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Alcatrazz - V

Review von baarikärpänen vom 16.10.2021 (922 mal gelesen)
Alcatrazz - V Es darf mal wieder diskutiert werden. So wie immer eigentlich, wenn eine Band mit beeindruckender Historie sich plötzlich runderneuert und das ausgerechnet beim Platz hinterm Mikro. Sagen wir es so, wie es ist: ALCATRAZZ verbindet man wohl auf ewig mit dem Namen Graham Bonnet. Genauso wie man den Namen TANK mit Algy Ward verbindet. Der Vergleich ist übrigens mehr als berechtigt, denn kein anderer als Doogie White steht nun bei ALCATRAZZ auf der Bühne. Jener Doogie White, der nicht nur bei RAINBOW oder Michael Schenker seine Stimmbänder bemühte, sondern eben auch bei den reformierten TANK. Gut, bei ALCATRAZZ sind immer noch Jimmy Waldo (Keyboards) und Gary Shea (Bass) aus der Urbesetzung der Band an Bord. Insofern darf man ihnen zugestehen, daß sie den Namen ALCATRAZZ auch weiterhin verwenden. Leider wird uns das Thema ALCATRAZZ auch in naher Zukunft beschäftigen, denn Graham Bonnet seinerseits hat angekündigt, diesen Namen weiterhin zu benutzen. Dennoch, ich hab' mich schon bei TANK mit dem neuen Line-Up und der geänderten Marschrichtung schwer getan, und so geht es mir auch jetzt mit ALCATRAZZ. Aber nichtsdestotrotz werde ich mein Bestes geben und mich so objektiv wie möglich mit dem ersten Ergebnis der Zusammenarbeit dieser "neuen" Band, dem Album "V", befassen. Versprochen!

Sieht man mal vom eher songdienlich agierenden Danny Johnson ab, der auf "Dangerous Games" zu hören war, hatten ALCATRAZZ mit Yngwie Malmsteen und Steve Vai immer echte Virtuosen an den sechs Saiten. Zu denen darf sicher auch Joe Stump gezählt werden, der von seinem Spiel her doch eher in die Yngwie-Richtung, also neoklassisch, geht. Davon konnte man sich schon auf dem Vorgänger "Born Innocent" überzeugen. Für mich immer noch eine mehr als überzeugende Comeback-Scheibe, vom Stil her sehr in der Tradition von "No Parole From Rock'n'Roll" auf Graham Bonnet zugeschnitten. Auf besagtem "Born Innocent" war auch die eine oder andere Abgehnummer, wie zum Beispiel 'Finn McCool' oder das RAINBOW-mäßige 'Paper Flags'. Im Geschwindigkeitsvergleich dazu gehen viele Nummern auf "V" noch einen Schritt weiter. Alleine der Opener 'Guardian Angel' (mit Nigel Glockler von SAXON an den Kesseln) geht als Highspeed-Power Metal durch, der stilistisch so rein gar nichts mit den älteren Sachen von ALCATRAZZ zu tun hat. In diese Kerbe haut auch das nachfolgende 'Nightwatch', bevor auf 'Sword Of Deliverance' das Tempo rausgenommen wird. Eine edle Mischung aus Metal/ Melodic Metal mit einem tollen und einprägsamen Chorus. 'Turn Of The Wheel' und 'Blackheart' mögen zwar im Midtempo angesiedelt sein, aber trotzdem gibt's jede Menge Doublebass auf die Ohren. Vor allem 'Blackheart' mit seinem mitgröhlkompatiblen Chorus könnte locker auch auf einer neueren RUNNING WILD-Scheibe stehen. Klar, das ist super gemacht und qualitätsmäßig weit über Veröffentlichungen vergleichbarer Acts, hat aber nur noch wenig mit dem Erbe von ALCATRAZZ zu tun, sondern tendiert eher Richtung RIOT V. Da passt es auch, daß deren Donnie Van Stavern auf gleich drei Tracks als Gastmusiker zu hören ist (Cliff Evans von TANK darf übrigens auch gastieren). Was man ALCATRAZZ aber eindeutig positiv attestieren kann, ist die Art und Weise, wie sie DEEP PUPLE- oder RAINBOW-Reminiszensen in ihre Songs einbauen (besonders deutlich zu hören auf 'Grace Of God'). Das hat schon was. Aber auch hier übertreiben die Jungs gegen Ende des Albums ein wenig. 'Maybe Tomorrow' könnte glatt von "Perfect Strangers" stammen und 'House Of Lies' zitiert mir dann doch eine Spur zu aufdringlich 'All Night Long' von RAINBOW. Lediglich ein Song, das orientalisch angehauchte 'Return To Nevermore', atmet den Spirit der 80er-Scheiben von ALCATRAZZ. Was sich die Band allerdings beim an vorletzter Stelle platzierten und dissonanten 'Alice's Eyes' gedacht hat, weiß der Geier. Dieses in Richtung Modern Metal schielende Stück passt überhaupt nicht auf dieses an sonst wirklich gelungene Album. Zum Glück rundet dann die stimmungsvolle Halbballade "V" versöhnlich ab. Ach, hätte ich ja fast vergessen, ALCATRAZZ haben eine feine Abstimmung gefunden, was die Solo-Ausflüge ihres Sechssaiters angeht. Sie lassen ihm Raum, aber achten auch darauf, daß trotzdem alles im Rahmen bleibt.

Was kann man also zu "V" sagen? Dass die Vergangenheit der Band nur bei einem Song voll zum Tragen kommt, ist schon etwas schade. Wer also nur gut mit dem damaligen Stil der Band kann, für den dürfte "V" eher unspannend sein. Alle anderen können sich aber über ein Album freuen, das nicht nur einen guten Sänger zu bieten hat, sondern mit seiner Ausrichtung gen Power Metal zu gefallen weiß. Da ALCATRAZZ auch die nötigen Könner am Start haben, die die musikalische Vorgabe gekonnt umsetzen, sind acht Punkte mehr als gerechtfertigt. Fällt dann auch nicht weiter ins Gewicht, dass ich persönlich die Beibehaltung des Namens ALCATRAZZ eher suboptimal finde. Man darf gespannt sein, ob Graham Bonnet seine Ankündigung wahr macht und ebenfalls mit seiner eigenen Version von ALCATRAZZ um die Ecke kommt. Der Ärger wäre vorprogrammiert.




Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Guardian Angel
02. Nightwatch
03. Sword Of Deliverance
04. Turn Of The Wheel
05. Blackheart
06. Grace Of God
07. Return To Nevermore
08. Target
09. Maybe Tomorrow
10. House Of Lies
11. Alice's Eyes
12. Dark Day For My Soul
Band Website: www.alcatrazzofficial.com/
Medium: CD
Spieldauer: 62:21 Minuten
VÖ: 15.10.2021

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