Interview mit Andy von Sodom

Ein Interview von Eddieson vom 29.01.2026 (5310 mal gelesen)
32 Jahre nach dem Original bringen SODOM ein neu gemixtes Re-Release von "Get What You Deserve" auf den Markt. Wie schon bei "Tapping The Vein" zeigt sich auch hier Andy Brings für den neuen Mix verantwortlich. Andy stand auch für ein paar Fragen zum Album zur Verfügung.

Moin Andy. Wie geht's dir?

Andy: Hey, mir geht es super. Zehn Bälle gleichzeitig in der Luft, wie immer, aber ich habe ja Gott sei Dank zwei Beine und acht Arme, also kein Problem.

Du bist mal wieder in Sachen SODOM unterwegs. Diesmal ist es "Get What You Deserve", das du ein bisschen nachbearbeitet hast. Wie bis du an die Arbeit mit dem Album rangegangen?

Andy: Das Album ist ja im Original schon sehr reduziert, und ich wollte es noch weiter runterkochen, sodass nur Knochen, Muskeln und Samenstränge übrig bleiben. Keine Tricks, kein Bodennebel, nur die Band wie sie war: eine dreiköpfige Killermaschine! Mein Remix lässt die Gitarre etwas mehr leuchten als der Originalmix. Er soll keine Verbesserung sein, sondern das Gesamtbild vervollständigen. imgright

Mittlerweile hat das Album 32 Jahre auf dem Buckel. Kannst du dich noch daran erinnern, wie du damals über das Album dachtest? Und wie denkst du heute darüber?

Andy: Damals dachte ich: "Wow, was für ein Schlag in die Fresse, wir sind die Allergeilsten!" Mit 32 Jahren Abstand muss ich sagen: "Verdammt, ich hatte recht!" Es ist damals wie heute ein Bollwerk gegen Künstlichkeit und aufgesetzte Härte. Präzise wie eine scharfe Sense, die aber von einem V12 Motor angefeuert wird.

Nachdem "Tapping The Vein" so ein bisschen mehr Death Metal intus hatte, klingt "Get What You Deserve" ja mehr nach Thrash, aber auch viel punkiger und vor allem dreckiger. Wie kam es dazu?

Andy: Wir hatten einfach keine Lust auf lange Songs mit endlosen Solos und zig Parts. "Tapping The Vein" war genau richtig, aber wir wollten es noch roher und kompromissloser, gegen alle Trends. Das Album ist Inspiration pur, Kreativität ohne nachzudenken. Wie es sein sollte. Diese Art von Musik funktioniert für mich immer am besten, wenn man den Punk irgendwo noch hört. Das Einfache, Radikale.

Mal angenommen, "Get What You Deserve" wäre nicht damals veröffentlicht worden, sondern würde im Jahr 2026 veröffentlicht werden. Kannst du dir vorstellen, wie heutzutage die Reaktionen auf das Album ausfallen würden? Also nicht nur von Fans, sondern auch seitens des Labels?

Andy: Es wäre derselbe schöne Kotzbrocken wie 1994. Ich finde heutzutage alles noch glatter und austauschbarer als damals, das Statement gilt also nach wie vor.

Als es damals an das Songwriting ging, gab es damals intern Diskussionen, was einige Songs anging, weil sie vielleicht auch textlich umstritten waren?

Andy: Es gab keine Diskussionen, wir waren auf einer Linie unterwegs und wollten einfach ohne Ende ballern.

SODOM in der Besetzung Steif-Brings-Angelripper gab es ja nur eineinhalb bis zwei Jahre. Aber in dieser Zeit kamen ein Album, eine EP und ein Live-Album. Dazu ja wahrscheinlich auch noch ein bis zwei Touren. Das muss eine unheimlich intensive Zeit gewesen sein.

Andy: Und noch ein Kaufvideo. Wahnsinn! Wenn ich mir das heute vorstelle, ist mir schleierhaft, wie das möglich war. Ich habe ja auch noch Zivildienst in genau dieser Zeit gemacht. Man war natürlich ausschließlich mit der Musik beschäftigt, und nicht als Content Creator beziehungsweise Content SODOM.[lacht] Die Tage müssen damals irgendwie länger gewesen sein.

Wenn du heutzutage Songs für SODOM schreiben würdest, hast du eine Vorstellung, wie die klingen würden?

Andy: Das ist leicht zu beantworten: Hart, schnell und geil!

Es soll ja Leute geben, die "Get What You Deserve" noch nie gehört haben. Was würdest den Leuten sagen, was sie erwarten können, wenn sie das Album zum ersten Mal auflegen?

Andy: Sie werden tolle Songs hören, vorgetragen von einer Band auf einem kreativen Höhenflug, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, mit Toms bester Gesangsleistung seiner Karriere, und das will was heißen! Er singt ja immer super. Am besten über Kopfhörer hören und genießen.

Andy, du als Produzent, der sich ja viel mit Sounds von Alben auseinandersetzt, kannst du dir überhaupt noch in Ruhe moderne Metalalben anhören?

Andy: Ja klar, ich höre heutzutage so viel Musik wie nie zuvor in meinem Leben, und ich habe schon immer wahnsinnig viel gehört. Ganz viel davon ist Metal, aber ganz selten mal neuer Metal. Die neue MEGADETH ist der Hammer, KREATOR auch, ich warte auf PRIEST und ANTHRAX. Viele Bands heutzutage können wahnsinnig gut spielen, aber das Songwriting ist oft nicht geil, oder halt ein tausendmal gehörter Aufguss, der mir einfach nix gibt. Die letzte PRIEST ist nicht von dieser Welt, das ist der neue Maßstab für mich in Sachen Classic Metal. Der Underground lebt natürlich, was ich super finde, aber auch da warte ich stets auf Songs, die mir die Schuhe ausziehen. Ich dürste regelrecht danach.

Andy, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche euch viel Erfolg für das Re-Release und die letzten Worte gehören dir.

Andy: Danke für euer Interesse, immer wieder gerne. Herzliche Grüße!

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