Interview mit Tobias von Serpent Icon

Ein Interview von Eddieson vom 23.03.2026 (635 mal gelesen)
SERPENT ICON lieferten vor Kurzem mit "Tombstone Stories" ein echtes Juwel in Sachen Melodic Death Metal der Göteborger Schule. Und jeder Genrefan sollte die EP mal antesten. Bandkopf und Gitarrist Tobias erzählt im Interview ein bisschen mehr zu Band und EP.

Hi Tobias. Wie geht's dir?

Tobias: Danke dir für die Nachfrage. Mir geht's aktuell sehr gut, gerade weil dieses Projekt, das so lange in Arbeit war, jetzt endlich das Licht der Welt erblickt hat.

2023 warst du ja derjenige, der SERPENT ICON ins Leben gerufen hat. Erzähl doch mal, wie es dazu gekommen ist und wie die Band entstanden ist.

Tobias: Ich hatte schon seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, eine Band ins Leben zu rufen, die den Melodic Death Metal der Neunziger zelebriert. Als wir dann bei KINGS WINTER kurzzeitig eine Zwangspause einlegen mussten im Jahr 2021, habe ich dann endlich die Zeit gefunden, mit dem Songwriting zu beginnen. Mit dem ersten Track als Demo in der Hinterhand habe ich danach über Social Media nach einem Schlagzeuger gesucht. Dort hat glücklicherweise ein langjähriger Begleiter meiner diversen Bands namens Andreas mein Gesuch gefunden und es an Hartmut weitergeleitet. Sobald Hartmut sein Interesse bekundet hat, war mir klar, dass ich den richtigen Schlagzeuger gefunden hatte, denn ich habe Hartmuts Spiel zuvor schon bei seinen anderen Bands SYMBIONTIC und GLORYFUL bewundert. Gemeinsam haben wir dann erst einmal an weiteren Songs gearbeitet, bevor schlussendlich die Frage nach einem Sänger aufkam. Für mich war Christian in dem Punkt schon immer die Idealbesetzung, allerdings hätte ich mich nie getraut, ihn einfach aus dem Blauen heraus zu fragen. Glücklicherweise kennt Hartmut durch gemeinsame Bands die Jungs von NIGHT IN GALES, konnte den Kontakt herstellen und Christian war dann auch sofort an Bord, nachdem er die Demos gehört hatte.

Jetzt, also 2026, habt ihr die erste EP "Tombstone Stories" veröffentlicht. Wie war der Weg bis dahin? Also wie liefen das Songwriting, die Aufnahmen im Studio und so weiter?

Tobias: Tatsächlich liefen die Arbeiten wahrscheinlich anders, als sich das viele Leserinnen und Leser vorstellen. Konkret habe ich in meinem Heimstudio die Songs geschrieben und erst einmal zu grob programmierten Drums Bass und Gitarre aufgenommen. Danach gingen die Songs an Hartmut und Christian, die dann ihre Parts geschrieben haben. Hartmut hat mit Hilfe von Robin Mussmann im Luna Tonstudio in Lüdinghausen die Drums recordet, während Christian gemeinsam mit Jens Basten von NIGHT IN GALES die Vocals in dessen Heimstudio aufgenommen hat. Am Ende habe ich dann alle Spuren zusammengefügt und die Platte abgemischt, sodass wir drei wirklich erstmalig beim Videodreh zusammen in einem Raum waren. Große Diskussionen oder Absprachen waren beim Songwriting aber auch tatsächlich nicht nötig, denn wir alle drei haben so einen ähnlichen Blick auf den Melodic Death Metal und ja auch viel Erfahrung, sodass sich alle Parts perfekt zusammengefügt haben und am Ende genau die Vision getroffen haben, die ich von Anfang an für das Projekt hatte.

Für mich ist ja Melodic Death Metal so, wie ihr ihn spielt, also nach der Göteborger Schule, mit das geilste Subgenre des Death Metals. Welche Klassiker des Genres haben euch bei "Tombstone Stories" besonders beeinflusst?

Tobias: Da wir ja wirklich bewusst zu den Wurzeln des Genres zurückgehen wollten, habe ich tatsächlich für mehrere Monate sehr intensiv die Klassiker von IN FLAMES, AT THE GATES oder DARK TRANQUILLITY, aber auch viele eher weniger bekannte Bands wie SACRAMENTUM oder KALMAH gehört, um in die richtige Stimmung für das Songwriting zu kommen. Ganz konkrete Alben gab es daher nicht, die mich beim Schreiben beeinflusst haben. Müsste ich zwei Platten nennen, wären es aber mit Sicherheit "Slaughter Of The Soul" von AT THE GATES und "Whoracle" von IN FLAMES, denn das sind die beiden Platten, die mich musikalisch am meisten geprägt haben und entsprechend auch ihre Spuren im Songwriting für SERPENT ICON hinterlassen haben.

Du hast mal gesagt, dass es euer Ziel ist, den Melodic Death Metal in die Zukunft zu führen. Glaubst du, dass es aktuell zu wenig Bands in diesem Genre gibt?

Tobias: Ich denke, dass es im Melodic Death Metal eigentlich sogar genug Bands gibt, wenn man das Genre jetzt mal etwas weiter fasst. Allerdings ist die Interpretation vieler Bands eben sehr modern, lehnt sich schwer an den Modern Metal oder auch Metalcore an und erweitert das Rezept des Gothenburg Sounds. Und das ist natürlich auch vollkommen legitim, aber mir persönlich fehlen manchmal die Bands, die den Sound der Neunziger auch heute noch zelebrieren. Selbst die großen Namen des Genres sind musikalisch heute ja deutlich moderner unterwegs, wenn wir hier mal von AT THE GATES absehen, die sich selbst immer treu geblieben sind. Und das war für mich dann genau der Anstoß, diese "Lücke" zu schließen, indem wir mit unserer Musik ganz bewusst einen Schritt zurückgehen und die modernen Einflüsse weitestgehend ausblenden.

"Tombstone Stories" ist jetzt seit einiger Zeit veröffentlicht. Wie sind die Reaktionen auf das erste Lebenszeichen ausgefallen? Ich kann mir vorstellen, dass vor allem, weil ihr ja Christian am Gesang habt, häufig der Vergleich mit NIGHT IN GALES gefallen ist.

Tobias: Bisher können wir uns definitiv nicht beschweren, denn die Reaktionen sind durch die Bank weg eigentlich ziemlich gut gewesen. Natürlich kommt immer mal wieder der Kritikpunkt auf, dass unsere Herangehensweise nicht wirklich innovativ ist, aber damit habe ich bereits gerechnet. Immerhin war es ja überhaupt nicht unser Ziel, den Melodic Death Metal zu revolutionieren. Was mich bisher besonders gefreut hat, sind die positiven Reaktionen von Musikerkollegen aus dem Melodic Death-Sektor oder euch Bekannten, bei denen ich genau weiß, wie sehr sie den Gothenburg Sound der Neunziger lieben. Genau diese Menschen sind ja unsere Zielgruppe und aus diesen Kreisen haben wir eigentlich nur sehr positives Feedback bekommen.

Wie konkret stehen eure Arbeiten für ein komplettes Album?

Tobias: Wir arbeiten fleißig an einem Nachfolger für "Tombstone Stories". Zwei Songs habe ich bereits komplett geschrieben und in Sachen Gitarren und Bass aufgenommen und auch für weitere Tracks gibt es bereits erste Ansätze. Ob wir dann allerdings ein Album oder eine weitere EP herausbringen, das steht noch in den Sternen. Die ganze Musikszene ist ja deutlich schnelllebiger geworden, deswegen steht für mich eher im Fokus, dass man Hörerinnen und Hörern in regelmäßigen und nicht allzu großen Abständen frische Songs präsentieren kann. Entsprechend schauen wir einfach, wie schnell wir neue Songs an den Start bekommen und entscheiden dann, welche Form von Release es wird. imgright

Mein persönlicher Favorit-Song ist 'Final Witness'. Er verbindet Melodie und Härte am besten auf der EP. Wie wichtig sind euch Gitarrenmelodien im Vergleich zur Härte?

Tobias: Ich glaube, die Balance muss einfach stimmen. Dieser gleichmäßige Mix aus Härte und Melodie ist für mich immer das gewesen, was das Frühwerk von Bands wie DARK TRANQUILLITY oder IN FLAMES so besonders gemacht hat. Mit Klargesängen eine Hookline zu liefern, an die sich Zuhörende erinnern, ist oftmals eben deutlich einfacher, weil unser Ohr so darauf gepolt ist, im Bereich des Mainstreams auf den Gesang zu achten. Umso spannender finde ich es dann, wenn es die Gitarren sind, die melodische Widerhaken liefern, gleichzeitig aber der wuchtige Death Metal-Kontext erhalten bleibt. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber dieser Mix löst bei mir ein ganz besonders Gefühl aus, das so keine andere Metal-Spielart bei mir erzeugen kann.

Mal AT THE GATES, IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY ausgenomen. Welche drei Melodic Death-Alben sollte man unbedingt gehört haben?

Tobias: Ich skippe hier jetzt mal bewusst Bands wie NIGHT IN GALES oder THE HALO EFFECT, denn das sind ja nicht unbedingt Geheimtipps. Vorhin habe ich auf jeden Fall schon einmal zwei Bands genannt, die nicht unbedingt so bekannt sind, die für mich aber absolut essenzielle Alben herausgebracht haben. Daher würde ich als erstes KALMAH mit "Swampsong" nennen, aber auch "Far Away From The Sun" von SACRAMENTUM ist für mich ein Album, das den Geist des Melodic Death Metals sehr gut einfängt, auch wenn es hier mit stärkerer Black Metal-Schlagseite passiert. Darüber hinaus würde ich euch noch THE DUSKFALL mit "Lifetime Supply Of Guilt" und FRAGMENTS OF UNBECOMING mit "Sterling Black Icon - Chapter III - Black But Shining" ans Herz legen.

SERPENT ICON stehen ja grad erst am Anfang ihrer Karriere. Wie soll es mit der Band weitergehen? Habt ihr einen Plan für die kommende Zeit?

Tobias: Wie eben angedeutet wird es auf jeden Fall weitere Veröffentlichungen von SERPENT ICON in der nahen Zukunft geben. Generell liegt der Fokus bei uns primär auf Studioarbeit, aber es gibt tatsächlich auch schon konkrete Ideen und Pläne, die Band sogar noch in diesem Jahr auf die Bühne zu bringen. Da Hartmut, Christian und auch ich privat und durch unsere anderen Bands aber durchaus eingespannt sind, werden wir wahrscheinlich nur eine sehr limitierte Anzahl von Shows spielen. Aber wir alle haben große Lust, diese Songs auch live zu präsentieren.

Tobias, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche euch für die Band und "Tombstone Stories" viel Erfolg und überlasse dir die letzten Worte.

Tobias: Erst einmal vielen Dank dir, Jan, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Ebenfalls würde ich mich gerne bei allen bedanken, die uns mit dem Kauf einer CD oder einem Shirt in den letzten Wochen supportet haben oder noch planen, das zu tun! Ich hoffe, euch allen bereitet "Tombstone Stories" in den aktuell turbulenten Zeiten Freude und lässt euch den Alltag für ein paar Stunden vergessen!

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