The Gäs - Bad News

Review von baarikärpänen vom 08.12.2022 (363 mal gelesen)
The Gäs - Bad News Abwechslung hat ja noch nie geschadet. Es muss ja nicht immer Musik sein, zu der man entweder headbangend das Mobiliar zerlegt oder träumend unter dem Kopfhörer dem Sonnenuntergang zuschaut. Manchmal darf es eben ganz einfach auch mal hart rockende Mucke ohne jeden Firlefanz sein, zu der man gepflegt das ein oder andere Kaltgetränk vernichtet. Genau da kommen THE GÄS ins Spiel, die für mich in diesem Genre mal eben mit "Bad News" das Highlight des Jahres eingetütet haben.

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2017 in Köln gegründet, haben THE GÄS mit "Savage" schon ein mehr als beachtliches Debüt veröffentlicht. Ich bin mir ziemlich sicher, wäre die verdammichte Pandemie nicht dazwischengekommen, hätte es nicht bis 2022 gedauert, bis wir den Nachfolger in Händen gehalten hätten. Eine gute Seite hatte besagte Pandemie für THE GÄS allerdings, denn so konnten sie in aller Ruhe nach dem Abgang des Drummers nach Ersatz suchen, den sie in Person des Duisburgers Hanno Kerstan (u.a. auch bei MYSTIC PROPHECY tätig) gefunden haben. Hanno Kerstan darf sich dann auch ein Extralob abholen, weil sein Drumming für meine Ohren entscheidenden Anteil am positiven Gesamtsound hat. Klar, Stoff wie ihn THE GÄS zocken, lebt vor allen Dingen aber von den Riffs, die die Gitarristen auf die Hörer loslassen. Davon haben die Kölner gleich drei an Bord, wobei sich Michael Krol und Mike Schneider allerdings am Viersaiter abwechseln. Dieser Wechsel zwischen Gitarre und den tiefen Tönen ist auch so ein Punkt, der klar für "Bad News" spricht, weil Krol und Schneider natürlich ihre ganz spezielle Herangehensweise an den Bass haben. Wenn man genau lauscht, hört man es. Last but not least wäre da noch Sänger Pedro Cardoso, der mit seiner echt eigenständigen Röhre die Songs veredelt.

Für "Bad News" haben sich THE GÄS etwas Tolles einfallen lassen. Anstatt sich die moderne Studiotechnik zu greifen und ein zu perfekt klingendes Album aufzunehmen, war die Band im Studio der Leverkusener Soundlegende Gerd Baldringer und hat ihren Zweitling komplett analog und live eingespielt. Etwas, was leider heutzutage viel zu selten passiert. Zugegeben, das hat sich für mich beim eröffnenden Titelsong erstmal etwas gewöhnungsbedürftig angehört, aber je länger das Album dauert, desto mehr darf man den Jungs zu ihrer Entscheidung gratulieren. Hard Rock, wie ihn THE GÄS geradezu zelebrieren, sollte per Verordnung immer so aufgenommen werden. Da kommen selige Erinnerungen hoch an musikalische Großtaten wie "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" oder "High Voltage". So verwundert es auch nicht, dass ein gewisser Malcolm Young sicher seine helle Freude an THE GÄS gehabt hätte. Vor allem aber, weil die Kölner plus ein Duisburger sich im Gegensatz zu RHINO BUCKET oder NEW AMERICAN SHAME nicht ehrfürchtig an die überlebensgroßen Vorbilder klammern, sondern ihren Songs eine eigene Note verleihen, die sie mal eben davor schützt, bloß als Plagiat durchzugehen. Sehr gut nachzuhören zum Beispiel in 'Gun For Hire'. Aber nicht nur die Aussies haben Pate gestanden für den gut abgehangenen Hard Rock. Alleine für das Randy Rhoads-Gedächtnis-Riff von 'Come On' ('Crazy Train' anyone?) gibt’s von mir jede Menge Respekt. Dass hinter THE GÄS laut Info auf der Webseite Berufsmusiker stecken, dafür finden sich jede Menge Beispiele auf "Bad News". Wo andere Bands die Songs eher straight durchzocken würden, streuen THE GÄS immer wieder Parts ein, die mal auf den ersten Hör vielleicht dissonant klingen, letztendlich aber dafür sorgen, dass die Musik Haken hat, mit denen man den Hörer erst so richtig packt. Gebt euch einfach mal das letzte Drittel von 'Wasted World' und ihr wisst, was gemeint ist. Für mich der größte Pluspunkt von "Bad News" bleibt aber, dass das Album von vorne bis hinten rockt, das Tempo auch innerhalb eines Songs geschickt variiert wird. Ausfälle gibt es auf "Bad News" wirklich keine, auch wenn der ein oder andere Song vielleicht ein oder zwei Durchläufe mehr braucht, um zu zünden. Wenn sie es dann aber tun, dann nachhaltig!

Gut, mit Sleaze oder Glam, die beide im Info zitiert werden, hat "Bad News" für meinen Geschmack wenig zu tun. Was aber zutrifft, ist, dass auch Leute, die auf diese Stile abfahren, mit "Bad News" ein neues Lieblingsalbum in den Händen halten dürften. Im Gegensatz zu vielen anderen Genrevertretern, deren Alben trotz aller unbestreitbarer Klasse immer etwas "over the top" sind, haben THE GÄS mit ihrem rohen und authentischen Sound und ihren tollen Songs ganz klar die Nase vorne. Musik, die auf die Bühne gehört und jede Wertung unter neun Punkten wäre Frevel!




Gesamtwertung: 9.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. Bad News
02. Come On!
03. Devil's Eye
04. Waste The World
05. Gun For Hire
06. Jump In The Fire
07. Tame The Beast
08. The Game
09. Trinity
10. No Hard Shoulder
Band Website: https://www.facebook.com/TheGaesOfficial/
Medium: CD
Spieldauer: 39:23 Minuten
VÖ: 11.11.2022

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