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Razor - Escape The fire

Review von baarikärpänen vom 18.07.2021 (745 mal gelesen)
Razor - Escape The fire Irgendwann, in einer fernen Zukunft, wird ein musikbegeisterter Schüler im Museum für musikalische Frühgeschichte den zuständigen Historiker ansprechen und sagen: "Meister, nun habe ich mir 'Whiplash' angehört, habe 'Violence & Force' studiert, sogar 'Agents Of Steel'. Aber trotzdem verstehe ich immer noch nicht, was Speed Metal ist.". Woraufhin ihn der weise Mann beiseite nehmen und ihm über seine Streamingimplantate 'Take This Torch' zu Gehör bringen wird. Und schon nach etwas mehr als einer halben Minute wird der junge Schüler strahlen und sagen: "Danke Meister, nun weiß ich es!". Aber hier im Review geht es nur indirekt um besagtes 'Take This Torch', dennoch musste ich einfach nochmal meine Wertschätzung für diese Speed Metal-Blaupause zum Ausdruck bringen.

1984 veröffentlichten die Kanadier RAZOR ihre "Armed & Dangerous"-EP in einer 1200er-Auflage, auf welcher sich besagtes 'Take This Torch' befindet. Die Band war geradezu verblüfft, daß ihnen schon kurze Zeit später ein Angebot vom Major Attic ins Haus flatterte. Die hatten gerade ihr Sublabel Viper ins Leben gerufen, um ihrerseits ein Stück vom Kuchen abzubekommen, den die aufkommende Metalwelle versprach, und RAZOR sollten eine der ersten Bands auf diesem Label sein. Rückblickend hat Bassist Mike Campagnolo wenig Gutes über den Vertrag zu berichten. Höflich ausgedrückt trafen sich da zwei Ahnungslose. Zum einen die Band, die noch reichlich grün hinter den Ohren war und nicht wußte, was sie da unterschrieben hatte, zum anderen das Label, das ebenfalls keinen Schimmer davon hatte, den aufkommenden Speed- und Thrash-Markt zu bedienen und wie man eine Band wie RAZOR vermarkten sollte. Wie dem auch sei enterten RAZOR das Studio, um ihr Debut "Escape The Fire" einzuspielen. Laut Campagnolo hatten sich RAZOR viel Mühe gegeben, das Material der EP nochmals zu toppen und freuten sich auf den Release. Leider waren Viper wenig überzeugt vom Ergebnis und entschieden sich, für das RAZOR-Debut "Executioner's Song" Teile des EP-Materials, genau gesagt vier Songs, mit Songs aus den Aufnahmen von "Escape The Fire" (sieben Stücke) zu kombinieren. Genau da kommt dann wieder 'Take This Torch' ins Spiel. Ohne Viper wäre der Song nämlich gar nicht auf der LP gelandet und wäre wegen der 1200er-Auflage der EP nur einem kleinen Kreis zugänglich gewesen. Ich kann da nur für mich sprechen, Campagnolo wird es komplett anders sehen, aber genau dieser Song, vor allem als Opener positioniert, hat bestimmt nicht nur mich komplett geflasht und von der ersten Sekunde an für RAZOR begeistert.

Wenn also doch bereits sieben Songs der geplanten "Escape The Fire" damals auf dem Debut gelandet sind, stellt sich logischerweise die Frage, ob es dann eine Veröffentlichung im Jahre 2021 braucht? Und hier kann die Antwort nur "Ja" sein. Denn alleine die vier Songs 'Metal Avenger', 'Heavy Metal Attack', 'Frostbite' und 'Ready For Action', die es damals nicht auf "Executioner's Song" geschafft haben, sind einfach viel zu stark, um sie in einem ansprechenden Klanggewand unveröffentlicht zu lassen. Ganz besonders sticht da 'Metal Avenger' hervor, bei dem weit über die Hälfte der knapp siebeneinhalb Minuten aus einem in der Mitte platzierten Soloteil besteht, umrahmt von einem treibenden Banger, gut abgehangener Metal mit der einen oder anderen Referenz an straighte Bands der NWoBHM. 'Heavy Metal Attack' hingegen ist eine zweieinhalbminütige Abrissbirne, geschmiedet aus Speed-Metall. Spannend dann 'Frostbite', das wie eine Mischung aus den Abgehnummern der frühen MAIDEN und Punk klingt. Spaßig dann 'Ready For Action', dessen Beginn/ Riff mich, ohne Scherz, an 'Fight The Oppression' von RUNNING WILD erinnert. Abgesehen von 'Heavy Metal Attack' zeigten diese Songs völlig andere RAZOR, die sich deutlich zugänglicher präsentierten. Manch einer wird das vielleicht als langweilig bezeichnen. Hätte "Escape The Fire" den Staub aufgewirbelt und die Aufmerksamkeit bekommen, die "Executioner's Song" abbekommen hat? Wir werden's nicht mehr erfahren. Und auch, wenn mir Campagnolo hier erneut nicht zustimmen wird, aber bei drei der vier genannten Songs, den sogenannten "mainstreamigeren", passt die Stimme von Sänger Stace “Sheepdog” McLaren leider nicht besonders gut. Vielleicht war das ja auch der Grund für Viper, auf "Executioner's Song" zu bestehen? Es darf gerätselt werden. Ist aber letztlich nur ein klitzekleines Manko und ändert nichts an der vorhandenen Qualität der vier Stücke.

Weil "Escape The Fire" von Patrick W. Engel klangtechnisch aufgebessert wurde und zum ersten Mal überhaupt offiziell erscheint, darf hier jeder, dem RAZOR bis zur "Violent Restitution" gut gefallen haben, bedenkenlos zuschlagen. Das Vinyl ist auf 1000 Kopien limitiert, davon 700 farbig. Auch wenn wir hier von einem Stück Metal-Geschichte sprechen, das 37 Jahre irgendwo geschlummert hat, gibt es doch für die gezeigte Leistung auf "Escape The Fire" acht Punkte.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. City Of Damnation
02. Time Bomb
03. Distant Thunder
04. Gatecrasher
05. Metal Avenger
06. Heavy Metal Attack
07. Frostbite
08. Deathrace
09. Ready For Action
10. Escape The Fire
11. March Of Death
Band Website: https://www.facebook.com/razorofficialthrash/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 40:55 Minuten
VÖ: 16.07.2021

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