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Wucan - Heretic Tongues

Review von baarikärpänen vom 17.05.2022 (757 mal gelesen)
Wucan - Heretic Tongues Ich weiß jetzt nicht genau, wie viele Reviews ich zu WUCAN gelesen habe, aber immer wieder taucht dieser schräge Vergleich mit den BLUES PILLS auf. Sicher, auch ich habe die in Schweden beheimatete Multikulti-Truppe hier und da schon mal herangezogen, aber nur, wenn es auch musikalisch gepasst hat. Und genau da liegt nämlich der Hase im Pfeffer, wenn es um WUCAN geht. Nur weil mit Francis Tobolsky eine Frau hinterm Mikro steht, bedeutet das ja wirklich nicht, dass BLUES PILLS ais Referenz herhalten müssen. Zumal die Musik von WUCAN so rein gar nichts mit der der PILLS gemein hat. Im Gegensatz zu Elin Larsson und Mannen wissen WUCAN nämlich, wie man richtig rockt!

Was ebenfalls etwas nervt, ist der Vergleich mit JETHRO TULL, nur weil Francis Tobolsky auch gerne mal zur Querflöte greift. Aber Hand aufs Herz: So sehr ich TULL auch mag, aber rein härtetechnisch werden die von WUCAN sowas von locker vom Feld geblasen, dass dieser Vergleich einfach nur absurd ist. Will man WUCAN wegen der Querflöte wirklich mit einer anderen Band vergleichen, dann am ehesten noch mit den spanischen Metal-Vorreitern ÑU. Besagte Flöte wird auch nicht prominent im WUCAN-Sound eingesetzt, sondern dient meiner bescheidenen Meinung nach nur als großartige Ergänzung des Gesamtsounds, so wie bei genannten Spaniern. Genau dieser Gesamtsound ist es auch, der WUCAN so einzigartig macht und eigentlich den Vergleich mit den vorab genannten BLUES PILLS geradezu verbietet.

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Oberflächlich betrachtet, kann man schon auf die Idee kommen, die Dresdner WUCAN in der Retro-Schublade einzusortieren. Das mag auch seine Berechtigung haben, denn die Band gibt ja durchaus auch zu, vom Rock der 60er bis hin zu den späten 70ern und bestimmt auch der NWoBHM inspiriert zu sein. Aber WUCAN sind eben doch mehr als das, denn die Band nimmt die bekannten Zutaten und verpasst ihnen einen durchaus zeitgemäßen Anstrich. Dabei tappen sie nicht in die Falle, nur nach Vorbildern aus England zu schielen, sondern bauen auch auf die eigene muskalische Tradition der ostdeutschen Region. Es darf also auch schon mal ein Bezug zu nach der Wende in Vergessenheit geratenen Ost-Rockern wie BERLUC, BABYLON oder BLITZZ sein. Sicher, man muss schon tief im Sound von WUCAN graben, um darauf zu stoßen. Aber gerade das und auch die dezent eingestreuten Experimente im Sound machen den Reiz von "Heretic Tongues", so der Titel der neuen Scheibe, aus.

"Heretic Tongues" startet fast schon schwermetallisch mit 'Kill The King' und 'Don't Break The Oath', wobei ersteres ein gutes Beispiel für den songdienlichen Einsatz der Querflöte ist und zweiteres mich hin und wieder (Chorus) leicht an DEMON erinnert. Auch wenn beide Tracks durchaus als Metal durchgehen, haben sie doch immer diesen unverkennbaren Retro-Chic, den WUCAN gekonnt einbauen. Womit wir dann auch schon bei einem der Experimente wären, die die Dresdner auf ihrem neuen Album einbauen. 'Fette Deutsche', der Titel lässt es ahnen, ist eine Abrechnung mit Dumpfbacken, und der völlig unpeinlich und sehr poetisch gehaltene Text kommt in deutscher Sprache daher. Steht der Band ausgesprochen gut und bildet einen schönen Kontrastpunkt. Weiter geht's mit neuen Sounds, die WUCAN ihrem Material gönnen. Das zweigeteilte 'Far And Beyond' überrascht mit 70er Disco-Sounds, die im Sound auftauchen. Sowas kann gnadenlos nach hinten losgehen, aber WUCAN beweisen ein feines Händchen, wenn es darum geht, das ansonsten bei anderen Bands sehr nervige Pluckern und die funky Rhythmen in ihren ureigenen Sound einzubauen. BLONDIEs 'Heart Of Glass' trifft early RAINBOW, wenn man so will. Wird einigen Hörern bestimmt sauer aufstoßen, aber mir persönlich gefällt der gewagte Spagat. Vor allem, weil es trotz Synthi-Sounds und Gefiepe immer noch rockt. Absolut Geschmack beweisen WUCAN mit 'Zwischen Liebe Und Zorn', dem zweiten deutschsprachigen Song auf dem Album, im Original von der KLAUS RENFT COMBO aus dem Jahr 1972. Sozusagen early Hard Rock made in GDR. Damals durchgewinkt von den obersten Genossen der Partei, lohnt es sich, beim Text genau hinzuhören. Für die damalige Zeit ein mutiges Statement, so man denn zwischen den Zeilen zu lesen vermag. Wen wundert's, dass RENFT 1975 verboten wurden. Spannend, dass der Text auch 50 Jahre später nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. WUCAN halten sich zum Glück deutlich ans Original, halt härtetechnisch und soundmäßig aufgepeppt. Den Abschluss dieses spannenden Albums macht der Longtrack 'Physical Boundaries', der mit seinen zum Teil spacigen Sounds und Jam-Parts vor allem die gelegentliche Nähe von WUCAN zum Krautrock zeigt.

Alles in allem ist WUCAN mit "Heretic Tongues" ein spannendes Album gelungen, dem die kleineren Experimente der Band sehr gut zu Gesicht stehen. (Musikalischer) Stillstand ist im Hause WUCAN also nicht zu vermelden. Neben den sehr guten Musikern macht vor allem die variable Stimme von Francis Tobolsky den Unterschied aus, die sowohl einfühlsam klingen kann, aber eben auch kratzbürstig, wenn benötigt. Das hebt die Band deutlich von ähnlich genordeten Truppen wie BLOOD CEREMONY ab. Und damit begraben wir endlich mal den unpassenden Vergleich mit den BLUES PILLS und vergeben sattsam verdiente achteinhalb Punkte.




Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Kill The King
02. Don't Break The Oath
03. Fette Deutsche
04. Far And Beyond
05. Far And Beyond (Until We Meet Again)
06. Zwischen Liebe Und Zorn
07. Physical Boundaries
Band Website: https://www.facebook.com/wucanmusic/
Medium: CD
Spieldauer: 41:56 Minuten
VÖ: 20.05.2022

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