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Interview mit Jordan Rhyno von Antioch

Ein Interview von Tailgunner vom 22.05.2021 (2837 mal gelesen)
Der Kanadische Humor scheint tatsächlich seinen ganz eigenen Charme zu haben. Davon konnte ich mich bei dem vorliegenden Interview mit Jordan Rhyno von ANTIOCH überzeugen. Der sympathische Maniac erzählt uns zudem einiges über Tee und Musik.

Hey Jordan, sei gegrüßt! Es ist großartig, die Gelegenheit zu haben, dir einige Fragen über den Atlantik zu schicken und wenn du nichts dagegen hast, steigen wir auch gleich ein. Zu meiner Schande muss ich einräumen, dass ich von ANTIOCH bislang noch nie etwas vernommen habe, bis ich neulich das Vergnügen hatte, eure neue Platte "Antioch V" bei uns im Webzine zu besprechen, welche nunmehr bereits eure fünfte Veröffentlichung darstellt. Kannst du uns eine kurze Zusammenfassung über die Geschichte hinter ANTIOCH geben? Es waren du und dein Bruder, die die Band damals ins Leben gerufen haben, richtig?

Jordan: Danke, dass ihr uns eine Plattform gebt, Tailgunner! Und geh nicht so hart mit dir ins Gericht, wir waren bislang auch wirklich nicht so einfach zu finden. ANTIOCH wurden von mir, meinem Bruder/Drummer Brendan, dem Sänger Nick Allaire und unserem damaligen Gitarristen Alex Dupuis gegründet. Das war 2013, und seit 2014 bringen wir alle paar Jahre auch ein Album an den Start. Da waren bislang "Antioch" (2014); "Antioch II: First Strÿke" (2015); "Antioch III: Wings and Warlocks" (2017); "Antioch IV: Land of No Kings" (2019) und wie du bereits erwähntest und der Grund warum wir hier gerade miteinander sprechen: "ANTIOCH V" (2021). Im Grunde also eher belanglos, keine Morde, Skandale oder sonstige Dinge, die der Erwähnung wert wären.

Nun ja, werten wir das mal als Understatement, denn "Antioch V" sollte in jedem Fall Gehör finden. Aber etwas anderes. Hattet ihr jemals die Gelegenheit, außerhalb Kanadas zu spielen? Alleine euer Heimatland adäquat abzudecken, stelle ich mir aufgrund seiner immensen geografischen Ausdehnung im Vergleich zu europäischen Ländern schon sehr schwierig vor.

Jordan: Wir haben noch nie außerhalb Kanadas gespielt, nicht einmal außerhalb unserer Heimatprovinz Ontario. So richtig getourt sind wir überhaupt noch nicht, deswegen kann ich gar nicht sagen, ob es eine Herausforderung ist, Kannada zu bereisen oder nicht. Aber eine Tour ist etwas, was wir natürlich sehr gerne einmal machen würden. Momentan stellt sich die imgright Frage, ob wir es erst in Europa oder in Kanada versuchen sollten. Eins ist klar, während wir hier sprechen, hat ANTIOCH eine deutlich größere Fanbase in Europa als in unserer Heimat, dem "Great White North".

Da wir gerade über Kanada sprechen: In den letzten Jahren kommt von dort eine große Menge starker und sehr talentierter Bands, die sich dem traditionellen Metal verschrieben haben. Seht ihr euch selbst irgendwie als Teil einer Bewegung und seid ihr mit anderen Bands aus eurer Heimat befreundet?

Jordan: Tut mir leid, wenn ich dich da enttäuschen muss, aber mit anderen Bands hatten wir nie wirklich viel zu tun. Wir blieben immer ziemlich unter uns und ehrlich gesagt war das sicher nicht unbedingt zu unserem Vorteil. Als wir mit ANTIOCH anfingen, wollten wir einfach nur Heavy Metal spielen. Wir haben da nicht groß über irgendwelche Strömungen nachgedacht oder krampfhaft versucht, irgendwo dazu zu gehören. Aber ich schätze, ein Haufen Bands wollten in etwa in dieselbe Richtung und nun sieh dir an, was daraus geworden ist. Es ist schon wirklich cool, wenn man am Ende ungewollt Teil von etwas wie der NWOTHM ist!

Eure ersten Alben habt ihr selbst vermarktet, mittlerweile seid ihr aber bei Iron Shield Records unter Vertrag. Ich musste ja bereits einräumen, dass ich mit eurem bisherigen Schaffen nicht vertraut bin, das aber unbedingt gerne ändern möchte. Ich bin allerdings kein Fan vom Streamen. Besteht die Chance, dass Iron Shield sich da mal um euren Backkatalog kümmert und die alten Alben noch mal auf CD oder gar Vinyl erscheinen?

Jordan: Das wäre sicher klasse, da müssen uns Iron Shield nur fragen. Wenn wir ein Album in der Vergangenheit veröffentlicht haben, so geschah das bislang tatsächlich immer in Eigenregie. Nach der Veröffentlichung von "Antioch III: Wings and Warlocks" kamen Marquee Records auf uns zu und veröffentlichten alle unsere Alben für den südamerikanischen Raum. Ihr solltet Euch Armandos Laden unbedingt anschauen. Unsere eigene Bestände sind mittlerweile auch ziemlich am Ende, es wäre also durchaus an der Zeit, sich mal an den Verhandlungstisch zu setzen.

Was denkst du, können ANTIOCH mit Hilfe von Iron Shield Records nun erreichen, was vorher nicht möglich war und wie seid ihr mit dem Label in Kontakt gekommen?

Jordan: Wir wollen unbedingt sicher stellen, dass "Antioch V" auch den Weg zu den Fans findet. Mit "Antioch IV: Land Of No Kings" haben wir wahnsinnig viele Anfragen für Merch erhalten, insbesondere aus Europa und dort vor allem aus Deutschland, aber auch aus den Vereinigten Staaten. Das Zeug in die Staaten zu schicken ist weder für uns noch die Fans dort ein großes Problem, aber der Versand nach Europa ist einfach unverhältnismäßig teuer. Also waren wir auf der Suche nach einem Europäischen Label, welches uns nicht nur imgleft unter Vertrag nimmt, sondern gleichzeitig dafür sorgt, dass unsere Musik auch besser erhältlich ist. Am Ende waren Iron Shield Records aus Berlin eine wirklich gute Wahl für uns. Wie sind wir mit ihnen in Kontakt getreten? Nun, wir schickten ihnen eine E-Mail und fragten so höflich wie uns das als Kanadier überhaupt möglich ist, ob sie nicht Interesse an uns hätten.

Kommen wir zu "Antioch V". Der Sound des Albums ist genau richtig. Druckvoll aber nicht modern. Kannst du uns etwas über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess des Albums verraten?

Jordan: Hm, mal sehen. Es begann am 17. März 1988 mit Donnerschlägen am Himmel und Blut an den Händen vieler ... (Schneller Zeitraffer) Also "Antioch V" wurde zwischen März und Dezember 2020 geschrieben. Nick und ich fingen im März mit einigen Jamsessions an und dabei entstand auch das Stück 'Hang The Eagle'. Wir arbeiteten daran, uns für kommende Live-Shows fit zu machen, er an den Drums und ich an der Gitarre und wir waren zudem auf der Suche nach Verstärkung, als das Drama, welches auf der anderen Seite der Welt begann, auch Nord Amerika mit voller Wucht traf und uns in den Lockdown zwang. Ich sollte Nick dann erst im August erstmals wiedersehen. Glücklicherweise war Brendan zu dieser Zeit von einem Schulbesuch in den USA zurück und blieb ganze drei Monate anstatt der geplanten einen Woche. Also frug ich ihn, ob er nicht daran interessiert sei, mit mir ein paar Songs auszuarbeiten. Er stimmte zu und es war dann gegen Ende Mai, die Songs waren noch nicht ganze fertig komponiert und "Cloven Hooves" verdiente noch nicht einmal die Bezeichnung ein Song zu sein, als er wieder zurück in die Staaten musste. Somit nahm er die Drums in einem fünftägigen Gewaltakt auf, bevor er wieder runter flog. Von Juni bis Oktober arbeitet ich an den Gitarren- und Basslinien. Ich wäre ganz sicher schneller fertig gewesen, wenn ich nicht zwischenzeitlich den "Criterion Channel" abonniert hätte. Nichts ist fesselnder als ein japanisches 50er Jahre Bordelldrama! Den gesamtem November über schrieben Nick und ich an den Texten und nahmen den Gesang auf. Der Mix erfolgte dann im Dezember. Danach unterschrieben wir bei Iron Shield Records und nun sitzen wir hier und führen dieses Interview. Ich denke, ich werde diesen Abschnitt Copy&Paste-mäßig für künftige Interviews aufbewahren.

Hört man sich "Antioch V" an, fallen natürlich unmittelbar die starken JUDAS PRIEST und ACCEPT Einflüsse auf. Welche Bands haben dich als Musiker darüber hinaus beeinflusst und wie ist dein persönlicher Werdegang als Musiker?

Jordan: Neben den beiden von dir genannten Bands, die unseren Sound natürlich massiv beeinflusst haben, kann ich noch IRON MAIDEN, HAMMERFALL, MANOWAR, KING DIAMOND und BLUE OYSTER CULT nennen. Das scheinen so ziemlich die Bands zu sein, die uns alle hier bei ANTIOCH gleichermaßen beeinflusst haben. Es ist witzig, dass Du ACCEPT ansprichst, denn die habe ich imgright in den letzten Monaten eigentlich gar nicht gehört, dafür aber jede Menge U.D.O., das hat ganz sicher den ein oder anderen Song beeinflusst. Was unseren eigenen musikalischen Hintergrund angeht? Nun, Nick hat eine klassische Ausbildung an der Klarinette während Brandon, seitdem wir JUDAS PRIEST 2005 zum ersten Mal live gesehen haben, Drums spielt. Ich war in der sechsten Klasse ganz gut am Schlagholz (Was zum Teufel ist denn das? - Tailgunner), also es geht eigentlich kontinuierlich bergab mit uns.

Eine andere Sache, die recht offensichtlich ist, wenn man sich "Antioch V" anhört, ist der Umstand, dass die Songs sehr abwechslungsreich und kurzweilig sind. Da ist etwa eher konventioneller Stoff wie 'On A Ledge' mit seinen mächtigen und eingängigen Hooklines, gefolgt von 'A Facade At The Third Castle', welches sich durch komplexere Strukturen und interessante Tempowechsel auszeichnet. Die gesamte Platte ist wirklich ausgesprochen unterhaltsam und spannend. Man merkt, dass alles sehr sorgfältig durchdacht und mit viel Liebe zum Detail arrangiert ist. Was genau ist dir wichtig, wenn du neue Stücke schreibst? Worauf legst du besonderen Wert?

Jordan: "Sorgfältig durchdacht", "Liebe zum Detail". Jetzt versuchst du uns aber zu schmeicheln. Aber hey, es funktioniert! Nach vier Alben haben wir mittlerweile ein gutes Gespür dafür entwickelt, wie die Dinge laufen und unsere Alben klingen sollen. Ohne jeden Zweifel würden wir einiges im Nachhinein an den älteren Alben ändern. Das betrifft Dinge wie, dass uns bestimmte Songs nicht mehr schnell genug sind oder Störgeräusche den Hörgenuss trüben. Aber es stimmt, für das neue Album war es mir sehr wichtig, dass jeder Song auf seine eigene Art abwechslungsreich und unterhaltsam ist. Vielleicht haben wir das hinbekommen, vielleicht sind wir daran auch komplett gescheitert. Jedenfalls hat ein Song für uns keinen Wert, wenn er keine spannenden Hooklines und Gitarrenmelodien aufweist.

Warum ist es diesemal nur "V"? Ihr habt alle eure Alben durchnummeriert, aber hier ist es zum ersten mal ohne Titel.

Jordan: So ist es ja nicht. Es heißt "Antioch V". An irgendeinem Punkt, als wir bereits alles aus den Händen gegeben hatten, nahm jemand das "Antioch" vom Promo-Zettel. Also für die Akten: Wir benennen alle unsere Alben "Antioch (Insert number): (insert title)". Wir halten das wie bei Filmtiteln. Etwa "Bloodsport", gefolgt von "Bloodsport 2: The Next Kumite". So in etwa. Jedenfalls sehen wir "Antioch V" auch eher als EP, aber irgendwann hat irgendwer irgendwo die entsprechende Informationen falsch gelesen oder nicht verstanden. Nun haben bereits einige Reviews "Antioch V" als volles Album vorgestellt. Ich hab echt keine Ahnung, welche Presseinformationen ihr bekommen habt, aber die, welche ich gelesen habe, sprachen klar von einer EP. Letztendlich ist uns das auch egal. Wichtig ist, dass die Scheibe jetzt bald veröffentlicht wird. Und das bringt uns zu der Frage zurück, warum die Scheibe keinen Titel hat. Ein Grund ist, dass wir uns auf keinen einigen konnten. Der andere, dass wir unseren EPs keine Titel geben möchten, das haben wir bei der Debüt-EP ja auch so gehalten, die einfach nur "Antioch" hieß. Wenn die nächste Veröffentlichung wieder eine EP wäre, dann würde sich ebenfalls schlichtweg "Antioch VI" heißen. Wird es ein Album, dann wird es möglicherweise "Antioch VI: Tea" oder "Antioch VI: All In The Mix" heißen. Verdammt, die Idee mit "Tea" klingt jetzt zu gut, um sie nicht zu verwenden.

"Antioch V" sprüht nur so vor Energie. Bist du ein Mensch, der ebenso hochenergetisch ist und das entsprechend in der Musik kanalisieren muss, oder bist Du eher der Jekyll & Hyde-Typ, der abseits der Musik ein völlig in sich ruhender Mensch ist?

Jordan: Puh, da bin ich ich mir jetzt gar nicht so sicher, da fragst du besser die anderen Jungs. Möglicherweise würden sie dir aber sagen, dass ich ziemlich energiegeladen bin.

Eine letzte Frage möchte ich dir noch stellen, und du solltest sie imgleft selbstverständlich nicht ganz ernst nehmen. Wenn dich also jemand auf die berüchtigte einsame Insel verbannt und dir dabei die Wahl lässt, entweder deine ACCEPT oder JUDAS PRIEST Alben mitzunehmen, wie fällt deine Entscheidung aus?

Jordan: Also von allen bisherigen Fragen nehme ich diese aber jetzt mit großem Abstand am meisten ernst! ACCEPT. Und zwar aus folgendem Grund: Wenn erst einmal die Solarpanele hinüber sind, oder welche Energiequelle ich sonst auch immer habe, ist es vorbei mit der Musik. Und da ich sämtliche PRIEST-Songs im Schlaf summen kann, wäre das die perfekte Gelegenheit, mich noch einmal intensiv mit dem 90er Alben von ACCEPT zu beschäftigen. Mit denen habe ich mich noch nicht ausreichend auseinandergesetzt.

Jordan, vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Haltet euren Metal-Spirit hoch und dir und deinen Kollegen weiterhin alles Gute! Bitte nutze doch die Gelegenheit und gib den Leuten hier in Europa noch etwas mit auf den Weg. Die Bühne gehört dir!

Jordan: Tailgunner, es war mir eine Freude und danke für das Interview. An alle Wahnsinnigen da draußen: "Antioch V" ist JETZT via Iron Shield Records draußen und in vielen Onlineshops und natürlich auch digital zu haben. Bitte checkt auch unsere Bandcamp-Seite, wo ihr unsere alten Veröffentlichungen ebenfalls digital erwerben könnt. Damit helft ihr uns unmittelbar, so dass wir "Antioch VI: Tea" bald realisieren können!

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