit aus, es wirkt unheimlich beruhigend, was auch dem Zuhörer die Möglichkeit gibt durchzuatmen und die lieblichen Melodien in sich aufzunehmen. Es dient durch seine Kürze mit etwa zwei Minuten auch wunderbar als Einleitung zu unserem Closer. Dieser erwähnte Closer ist das kaltblütige 'Dà Letzte Winter', dieser bringt das Album als epischen Track mit einer Länge von fast 12 Minuten zum Schluss. Schon zu Beginn überzeugt er mit einer frostigen und unbehaglichen Geräuschkulisse, hier vernehme ich auch zum ersten Mal bewusst den Bass, wie er surrend und wummernd seine Bahnen zieht. Ein dunkles und melodisches Riff gibt dem sich eh schon erdrückend anfühlenden Track noch mehr Gewicht und Tiefe. Ich muss erneut diese fantastischen Vocals erwähnen - diese Leichtigkeit, in der man hier von peingeplagten Schreien zu keuchendem, aggressivem und klagendem Gesang wechselt, ist ein Genuss. Der Band ist es gelungen, traditionelle Elemente mit ihren nordischen/bayrischen Black Metal-Wurzeln zu vermischen, so haben sie eine fesselnde und gleich abwechslungsreiche Atmosphäre geschaffen. FazitWas kann man hier abschließend nun zu GRÀB und ihrem zweiten Longplayer "Kremess" sagen, was nicht so schon mal in dieser Review besprochen wurde? Wir haben hier ein traditionelles Black Metal-Werk, das Folk-Elemente einbaut, aber auch gewillt ist, über den Tellerrand zu schauen. Obgleich ich Anleihen zu Bands wie ENSLAVED, GEHENNA, ULVER oder DARKTHRONE höre, spinnt die Band doch ihr ganz eigenes Werk mit viel Liebe und Versessenheit zu Details. Die Gesamtstimmung ist frostig schmerzend, in einer überzeugenden und unwirtlichen Atmosphäre und Nostalgie schwelgt man dahin, bis zum erlösenden Tode. Das wirklich gute Songwriting und Mastering der Platte lässt uns zu jeder Zeit jede Facette und Nuance in ihrer Gänze spüren. Gesamtwertung: 9.0 Punkte ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | |
Trackliste | Album-Info |
01. Waidler 02. Kremess 03. Kerkermoasta 04. Im Hexnhoiz 05. Vom Gràb Im Moos 06. Deifeszeig 07. Waldeinsamkeit 08. Da Letzte Winter | Band Website: www.facebook.com/grabavaria Medium: CD Spieldauer: 55:40 Minuten VÖ: 21.02.2025 |
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