Interview mit Marc von Phantom Corporation

Ein Interview von Eddieson vom 20.12.2025 (456 mal gelesen)
PHANTOM CORPORATION haben mit "Time And Tide" einen dermaßen starken Hassbatzen veröffentlicht, dass ich doch nur kurz nachfragen musste, ob das Soundlodge Studio überhaupt noch steht. Drummer Marc und Sänger Leif erzählten mir ein bisschen was dazu.

Moin. Wie schaut es aus bei euch?

Marc: Bei uns ist alles im grün-weißen Bereich. Vielen Dank der Nachfrage. Ich hoffe, dir geht es auch gut. Wir freuen uns gerade sehr, dass das neue Album draußen ist und eine Menge sehr guter Reviews reinkommen. Zudem haben wir am Wochenende in zwei Plattenläden Release-Konzerte gespielt. Bei Hot Shot in Bremen und in der Plattenkiste in Hamburg. Bei Hot Shot gibt es tatsächlich eine richtige Bühne. In der Plattenkiste haben wir zwischen den Plattenregalen gespielt und meine Bass Drum stand halb unter einem CD-Regal und ich musste auf ein paar Becken und zwei Toms verzichten, da der Platz im Laden sehr limitiert war. War auch mal was Neues und hat tierisch Spaß gemacht.

Leif: Hier alles cool, danke der Nachfrage! Aber quasi die Ruhe im Sturm, weil wegen der Veröffentlichung von "Time And Tide" doch ganz schön was los ist gerade ...

Kurze Frage vorweg. Steht das Soundlodge Studio noch? Oder wie sieht euer Proberaum aus? Ich frage, weil ich jedes Mal wenn ich "Time And Tide" höre am liebsten mein Wohnzimmer zerlegen würde. Die Redewendung "alles in Schutt und Asche legen" ist doch genau wie für "Time And Tide" gemacht.

Marc: Wir proben in einem Abrisshaus und unser Proberaum hat eh keine Decke mehr und eine Wand fehlt. Die Zerstörung durch unsere Musik fällt da gar nicht mehr weiter auf. Nee, das ist natürlich nur Spaß. Vielen Dank für das Kompliment! Ich denke, das Songwriting an sich ist das Wichtigste und der Schlüssel zur musikalischen Brutalität. Wenn man eine Mischung aus Crust, Thrash und Death Metal spielt, sollte die Musik eine Grund-Aggressivität haben. Wenn Hörer wie du sagen, dass wir das geschafft haben, freut uns das sehr.

Wie viel Wut und Aggressionen muss man in sich tragen, um einen solchen Hassbatzen zu schreiben? Gefühlt habt ihr da im Gegensatz zu "Fallout" noch mal eine kleine Schippe drauf gelegt.

Marc: Das ist nicht wirklich bewusst geschehen. Wie ich schon sagte, legen wir sehr viel Wert auf gute und ausgearbeitete Songstrukturen. Gerade im Crust-Bereich kann es passieren, dass eine Platte insgesamt zu eintönig klingt. Das wollten wir vermeiden und daran haben wir hart und lange gearbeitet. Aber natürlich passieren um einen herum gerade so viele bedrückende Sachen, wie zum Beispiel das Wiedererstarken von rechtsradikalen und demokratiefeindlichen Kräften in Deutschland und überall in Europa und der Welt, dass die Songs möglicherweise unbewusst etwas kompromissloser und angepisster ausgefallen sind.

Leif: Ja, ich denke auch, dass es rauere Zeiten überall sind. Natürlich beeinflusst uns das auch als Menschen und entsprechend sicherlich abfärbend auch als Musiker. Ich denke, jede neue Musik, an der man arbeitet, ist auch ein Kind ihrer Zeit und ein Ventil, um viele Erlebnisse und Emotionen zu verarbeiten. Glücklicherweise passt das aber mit der extremeren Gangart bei uns ganz gut ins Konzept.

Ihr habt auf eurem neuen Album wieder einen bunten Mix aus Thrash, Crust Punk, etwas D-Beat und auch Death Metal. Wobei ihr den Death Metal-Anteil etwas höher geschraubt habt, wenn man mal "Fallout" damit vergleicht. Oder täuschen mich da meine Ohren?

Marc: Auch das ist eher unbewusst geschehen. Zumindest haben wir uns nicht bewusst hingesetzt und haben gesagt, dass wir dieses Mal mehr Death Metal-Elemente einbauen. Ich bin auch nicht der Riff-Schreiber der Band. Das sind Arne, Philipp und Ulf. Von daher könnten die die Frage möglicherweise besser beantworten. Vielleicht haben sie in der Songwriting-Phase mehr Death Metal gehört als beim letzten Mal. Generell sind Thrash, Crust und Death Metal der gemeinsame Nenner von uns. Darauf stehen wir alle gleichermaßen. Vielleicht ist das Pendel dieses Mal ein wenig mehr in die Death Metal-Richtung ausgeschlagen. Vielleicht liegt es daran, dass Philipp deutlich mehr Songs für das neue Album geschrieben hat als Arne. Das war bei "Fallout" eher ausgeglichen. Ich würde sagen, dass die Songs von Arne von dem Aufbau meistens etwas metallischer oder thrashiger sind. Die Songs von Philipp hingegen klingen eher nach WOLFBRIGADE als SLAYER und KREATOR und haben häufig auch coole Death Meta-Riffs oder -Melodien, um es bildlich darzustellen. Zudem hat Ulf erstmals auch zwei Songs beigesteuert. Und gerade sein Song 'Crisis' hat wahrscheinlich mit die stärkste Death Metal-Schlagseite. Obwohl ich selber es gar nicht unbedingt so empfinde, dass das neue Album einen höheren Death Metal-Anteil hat. Ich finde "Time And Tide" eher ein wenig punkiger und weniger metallisch als "Fallout". Den Sound des Albums finde ich wiederum metallischer als auf dem Vorgänger.

"Time And Tide" ist etwas über 42 Minuten einfach nur auf die Fresse. Ihr habt aber auch ein paar mehr Melodien eingebaut, die unheimlich stimmig sind und sich gut in die Songs einfügen. Ich denke da an 'Pound Of Flesh' oder auch 'Dead Of Night'. Hat sich das einfach so ergeben oder könnte das eine Entwicklung für die Band sein, dass sie in Zukunft mehr Melodie in die Songs einbaut?

Marc: Vielen Dank! Wir mögen alle die Art der Melodieführung von zum Beispiel WOLFBRIGADE. Ich denke, diese Art von Melodien hatten wir auch schon vorher. Es ist mir noch gar nicht so aufgefallen, dass auf "Time And Tide" mehr Melodien sind. Da muss ich beim Anhören noch mal drauf achten. Auf jeden Fall steckt da auch keine Intention dahinter. Auch nicht, was die Zukunft betrifft. Wir haben uns eigentlich noch nie hingesetzt und die Ausrichtung von kommenden Songs diskutiert. Ich denke, das wird auch so bleiben. Das einzige "Abgesprochene" innerhalb der Band ist die grundsätzliche Ausrichtung. Wir sind Metalheads, die auch Crust sehr geil finden und diese beiden Welten wollten wir von Anfang an verschmelzen.

Einer der geilsten Songs auf dem Album ist das kurze und knackige 'Krokodil', das vor allem auch live gut funktionieren könnte. Was kannst du mir zu dem Song sagen?

Marc: 'Krokodil' wurde von Philipp geschrieben, sowohl der Text als auch die Musik. Zusammen mit 'Crisis' stellt 'Krokodil' eine Neuerung für PHNATOM CORPORATION dar, da beide Songs erstmalig Blast Beats enthalten und mehr in die Grind- als Crust-Richtung gehen. Der Text handelt von der gleichnamigen furchtbaren Droge, die vor allem in Russland konsumiert wird. Der Text ist sehr abgefahren geschrieben. Man kann ihn auch so lesen, als würde ein Teil des Textes von der Droge und der andere von dem Tier handeln. imgright

Würdest du "Time And Tide" als ein reiferes Album als "Fallout" bezeichnen?

Marc: Das kann man als Involvierter immer schwer einschätzen, finde ich. Ich mag "Fallout" auch noch immer sehr. Der Sound war bei "Fallout" auch super, aber bei "Time And Tide" hat sich Jörg Uken meiner Meinung nach selber übertroffen. Für mich hat die neue Platte den besten Drumsound, denn ich je auf einem Album hatte. Aber auch den Gesamtsound finde ich noch einen Ticken besser als auf dem Vorgänger. Speziell den Basssound finde ich großartig auf dem neuen Album.

Ihr hattet am VÖ-Wochenende jeweils eine Show bei Hot Shots Records in Bremen und in der Plattenkiste in Hamburg, wie du ja auch eben schon gesagt hast. Finde ich ne geile Idee. Wie kam es dazu?

Marc: Wie ich oben schon geschrieben habe, waren die Shows super und haben tierisch Spaß gemacht. Gerade bei der Plattenkiste mussten wir erst einmal vor Ort hin und her überlegen, wie wir die Show aufgrund der knappen räumlichen Verhältnisse überhaupt möglich machen können. Auf jeden Fall waren die Shows anders als alles, was wir bisher gemacht haben. Bei Hot Shot habe ich selber fünf Jahre gearbeitet. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich mit meiner Lärmcombo dort mal eine Show spielen würde. Seinerzeit gab da auch schon ab und an Auftritte. Das waren dann aber Unplugged-Shows und definitiv kein Metal. Wie es zu den Shows kam, kann Leif vermutlich besser erklären.

Leif: Ja, es war eigentlich nur mal eine spontane Idee, die in einem Gespräch mit unserer Plattenfirma Supreme Chaos Records aufkam. Als wir dann merkten, dass die Timeline des Albums für eine Veröffentlichung am 12. Dezember funktionieren würde, wurde es etwas konkreter, als ich mit beiden Läden mal gesprochen habe, denn beide waren überraschenderweise von dieser Idee angetan. Wir wollten eigentlich nur mal etwas "anderes" machen zu diesem Anlass und suchten dafür zwei befreundete Stores aus, zu denen wir als Kunden oder via der Band einen Bezug hatten. Es war tatsächlich alles sehr reibungslos, es kamen eine gute Menge an Besucher, der Butterkuchen in Bremen und die Döner- beziehungsweise Falafeltaschen in Hamburg waren sehr lecker und es war somit ein tolles Wochenende, um den Release von "Time And Tide" zusammen zu feiern ...

Sehr schön, schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Hätte ich gerne erlebt. So, das soll es erst mal gewesen sein. Ich wünsche euch viel Erfolg für "Time And Tide", ihr habt da wirklich ein geiles Album am Start. Die letzten Worte gehören euch.

Marc: Vielen Dank für die netten Worte und die Unterstützung, Jan! Alle, die auf WOLFBRIGADE, DISFEAR, AT THE GATES, SLAYER, alte DEATH und NAPALM DEATH stehen, sollten "Time And Tide" mal anchecken. Das Album könnte dann was für euch sein. Cheers!

Leif: Vielen Dank, Jan. Wir wissen deinen beziehungsweise euren Support sehr zu schätzen. Checkt gerne mal hier wegen neuem Merchandise, falls ihr noch was zur Weihnacht benötigt.

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