Livebericht Kreator (mit Carcass und Exodus) |
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| Ein Livebericht von Eddieson aus Essen (Grugahalle) - 04.04.2026 (369 mal gelesen) |
| Es ist das Heimspiel von KREATOR und dann auch noch in der Grugahalle. Die Halle, in der Der JUDAS PRIEST schon gespielt haben, ACCEPT und natürlich IRON MAIDEN. Und heute spielen KREATOR in der Halle, in der die gesamte Ruhrpottszene als Kinder schon Konzerte besucht hat. Neben dem großartigen neuen Album "Krushers Of The World", welches die Essener vor einiger Zeit veröffentlicht haben, ist auch das besagte Heimspiel der Band ein Grund, warum mein Kumpel Boddy und ich uns auf den Weg in den Pott gemacht haben. Der einzig vernünftige Tag zwischen all dem Feiertagschaos bietet mit der Show eine fantastische Abwechslung. Die Fahrt und auch die Parkplatzsuche verläuft entspannt, doch leider haben wir NAILS verpasst und stehen pünktlich zu EXODUS in der Halle. Die Amis haben mit "Goliath" ebenfalls ein neues und sehr gutes Album am Start. Der Opener des Albums '3111' ist auch gleichzeitig der Opener der Show. Man merkt, dass das Publikum durch NAILS schon ordentlich angeheizt wurde. Die Stimmung ist sofort da. Klar, EXODUS sind routiniert und ziehen ihr Ding durch, dennoch scheint man ihnen immer mal wieder anzumerken, dass sie Spaß an ihrem Auftritt haben. Da sie nicht allzu viel Spielzeit haben, halten sie sich auch gar nicht mit großartigen Reden auf und gehen sofort zu 'Bonded By Blood' und 'Deathamphetamine' über. In der Halle, die nicht komplett ausverkauft scheint, haben sich mittlerweile Circle Pits gebildet. Das Publikum scheint in bester Laune zu sein, was ja auch kein Wunder ist, es ist Samstag, ein paar freie Tage stehen vor der Tür, da kann man ruhig mal alles geben. Da tut der Stimmung auch das folgende, fast schon doomige 'Goliath' keinen Abbruch. 'Blacklist' und 'A Lession In Violence' folgen. Zum kommende 'Toxic Waltz' erlauben sich EXODUS den Spaß, den Song eine Sekunde anzuspielen und sich dann zu verabschieden, Dukes spricht dann noch ein paar Worte und dann spielen sie kurz SLAYERS 'Raining Blood' an, das dann direkt in 'Toxic Waltz' übergeht. Beim abschließenden 'Strike Of The Beast' holt sich am Ende Gitarrist Lee Altus einen 10-jährigen Jungen auf die Bühne und lässt ihn seine Gitarre spielen. Ein sehr feiner Zug von ihm, weil deutlich wird, wie viel dies dem Jungen bedeutet hat. 45 Minuten EXODUS vergingen wie im Flug und es verspricht noch weiter ein starker Abend zu werden. Während der Umbaupause verziehen mein Kumpel Boddy und ich uns auf die Sitzplätze und schauen dem Treiben in der Halle zu. Mittlerweile sind auch hier drei Generationen vertreten. Ich mache mich mal auf den Weg zum Merchstand. Shirtpreise mit 35 bis 40 Euro, Jutebeutel mit 15 Euro, Mütze mit 20 Euro. EXODUS wollen doch tatsächlich für eine CD 30 Euro und fürs Vinyl 50 (schwarz) beziehungsweise 75 Euro (farbig). Da fehlen einem doch einfach die Worte, und das ist auch mit gar nichts mehr zu rechtfertigen. Also zurück in die Halle, denn CARCASS stehen schon in den Startlöchern. Die Briten starten mit 'Unfit For Human Consumption' und direkt fliegen die ersten Plektren von Jeff Walker, 'Buried Dreams' von ihrem Klassiker-Album "Heartwork" kommt im Anschluss. Jeff Walker keift mit seinen fast 60 Jahren immer noch so wie zu den Aufnahmen des 1993-Meisterwerks. CARCASS scheinen großen Spaß an ihrer Vergangenheit zu haben, denn mit 'Incarnated Solvent Abuse' gibt es ebenfalls einen Song aus der Frühzeit der Band und das sollte nicht der letzte sein, denn mit 'No Love Lost' folgt gleich der nächste Song von der "Heartwork". Zwar zeigen CARCASS keine große Bühnenshow, das Licht ist überwiegend im sterilen Weiß gehalten, jeder Musiker spielt seinen Stiefel, doch das Große und Ganze kann überzeugen. CARCASS haben ein paar wirklich starke Songs am Start und sind Wegweiser für das ganze Grind-Genre. Sie müssen also nichts mehr beweisen. Sie lassen die Musik sprechen und das tun sie jetzt mit 'Death Certificate', 'Dance Of Ixtab (Psychopomp & Circumstance March No. 1 in B)', übrigens der einzige Song von aktuellen Album "Torn Arteries", und 'Genital Grinder'. Mittlerweile fliegen nicht nur die Plektren sondern auch die Wasserflaschen, die Walker immer mal wieder ins Publikum wirft. Dieses nimmt natürlich die alten Songs extrem dankbar auf. So natürlich auch 'Exhume To Consume' und 'Corporal Jigsore Quandary'. Und passend zu den Feiertagen gibt es dann beim Abschlusssong 'Heartwork' das versteckte Easteregg, dass Walker die Textzeile "People Of The Lie" in den Text mit einbaut. Ansonsten sind auch diese 45 Minuten rasant verflogen und CARCASS haben ein klasse Set hingelegt. Dann fällt der Vorhang vor die Bühne. Nachdem KREATOR ja in letzter Zeit öfter mal Co-Headliner-Touren gespielt haben, mit DIMMU BORGIR, MIT LAMB OF GOD und mit ANTHRAX (?), wurde es natürlich mal Zeit, dass KREATOR wieder als Solo-Headliner eine Tour spielen, schon allein wegen der viel längeren Spielzeit. Um 21.30 Uhr geht es dann los. Was MAIDEN ihr 'Doctor, Doctor' ist, ist KREATOR ihr 'Run To The Hills'. Der Song erklingt und jeder weiß, dass es gleich los geht. Und so ist es auch, das Publikum singt schon lauthals mit. Im Anschluss folgt 'Eve Of Destruction' in der Barry McGuire-Version, zu dem eine Videoprojektion auf dem Vorhang gezeigt wird. Und dann geht es los, der Vorhang fällt und KREATOR starten mit 'Seven Serpents'. Und schon wird direkt klar, dass hier etwas ganz großes aufgefahren wird. Die Bühnendeko ist natürlich an das aktuelle Artwork angelehnt. Im Zentrum der massive Kopf über Jülichs Schlagzeug flankiert von den Hörnern, die gehenkten Puppen oben rechts und links, die aufblasbaren Monsterköpfe am Bühnenrand und natürlich jede Menge Feuer. Das Publikum ist natürlich sofort da, vielleicht auch erst mal etwas überfordert mit dem, was da alles von der Bühne kommt. Mit 'Hail To The Hordes' und 'Enemy Of God' geht es weiter. Man spürt förmlich die Energie, die von der Bühne kommt und wieder zurück auf die Bühne springt. Klar, es ist ein Heimspiel. Die Konfettikanone heizt natürlich noch zusätzlich an. Und nach 'Satanic Anarchy' gönnen KREATOR mit dem instrumentalen 'Sergio Corbucci Is Dead' eine kurze Verschnaufpause, nur um ihnen dann mit 'Hate Über Alles' wieder ordentlich eins auf die Zwölf zu geben. Dann folgt mit 'People Of The Lie' der erste Song aus den Achtzigern und wie nicht anders zu erwarten kommt dieser natürlich extrem gut an. Wobei ich sagen muss, dass es heute anscheinend egal ist, was gespielt wird, denn die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Und so wundert es nicht, dass bei 'Betrayer' die Massen Milles Ansage folgen, dass sich so viele Crowdsurfer wie möglich auf den Weg machen sollen. Da hat die Security ordentlich zu tun. Dann kommt der Titeltrack des aktuellen Albums und ich muss sagen, dass dieser live noch mal eine ganz andere Wucht entwickelt. Wahnsinn, wie gut der Song ist. Gut, 'Satan Is Real', das nach 'Hordes Of Chaos' gespielt wird, ist und bleibt ein zwiespältiger Song. Zu 'Loyal To The Grave' hat sich Mille dann die Krähenflügel angeschnallt, die ja auch in dem dazugehörigen Video eine Rolle spielen. Außerdem übernimmt der eigentliche Bassist Frèdèric die Gitarre, da Mille ohne Instrument auf der Bühne steht. Dann noch mal mit 'Mars Mantra' etwas Luft holen und 'Phantom Antichrist' folgt. Und wie auf dem Album ist auch live Britta Görtz bei 'Tränenpalast' dabei. Was noch mal eine ganz andere Energie entfacht, denn Britta hat nicht nur eine unglaubliche Ausstrahlung, sondern auch ein Mega-Organ. Unglaublich, was sie hier liefert. Dann verschwindet sie auch schon wieder und mit 'Endless Pain' gibt es den zweiten Song aus den Achtzigern. Aber die Moderne lässt dann nicht lange auf sich warten, denn mit '666 - World Divided' gibt es schon den nächsten Song aus der KREATOR-Neuzeit. Doch für die Zielgrade gibt es dann doch noch was für die Altfans. 'The Patriach' läutet dann natürlich 'Violent Revolution' ein, das dann von 'Pleasure To Kill' abgelöst wird und dann auch die Show beendet. Also, das war schon ganz großes Kino, was KREATOR heute abgeliefert haben. Die Band befindet sich grad auf dem Zenit ihres Schaffens und das zeigen sie ganz deutlich. Die massive Bühnenproduktion mit viel Feuer, Feuersäulen, Konfetti und einer absolut stimmigen Lichtshow ist das eine, der Zuspruch des Publikums ist das andere. Schaue ich in die Gesichter nach der Show, scheinen alle zufrieden und glücklich zu sein. Klar, Old-School-Fans, die auf mehr Songs aus den Achtzigern gehofft haben, denen wurde vor den Kopf gestoßen, aber das sind nun mal die heutigen KREATOR damit muss man sich einigen. Ich für mich kann jedenfalls sagen, dass heute Abend eine nahezu perfekte Show war, die die Essener gespielt haben, und ich bestens unterhalten wurde. Es war ein geiler Abend. Zum Abschluss möchte ich dann Boddy zitieren, der auf der Hinfahrt sagte, dass es schön ist die Gewissheit zu haben, auf ein Konzert zu fahren, auf dem keine Ballade gespielt wird. Mehr Bilder findet ihr in der Gallery. |
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