Weißer Rauch? Schwarzer Rauch? Wieder einmal hielt Italien die Welt in Atem. Aber anstatt ständig einen Schornstein zu beobachten, wandten wir uns dem aktuellen Album "Reqviem For The Oppressor" von XENOS A.D. zu. Freundlicherweise bot uns Ignazio Nicastro an, unseren Fragen Rede und Antwort zu stehen. Das Ergebnis lest ihr hier:
Hallo, Ignazio, bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor.
Ignazio Nicastro: Mein Name ist Ignazio Nicastro, bin 45 Jahre alt, bei XENOS A.D. Stimme und Bass.
Wie kam es zur Gründung von XENOS im Jahre 2019? Was war der Anlass, in einer neuen Band zu spielen und wer organisierte die Suche nach Musikern und organisierte ein Zusammentreffen?
Ignazio Nicastro: Ich steckte hinter der Gründung von XENOS, um zu meinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren, die mich viele Jahre zuvor Metal spielen ließen. Danilo Ficicchia, der zu meiner alten Band gehörte, fragte ich, ob er mitmachen würde. Dann stieß Giuseppe Taormina dazu und wurde der erste Gitarrist von XENOS, ist aber aktuell nicht mehr dabei.
Aus welchem Grund hast du dich für Thrash entschieden? Oder ist es ein anderes Genre, dem du deine Musik zuordnest?
Ignazio Nicastro: Weil Thrash Metal der Grund ist, warum ich überhaupt Musik mache. Ich liebe Thrash Metal, ich halte ihn für die perfekte Musik.
Warst du damals schon finanziell in der Lage, Instrumente, Studio und alles Weitere zu bezahlen?
Ignazio Nicastro: Ich ging einem normalen Beruf nach, sodass ich in der Lage war, die auflaufenden Kosten zu bestreiten. Da ich aber nicht reich war, musste ich sehr vorsichtig und umsichtig sein.
Womit habt ihr begonnen, mit Studioaufnahmen oder mit Livekonzerten?
Ignazio Nicastro: Livekonzerte.
Weißt du noch, wo und vor wie vielen Leuten du zum ersten Mal live spieltest?
Ignazio Nicastro: Ähem ... ich war 15 und spielte auf einer Schulparty vor einem guten Dutzend Leute.
Kann man eure Musik in den italienischen Rundfunksendern hören oder habt ihr dasselbe Problem wie deutsche Bands im deutschen Rundfunk wegen des nicht mainstreamigen Musikstils?
Ignazio Nicastro: Uns gibt's nur auf Metal-Sendern zu hören, denn Italien bietet keine echte Metal-Kultur.
Wann und wo spieltest du zum ersten Mal außerhalb Italiens?
Ignazio Nicastro: Es war 2015 in Istanbul beim Rock Off Fest mit meiner vorigen Band. MEGADETH waren übrigens auch mit von der Partie.
Welche Auftrittsorte bevorzugt ihr? Kleine Clubs, große Hallen, Stadien oder Open Air? Was findest du besser, Open Air Festivals oder Festivals in großen Hallen?
Ignazio Nicastro: Ich liebe Open Air Festivals, aber ich mag auch die halbgroßen Clubs. Es ist fantastisch, unsere Gefühle mit dem Publikum zu teilen und mit den Gästen zu interagieren.
Wo werdet ihr demnächst auftreten? Habt ihr auch Deutschland im Visier?
Ignazio Nicastro: Im November und Dezember hatten wir zwei Gigs in Italien. Alles Weitere ist in Planung. Liebend gerne würden wir in Deutschland auftreten, aber das zu bewerkstelligen ist alles andere als einfach.
Euer aktuelles Album "Reqviem For The Oppressor" ist nun sieben Monate alt. Wie fühlt ihr euch nach dem Release? Gab es eigentlich eine Release Party am Tag der Veröffentlichung? Seid ihr mit den Verkaufszahlen zufrieden?
Ignazio Nicastro: Wir sind äußerst zufrieden mit allem, was mit dem Album zu tun hat. Großartige Reviews von allen Seiten, der Verkauf läuft gut und wir bekommen allseits gute Resonanz.
Wie entsteht bei euch ein neuer Song? Seid ihr alle Songwriter oder macht das einer alleine?
Ignazio Nicastro: Jeder von uns ist normalerweise in der Lage, Songs von Anfang bis Ende zu kreieren, aber bei XENOS A.D. bin ich fürs Songwriting zuständig. Ich schreibe ein Stück, sende das Demo den Jungs und sie fügen dann ihre Parts hinzu, die auf der von mir vorgegebenen Struktur basieren und mit ihr dann auch harmonieren.
Unterstützen euch eure Familien? Oder haben sie nichts für eure Musik übrig?
Ignazio Nicastro: Unsere Familien haben uns schon unterstützt, auch wenn sie unsere Musik größtenteils nicht verstehen.
Wie sieht es mit einem neuen Album aus? Ist da schon was in Planung, und wenn ja, gibt es schon einen Termin?
Ignazio Nicastro: Natürlich. Ich habe da schon einige Demos, die richtig brutal daherkommen. In welchem Jahr ein neues Album erscheint, steht noch in den Sternen. Nichtsdestotrotz werden wir einen neuen Song schon recht früh 2026 veröffentlichen.
Für all jene unter uns, die nicht so gut im Englischen sind, wäre es toll, wenn du uns erklärst, worum sich eure Texte drehen? Spielen auch private Gegebenheiten eine Rolle?
Ignazio Nicastro: Aufmerksam beobachte ich das Leben um mich herum, jedes noch so kleine Detail kann inspirierend wirken. Da reicht schon das Öffnen des Fensters am Morgen, um Dinge zu sehen, die mir zuwider sind. Unsere Texte befassen sich mit Krieg, Religion sowie deren fanatischen Auswüchsen, Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Oftmals beziehe ich mich auf historische Personen, Tyrannen und Diktatoren. Soziale Fragen und alles Niederträchtige und Bösartige, zu was Menschen fähig sind, spielen ebenfalls eine große Rolle. Dinge aus unserem Privatleben haben in unserer Musik nichts zu suchen.
Nachdem ihr den Namen geändert habt (Anmerkung der Redaktion: aus XENOS wurde XENOS A.D.), stellen sich viele Leute die Frage, was A.D. bedeutet. Ist es vielleicht ein Akronym für "anno domini"?
Ignazio Nicastro: Ja, genau das ist es.
Interessieren dich das Christentum oder andere Religionen der Welt? Glaubst du an irgendeinen Gott oder bist du wie ich Atheist?
Ignazio Nicastro: Atheist bin ich nicht. An Gott glaube ich, allerdings habe ich ausreichend Verstand, nicht alles zu glauben, was bestimmte Idioten gerne im Namen Gottes verkünden.
Könnt ihr euch vorstellen, eine vier- oder fünfköpfige Band zu sein?
Ignazio Nicastro: Ich glaube eher nicht, wenngleich auch DESTRUCTION und SODOM nach einem langen Leben als Trio zum Quartett wurden. Ehrlich gesagt, das ist für mich derzeit auch eher uninteressant.
In Deutschland gibt es wieder vermehrt Sammler von Musikcassetten. Sind beim nächsten Release auch Cassetten eingeplant?
Ignazio Nicastro: Cassetten finde ich auch toll, aber ob das möglich sein wird, wird sich eventuell beim nächsten Album zeigen.
Von wem stammt das Coverartwork?
Ignazio Nicastro: Von Ivan Stan, einem russischen Künstler.
Herzlichen Dank für die Zeit, die du unseren Lesern gewidmet habt.
Ignazio Nicastro: Vielen Dank für die netten Worte im Review und das angenehme Interview. Freundliche Grüße an alle Bleeding4Metal-Leser und THRASH TILL DEATH. |