Livebericht Wheel (mit Stoned Jesus )

Ein Livebericht von Opa Steve aus Köln (Luxor) - 05.04.2026 (603 mal gelesen)
imgrightDen Auftakt des Abends im Kölner "Luxor" übernehmen ICE SEALED EYES als erste Band. Stilistisch bewegen sich die jungen Belgier im Bereich des modernen Core (manche sagen auch Newcore), haben aber auch viele Post Doom-Trademarks. Von Beginn an versucht Sänger Noé Peigneur, das Publikum zu aktivieren und die Energie im Raum hochzuhalten. Anfangs springt der Funke nur teilweise über, doch das ändert sich im Verlauf deutlich. Die Jungs setzen dabei konsequent auf eher kurze Songs. Charakteristisch für den Sound sind die vielen Synthesizer-Elemente, die dem Set eine zusätzliche, teils atmosphärische Ebene verleihen. Ein besonderes Highlight ist der dritte Song 'Deadweight', bei dem der Bassist von STONED JESUS als Gastsänger auftritt. Spätestens beim vierten Stück zeigt die Band eine überraschend melancholische Seite: Klarer Gesang in hoher Lage, sauber getroffen, sorgt dafür, dass das Publikum zunehmend einsteigt.

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Die Band präsentiert außerdem zwei neue Songs. Der zweite davon, 'Acid Tears' - gleichzeitig der vorletzte des Sets -, erscheint erst in zwei Wochen. Er beginnt mit Sprechgesang, der fast an Hip-Hop erinnert, bevor er in typische Core-Growls übergeht. Diese wechseln sich mit Post-Clearvocals und erneutem Sprechgesang ab - eine abwechslungsreiche und ungewöhnliche Mischung. Das letzte Stück des Sets startet mit brachialer Härte, wird dann abrupt durch melodischen Klargesang ausgebremst und entwickelt sich schließlich zu einer eigenwilligen, aber spannenden Kombination aus beiden Elementen. Insgesamt überzeugt vor allem der Fronter durch seine sichere Kopfstimme, die er gekonnt einsetzt und die maßgeblich zur Dynamik des Auftritts beiträgt.

imgleftNach dem Gig des Openers bin ich sehr gespannt, wer von beiden nun den Headlinerblock übernehmen wird, da es sich bei dieser Tour um eine Co-Headliner-Tour handelt, bei der STONED JESUS und WHEEL gleiche Auftrittskonditionen haben. Da kein Backdrop existiert, bleibt die Spannung kurz hoch, doch schon beim Auftauchen der ziemlich gechillten Ukrainer ist klar, dass hier und heute STONED JESUS den Start machen werden. Die Jungs sind auch schon seit 15 Jahren im Business aktiv, aber haben hierzulande noch keine besonders großen Duftmarken hinterlassen können (beziehungsweise tunnelten konsequent unter meinem Radar). Das Faszinierende an dem heutigen Publikum ist, dass den drei sehr unterschiedlichen Bands gleichermaßen ein hohes Interesse entgegengebracht wird. Es ist vor der Bühne schon recht voll, als die Jungs mit 'A New Dawn' sehr ruhig in ihr Set einsteigen. Der lange Titel und Opener des 2025er Albums "Songs To The Sun" erinnert durch sein repetitives Stoner-Thema, in welches sich die Instrumente wie in einer Jam-Session fügen, stark an MY SLEEPING KARMA, bevor es mit 'Shadowland' heavy wie verstrahlt gleichermaßen wird. Die Band agiert verschmitzt und mit einem großen Augenzwinkern. Trotz des relativ langsamen Programms zur ersten Konzerthälfte legt sich das Trio mit vollem Körpereinsatz ins Zeug und mehr als einmal zieht sich Igor versehentlich das Gitarrenkabel raus, was er aber überspielt und das Malheur beseitigt, ohne das Bangen zu reduzieren oder auf seine Vocals zu verzichten. Viel Humor beweist die Band auch im perfekten Kontakt mit dem Publikum: Da ja an diesem Tag Ostersonntag ist, unterhalten sie sich öfter darüber, ob wir nicht alle Sünder sind: "Schließlich kommen wir zusammen, um ausgerechnet an diesem Tag eine Band namens "Stoned [flüstert] Jesus" zu sehen." Später diskutiert man noch, wie groß die Gefahr sei, dass plötzlich ein Blitz aus dem Himmel zur Strafe auf die Bühne fahren könne. Ernst hingegen werden die drei Musiker, als sie in einer Ansage die Lage in der Ukraine erwähnen und auf die Spendenaktion hinweisen, die auch am Merchstand unterstützt werden kann.

imgrightMusikalisch machen sie alles richtig im Spannungsbogen. Zwar ist das meiste Material extrem gechillt (oder abgefahren wie 'Hands Resist Him' mit seinem frickeligen letzten Drittel) und perfekt geeignet, dass sich die Band in einen nahezu hypnotischen Groove spielt. Aber zur zweiten Hälfte kommen immer mehr flottere und heftigere Titel ins Set. 'Low' kracht beinahe episch und voller Wucht und Heaviness aus der für so einen kleinen Club sehr ordentlichen Anlage und überrascht mit seinem schwarzmetallischen Ausbruch, der vermutlich den Höhepunkt im Härtegrad darstellt. Die Band spielt voller Feuer und hat das Publikum längst fest im Griff. Dieses feiert die Wucht der Ukrainer mit synchronem Headbangen im ganzen Feld bis zu den Theken des Luxors. Bei 'See You On The Road' wird die ikonische Gesangslinie des Endes mit dem Publikum lange als Singspiel exerziert, bis die Kehlen versagen. Als Fazit kann man sagen: Selbst wenn 60% der Besucher mit dem Material von STONED JESUS vorher nicht vertraut waren: Diese Tour ist perfekt geeignet, um sich jede Menge begeisterter Neu-Anhänger zu erspielen. Dazu sind die Livequalitäten der Band und die sehr sympathische Art einfach zu stark, als dass man sie ignorieren könnte.

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imgleftSo klasse wie der Sound am Abend, so spärlich ist das Licht. WHEEL müssen ebenfalls zu Funzellicht auf die Bühne und starten direkt mit dem extralangen 'Submission' vom letzten Album "Charismatic Leaders". Der Sound ist dicht und dennoch so transparent, wie es die komplexe Musik der Finnen braucht. An dieser Stelle noch mal Hut ab für den guten Sound in dieser kleinen Location und auch an den Menschen, der hier am Mischpult sitzt. James und Jussi halten sich gern ganz weit vorne auf und suchen engen Kontakt zum Publikum, wenn es sich ergibt. Bei der niedrigen Decke müssen sie aufpassen, dass die hochgereckten Gitarrenhälse diese nicht rammen, aber mangels Absperrung kommen die Fans in der ersten Reihe mit den Musikern immer wieder auf Tuchfühlung. Etwas knackiger in der Spieldauer kommt dann 'Up The Chain' vom Debütalbum "Moving Backards", als die Band noch überdeutliche Referenzen an TOOL in ihr Songwriting integrierte. Mit Ansagen hält sich James Lascelles meist zurück und die meiste Zeit darf die Musik mit ihren zehn Titeln an diesem Abend sprechen. Wenn gerade jemand pausieren kann, wird meist konzentriert gestimmt, bevor der nächste Einsatz kommt und überhaupt hat man das Gefühl, dass Perfektion den vier Ausnahmemusikern sehr wichtig ist. Das betrifft die Stimmung, den Sound und natürlich auch die Darbietung. Hier sitzt alles: perfektes (und sehr komplexes) Drumming, der Gesang ist toll und natürlich sind Unsauberkeiten oder gar Spielfehler an diesem Abend so gut wie nicht auszumachen.

imgrightBei drei Alben gelingt es auch gut, einen Querschnitt in diesen Headliner-Gig einzubringen. Ein erster Schwerpunkt ist aber das "Resident Human"-Album. Vor dem Titelsong erinnert sich James daran, wie die Band im Songwriting steckte und dann das Album produzierte - und dann kam die Covid-Pandemie. 2021 kam das Album zwar raus, aber es gab kaum Möglichkeiten, dieses live zu promoten. Vielleicht ist dies auch ein Grund, das Album auf dieser Tour noch mal mit einem Schwerpunkt vorzustellen. Doch nach dem ruhigen Intermezzo 'Old Earth' von dieser Scheibe geht der Schritt zurück zu "Charismatic Leaders". Die ikonischen Gitarren- und Bass-Sounds mit fett reingedrehtem Chorus läuten 'Porcelain' ein und sofort geht eine Welle des Schwebens durch die begeisterten Fans. Mit teilweise geschlossenen Augen wiegt sich das Publikum zu diesem Übersong, vorne direkt vor Jussi strahlt eine junge Frau verzückt über das ganze Gesicht, verliert die Kontrolle über Arme und Nacken und wirkt dabei, als hätte sie gerade den besten Sex ihres Lebens. Es ist aber auch wirklich einer dieser absoluten Ausnahmemomente auf Konzerten - und davon liefern WHEEL an diesem Abend einige. Die Stimmung ist relaxt, glücklich und bewundernd. Etwas wilder wird es lediglich bei den deutlich ruppigeren Parts von 'Empire', bei dem tatsächlich die Menge etwas in Bewegung kommt und auch gebangt wird. Lustig ist die Diskrepanz zwischen den verzückten Gesichtern vor der Bühne und den todernsten Gesichtern auf der Bühne. Vor allem von James bekommt das hautnahe Publikum während der Songs kein Lächeln geschenkt, sondern er wirkt fast grimmig fokussiert. Das tut der Stimmung und der Wirkung der Band aber keinen Abbruch, denn bei dieser exzellenten Darbietung darf die Musik auch mal im Mittelpunkt stehen, ohne dass die Band viel Firlefanz darum macht.

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Fazit: Dieser Konzertabend war ein Fest. Trotz dreier sehr unterschiedlicher Bands war die Stimmung von Anfang an extrem gut und das Kölner Publikum sehr open minded. Mein letzter Besuch des Luxors ist jetzt auch schon 12 Jahre her, aber ich feiere die Location für ihren tollen Sound, den sie an diesem Abend gezaubert hat. Und wie alle drei Bands abgeliefert haben, war das eine verdammt runde Sache. Die Stimmungskanonen von STONED JESUS und die musikalischen Perfektionisten von WHEEL haben ihre Headliner-Rollen mit Bravour ausgefüllt.
Location Details
Luxor in Köln (Deutschland)
Website:www.luxor-koeln.de
Adresse:Luxemburger Straße 40
50674 Köln
Anfahrt:Da der Club am Rande der Innenstadt ist, ist das Parken in der Region sehr schwierig. Entweder man parkt weiter außerhalb und nimmt die öffentlichen Verkehrsmittel (Köln Süd). Ansonsten gibt es gegenüber vom Club auf beiden Seiten der Bahnschienen eine ausreichende Parkbewirtschaftung, die allerdings durch horrend hohe Preise glänzt.

Der Araber-Imbiss rechts vom Luxor ist sehr günstig, allerdings ist die Qualität auch mau.

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