Interview mit Thomas von From Ashes Reborn

Ein Interview von ReviewRalle vom 08.04.2026 (323 mal gelesen)
Thomas, Schlagzeuger von FROM ASHES REBORN, hat sich die Zeit genommen, einige Fragen rund um das fantastische neue Album "Chasing Utopia" sowie die Melodic Death Metal-Szene im Allgemeinen zu beantworten.

Servus zusammen und vielen Dank für eure Zeit! Erst mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album "Chasing Utopia". Ich hatte die Ehre, es bereits vorab hören und besprechen zu dürfen und bin immer noch hellauf begeistert - für mich war das eine klare 10/10. Wirklich fantastische Arbeit!

Thomas: Danke auch dir für dein tolles Review und dass du so intensiv reingehört hast!

Bevor wir tiefer in die neue Platte eintauchen, möchte ich euch kurz die Bühne überlassen. Für alle, die FROM ASHES REBORN bisher noch nicht auf dem Schirm hatten - wer seid ihr und was macht euch als Band im Kern aus?

Thomas: Wir sind FROM ASHES REBORN aus Wittlich in Rheinland-Pfalz. Die Band ist 2017 aus den Überresten unseres vorherigen Projekts BADOC entstanden, als wir beschlossen haben, musikalisch noch einmal einen neuen Anlauf zu nehmen. Unser gemeinsamer Nenner war immer Melodic Death Metal - vor allem die skandinavische Schule der 90er Jahre mit ihrer Mischung aus Härte, Melancholie und starken Gitarrenmelodien. Genau diese Verbindung aus aggressiven Riffs, treibendem Drumming und atmosphärischen Leadgitarren bildet bis heute den Kern unseres Sounds. Gleichzeitig verstehen wir uns sehr stark als Studio-Projekt. Wir investieren viel Zeit in Songwriting, Arrangements und Produktion, weil wir möchten, dass jedes Detail stimmt und die Songs auch über viele Durchläufe hinweg funktionieren.

Zwischen eurem Debüt "Existence Exiled" und dem jetzigen Release liegen fast acht Jahre. Das ist eine ordentliche Spanne. Wie kam es zu dieser langen Wartezeit und wie lange habt ihr letztlich aktiv an den Songs für "Chasing Utopia" gefeilt?

Thomas: Ein Teil der Zeit ist einfach dem Alltag geschuldet - Familie, Beruf und andere Verpflichtungen spielen natürlich immer eine Rolle. Gleichzeitig wollten wir uns aber auch bewusst nicht unter Druck setzen. Für uns ist Musik kein Fließband-Produkt, sondern ein kreativer Prozess, der Zeit braucht. Erste Ideen für "Chasing Utopia" gab es schon länger, aber intensiver an den Songs gearbeitet haben wir etwa seit 2023. Besonders viel Zeit ist auch in die Produktion geflossen, weil wir das komplette Album selbst aufgenommen, produziert und gemischt haben. Das gibt einem natürlich maximale Kontrolle, bedeutet aber auch, dass man sehr viel Zeit in Details investiert - vom Gitarrensound bis zu den letzten Feinheiten im Mix.

Da stellt sich natürlich direkt die Anschlussfrage, müssen wir jetzt wieder acht Jahre bangen, oder gibt es vielleicht schon erste Ideen für einen Nachfolger?

Thomas: Ideen gibt es tatsächlich ständig. Ob daraus schnell ein neues Album entsteht, ist natürlich schwer zu sagen. Der Vorteil eines Studio-Projekts ist aber, dass wir grundsätzlich flexibel sind. Wir können Songs auch unabhängig voneinander entwickeln und später zusammenführen. Deshalb schließen wir nicht aus, dass zukünftige Releases schneller entstehen könnten. Wir haben bewusst den Fokus erst mal auf den Release von "Chasing Utopia" gelegt, um dieses Projekt ordentlich abzuschließen.

In meiner Rezension habe ich es schon erwähnt, soundtechnisch klingt das Album modern und auf der Höhe der Zeit, aber musikalisch fühlt sich das Album tief im schwedischen 90er Jahre Melodeath verwurzelt an. Ist das genau die Ära, die euch am meisten prägt, oder hat sich dieser Stil über die Jahre einfach organisch so entwickelt?

Thomas: Die 90er Jahre waren sicherlich eine wichtige Phase für den Melodic Death Metal und haben das Genre stark geprägt. Bands aus der damaligen Gothenburg-Szene haben natürlich viele Musiker beeinflusst - auch uns. Gleichzeitig beschränken sich unsere Einflüsse aber nicht nur auf diese Zeit. Wir hören sehr viele unterschiedliche Metal-Bands aus verschiedenen Epochen, von klassischen Genregrößen bis hin zu moderneren Acts. Vieles davon fließt unbewusst in unser Songwriting ein. Am Ende geht es für uns weniger darum, eine bestimmte Ära zu reproduzieren, sondern darum, Musik zu schreiben, die sich für uns richtig anfühlt. Metal insgesamt - egal aus welcher Zeit - ist dabei die eigentliche Grundlage.

Wo wir gerade bei den Wurzeln sind. Das kommende AT THE GATES-Album wird sicher eine emotionale Achterbahnfahrt. Nach dem tragischen Ableben von Tomas "Tompa" Lindberg im letzten Jahr ist die wohl prägendste Figur des Genres von uns gegangen. Hat euch dieser Verlust persönlich beziehungsweise als Musiker beeinflusst?

Thomas: Der Verlust hat viele Musiker innerhalb der Szene bewegt. Tomas Lindberg war eine der Stimmen, die Melodic Death Metal überhaupt erst geprägt haben und die wirklich sehr einzigartig war. Seine Arbeit mit AT THE GATES hat einen enormen Einfluss auf das Genre gehabt und damit indirekt auch auf viele Bands, die danach gekommen sind. Wenn solche Persönlichkeiten gehen, merkt man erst richtig, wie groß ihr Einfluss war. Das führt einem auch vor Augen, wie wichtig diese musikalischen Wurzeln für viele von uns sind, auch wenn es uns nicht direkt musikalisch oder persönlich beeinflusst hat.

In der Szene gab es ja bereits einige Cover- und Tribute-Aufnahmen zu seinen Ehren - ist das ein Gedanke, mit dem ihr vielleicht auch spielt?

Thomas: Eher nicht. Wir haben bisher grundsätzlich keine Coverversionen aufgenommen und konzentrieren uns sehr stark auf eigene Songs. Natürlich ist AT THE GATES eine extrem wichtige Band für die Entwicklung des Melodic Death Metal und hat die Szene nachhaltig geprägt. Gleichzeitig müssen wir aber auch ehrlich sagen, dass sie für unseren eigenen Sound nicht der prägendste Einfluss waren. Deshalb fühlen wir uns im Moment wohler damit, unsere Energie in eigene Songs zu stecken.

Wenn ihr "Chasing Utopia" mit eurem Vorgänger vergleicht: Abgesehen von der deutlich längeren Spielzeit, wo liegen für euch die größten Unterschiede oder Entwicklungsschritte?

Thomas: Ein wesentlicher Unterschied liegt sicher im Songwriting. Die neuen Songs sind teilweise länger, dynamischer aufgebaut und atmosphärischer. Wir haben bewusst stärker mit Spannungsbögen gearbeitet - also ruhigere Passagen, die sich langsam aufbauen, bevor sie wieder in härtere Teile übergehen. Außerdem haben wir den melodischen Elementen teilweise mehr Raum gegeben. Auch produktionstechnisch ist das Album natürlich einen großen Schritt weiter. Dadurch, dass wir alles selbst produziert haben, konnten wir sehr intensiv an den Details arbeiten und den Sound genau so formen, wie wir es uns vorgestellt haben.

Ein absoluter Hingucker ist auch das grandiose Artwork. Wie ist das entstanden? Hattet ihr schon eine feste Vision im Kopf und habt dann den passenden Künstler gesucht, oder war euch von vornherein klar, dass Simon Bossert genau der Richtige für diesen Job ist?

Thomas: Das Artwork selbst haben wir tatsächlich bereits fertig entdeckt und gekauft, weil es unsere Vorstellung für die visuelle Atmosphäre des Albums erstaunlich genau getroffen hat. Die Farbwahl und dieser 90s-Style, der aber trotzdem modern und zeitlos ist, repräsentiert perfekt den Sound des Albums. Manchmal sieht man ein Bild und merkt sofort: Das ist genau die Welt, die auch musikalisch und inhaltlich hinter der Platte steckt. Die Single-Artworks sowie das komplette Layout der CD wurden dann von Simon Bossert gestaltet. Die Zusammenarbeit mit ihm war wirklich großartig - er hat ein sehr gutes Gespür für Details und hat dem Gesamtbild der Veröffentlichung einen sehr professionellen Rahmen gegeben.

Das Material schreit ja förmlich nach der Bühne. Wird man "Chasing Utopia" demnächst live erleben dürfen? Und für die Veranstalter unter den Lesern, wenn man euch für eine Show buchen möchte, wie tritt man am besten mit euch in Kontakt?

Thomas: Aktuell ist FROM ASHES REBORN in erster Linie als Studio-Projekt angelegt. Unser Fokus liegt sehr stark auf Songwriting, Produktion und der kreativen Arbeit an den Songs. Deshalb sind momentan keine Live-Shows geplant. Natürlich schließen wir für die Zukunft nichts kategorisch aus, aber im Moment konzentrieren wir uns darauf, die Musik in der bestmöglichen Form zu veröffentlichen.

Generell habe ich das Gefühl, dass der Melodic Death Metal gerade eine neue Hochphase erlebt - viele junge Bands rücken nach und die "alte Garde" liefert wieder richtig stark ab. So richtig weg war das Genre ja nie, dafür ist es viel zu etabliert gewesen, aber seht ihr das ähnlich? Und was hat euch im Genre zuletzt so richtig begeistert?

Thomas: Ja, das Gefühl haben wir auch. Das Genre war eigentlich nie wirklich verschwunden, aber es erlebt gerade wieder eine Phase, in der viele spannende Bands auftauchen und gleichzeitig auch die etablierten Namen starke Veröffentlichungen liefern. Gerade diese Mischung aus Tradition und neuen Impulsen macht das Genre im Moment sehr interessant. Es zeigt auch, dass Melodic Death Metal musikalisch immer noch sehr viel Potenzial hat. In den letzten Jahren haben vor allem THE HALO EFFECT sehr beeindruckt. Sie zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie man in einem Genre, das es seit Jahrzehnten gibt, trotzdem noch frisch klingen kann. Obwohl viele der Musiker ja aus der klassischen Göteborg-Szene stammen, wirkt die Musik nicht wie eine reine Nostalgie-Reise. Sie greifen die melodischen Elemente und die Atmosphäre des klassischen Melodic Death Metal auf, schaffen es aber gleichzeitig, einen modernen, sehr dynamischen Sound daraus zu machen. Das fühlt sich vertraut an, ohne alt zu wirken - und genau das ist wahrscheinlich die größte Kunst in einem so etablierten Genre. Eine andere Band, die ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist, sind COUNTLESS SKIES. Solche Bands zeigen einfach, dass Melodic Death Metal auch heute noch viel Raum für neue Ideen hat.

Darauf aufbauend eine Frage, die ich all meinen Gesprächspartnern stelle: Welche Bands oder Musiker - völlig egal aus welchem Genre - verdienen eurer Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit und sollten von unseren Lesern definitiv mal angetestet werden?

Thomas: Es gibt unglaublich viele starke Bands im Underground oder abseits der großen Namen - auf Plattformen wie Bandcamp findet man ständig spannende neue Bands, die großartige Musik machen, aber noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Schwierig, hier einzelne herauszugreifen, aber mir fallen auf Anhieb DÖDSRIT, NYKTOPHOBIA oder GROZA ein.

Vielen Dank für das spannende Interview und eure Zeit! Die letzten Worte gebühren euch.

Thomas: Vielen Dank für das Interview und natürlich auch für die sehr positive Resonanz auf das Album. Für eine unabhängige Band bedeutet es unglaublich viel, wenn sich Menschen Zeit nehmen, unsere Musik wirklich anzuhören und sich damit auseinanderzusetzen. Wir hoffen, dass "Chasing Utopia" den HörerInnen genauso viel Freude bereitet, wie wir beim Schreiben und Produzieren dieses Albums hatten.

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