David Huff von GIANT nahm sich die Zeit, uns im Nachgang zum starken neuen Album "Stand And Deliver" ein paar Fragen zu beantworten. Viel Spaß!
Danke David, dass du dir die Zeit für einige Fragen nehmen konntest. Zunächst mal Glückwunsch zu "Stand And Deliver", was ein wirklich starkes Album geworden ist. Wie würdest du das Album möglichst kurz beschreiben? Was zeichnet es besonders aus?
David Huff: Vielen Dank für die freundlichen Worte! Das Album ist eine großartige Mischung aus dem "originalen" GIANT-Sound mit einem neuen, mehr zeitgenössischen Sound. Natürlich können wir kein Album mehr so machen wie damals in den 80ern, aber wir haben versucht, der Essenz von GIANT treu zu bleiben.
"Stand And Deliver" wurde nur drei Jahre nach "Shifting Time" veröffentlicht, was tatsächlich dem zeitlichen Abstand zwischen euren klassischen Alben "Last Of The Runaways" und "Time To Burn" entspricht. Das ist erfreulich schnell, wenn du mich fragst. Wie habt ihr es geschafft, so zügig nachzulegen?
David Huff: Das war mir bislang gar nicht bewusst! Es war einfach Zeit, ein weiteres Album rauszubringen. Die Entscheidung ging sowohl von uns selbst als auch unserem Label aus.
Gab es irgendwelche Schwierigkeiten, die während der Albumproduktion aufgetreten sind?
David Huff: Nein, bei dieser Platte gab es keine wirklich großen Probleme. Was auf jeden Fall immer eine Herausforderung bei Aufnahmen ist, ist es, dass verschiedene Mitglieder in verschiedenen Ländern leben! Aber Gott sei Dank gibt es da ja mittlerweile Technik, mit der man das bewältigen kann.
Manche Leute meinen immer noch, GIANT sollten neue Musik nur in der klassischen Originalbesetzung veröffentlichen. Was würdest du diesen Leuten antworten?
David Huff: Ich verstehe grundsätzlich, wenn Fans so denken, aber es gab auch Line-up-Wechsel bei Bands wie beispielsweise JOURNEY oder VAN HALEN. Das passiert aus allen möglichen Gründen - wenn die Dinge sich also ändern - und in unserem Fall war es kein böses Blut oder sonstige Differenzen, sondern lediglich zeitliche Probleme - bewegt man sich einfach weiter und bleibt kreativ!
Wie wichtig, denkst du, ist es, ein stabiles Line-up zu haben? Im Endeffekt gibt es da draußen ja nur sehr wenige Bands, die auch nach Jahrzehnten noch das gleiche Line-up haben.
David Huff: In einer perfekten Welt würde man keine Line-up-Wechsel vornehmen und bis zur Rente mit den gleichen Leuten zusammen Musik aufnehmen. Zum Glück sind wir aber alle mit vielen verschiedenen Projekten und Tätigkeiten beschäftigt. Wie ich es also gesagt habe, wenn sich die Gelegenheit für ein neues Album bietet, kann man einfach nur hoffen, dass man alle Leute zeitlich unter einen Hut bringen kann!
Worin siehst du die größte Stärke der aktuellen Besetzung von GIANT?
David Huff: Ich denke, die größte Stärke liegt darin, dass Mike und ich konstant als Originalmitglieder an Bord sind. Wir haben die Vision der ursprünglichen Band, haben uns aber auch auf vielen anderen Alben in der aktuellen Musikszene betätigt. Wir können also beides zusammenbringen, ohne dabei die Essenz der Musik von GIANT zu verlieren.
Wie wahrscheinlich ist es, dass wir GIANT in absehbarer Zeit mal live erleben können?
David Huff: Wir haben ein paar Angebote auf dem Tisch. Tatsächlich würden wir sehr gern live als GIANT spielen. Letztlich warten wir darauf, dass es die passenden Angebote dafür gibt.
Gibt es irgendetwas, was du heutzutage lieber tun würdest?
David Huff: Ich verstehe die Frage nicht ... letztlich lebe ich meinen Traum! Damit bin ich mehr als gesegnet und unendlich dankbar dafür.
Wenn du das Musikgeschäft in deinen Anfängen mit GIANT betrachtest und jetzt mit heute vergleichst, was ist der größte Vorteil und was der größte Nachteil?
David Huff: Der größte Vorteil heute ist der technologische Fortschritt. Der macht also so viel leichter zugänglich und schneller. Der größte Nachteil sind dagegen Zeit und Budgets, von beidem gibt es nicht genug.
Viele Fans betrachten euer Debütalbum als einen Klassiker. Wünschst du dir manchmal, GIANT hätten seinerzeit die Chance bekommen, mehr Erfolg zu haben oder bist du der Meinung, alles ist irgendwie richtig zusammengekommen?
David Huff: Nun, natürlich wünschen wir uns, dass wir mit unseren ersten beiden Alben mehr Zeit gehabt hätten, bevor NIRVANA die Melodic Rock-Szene verändert haben. Aber diese Dinge hat man im Leben nicht in der Hand. Wir haben uns damit arrangiert - für uns ist klar, dass wir in diese Welt gekommen sind, um Musik zu machen, also ist es das, was wir taten und weiterhin tun.
Wir sind leider an einem Punkt, wo viele der alten legendären Musiker nicht mehr unter uns weilen. Wie, denkst du, wird die Musikszene aussehen, wenn die meisten der Veteranen nicht mehr da sind?
David Huff: Ja, es ist sehr traurig, wenn viele unserer musikalischen Helden von uns gehen. Das Gute ist jedoch, dass die Musik für immer weiterlebt ... wenn also die Menschen sterben, ihre Musik und ihr Vermächtnis bleiben bestehen. Es gibt viele neue Bands und Sänger, die beizeiten die Fackel weitertragen werden. Ich habe grade eine Band namens THE RETROGRADE produziert. Fantastische Band, die werden uns lange begleiten!
GENE SIMMONS sagt bekanntlich gerne, Rock sei tot. Was denkst du darüber?
David Huff: Das kommt von jemandem, dessen Band und Zeit vermutlich jetzt vorbei sind. Rock stirbt niemals, Kumpel, er entwickelt sich weiter und bleibt lebendig.
Was hältst du von Sachen wie "ABBA Voyage" - oder der gleichen Technologie, die KISS nutzen werden - wo digitale Avatare der legendären Künstler gemeinsam mit einer Liveband performen?
David Huff: Da ich noch keine Gelegenheit hatte, das selbst zu erleben, enthalte ich mich da für den Moment mit einer Meinung.
Wenn du etwas in deiner Karriere ändern könntest, was wäre es?
David Huff: Das klingt jetzt schmalzig, aber ich würde letztlich nichts ändern. Ich hatte die unglaubliche Gelegenheit, ein paar Mal um die Welt zu reisen und habe mit zahllosen Künstlern live und im Studio gespielt. Und das tue ich weiterhin!
Das ist ein mehr als schönes Schlusswort. Vielen Dank für deine Zeit! |