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Interview mit Helle von Ignea

Ein Interview von Opa Steve vom 08.08.2020 (2133 mal gelesen)
Sängerin Helle plauderte mit Bleeding4Metal darüber, wie es ist, während der Corona-Pandemie ein neues Album auf den Markt zu bringen.

Hallo Helle, danke, dass du für Bleeding4Metal etwas Zeit hast. Zuerst - bitte entschuldige, falls du das Thema nicht mehr hören kannst - möchte ich wissen, ob es euch und den Familien in dieser verdammten Covid-19-Pandemie gut geht?

Helle: Hi! Danke, dass ihr uns in euer Magazin nehmt! Seit Beginn der Pandemie geht es den Bandmitgliedern und unseren Familien völlig OK, was natürlich großartig ist, wenn man die Umstände berücksichtigt. Selbstverständlich gibt es einige Lebensbereiche wie unsere Jobs, die davon betroffen sind. Aber insgesamt war unsere Situation nicht so hart wie an manchen anderen Orten der Welt. Und wir hoffen, dass diese Pandemie auch bald vorbeigeht.

Das ist aktuell vermutlich nicht der beste Moment, ein neues Album rauszubringen, denn alle Menschen sind aus ihrer Routine gerissen und Festivals wurden gecancelt. Einige sorgen sich um die wirtschaftliche Lage und ihre Jobs, andere um ihre Gesundheit. Wie fühlt sich das an, nun zu veröffentlichen und wie waren die Reaktionen?

Helle: Wir haben sehr lange an diesem Album gearbeitet und es wurde zu 100% von unseren Fans finanziert. Wir waren der Meinung, dass wir es trotz der Pandemie nicht verschieben können. Das wäre unfair gegenüber unseren Hörern und Unterstützern. Ich glaube auch, dass niemand erwartet hätte, dass dieses Virus so ernstzunehmen sei und die Welt so verändert. Wir haben das Album angekündigt und die Pre-Orders genau eine Woche vor Grenzschließung eröffnet. Es gab buchstäblich keinen Weg zurück. Was schlecht für uns war, ist, dass das Merch wegen der Pandemielage extrem verzögert wurde. Auch hatte die Post erst im Frühjahr nach einigen Unterbrechungen wieder gearbeitet, daher war das ganz schön stressig für uns. Wie auch immer, ich muss sagen, dass das Release sehr erfolgreich startete. Wir haben viele Vorbestellungen vom Album und Merch erhalten, großartiges Feedback und Unterstützung. Gelitten hat vor allem das Touren.

Inwiefern wurden Pläne durchkreuzt?

Helle: Gerade jetzt sollten wir auf Tour mit einer ziemlich bekannten Band sein. Ich hoffe, dass diese Tour auf 2021 verschoben werden kann. Wir hatten auch eine große Tour für November geplant. Da aber einige Bands dieses Line-ups aus den USA kommen, wo die Lage besonders schlimm ist, wurde diese auch schon auf Frühjahr 2021 verschoben. Bislang haben wir zwei Solo-Shows für Finnland im Dezember gebucht, und wir drücken mal die Daumen, dass das stattfinden kann. Alles in allem ist es ziemlich verheerend, im Jahr eines Albumreleases nicht auf Tour gehen zu können. Wir hoffen wirklich, dass wir das nächstes Jahr kompensieren können, aber das hängt von der Pandemie, offenen Grenzen und den gültigen Eventbestimmungen ab.

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Wie waren denn bislang die Reaktionen auf das Album?

Helle: Es wurde von unserer Fanbase sehr gut angenommen und brachte uns auch viele neue Hörer. Die Reviews der Medien sind gemischt, weil sie von uns erwarten, irgendein bestimmtes Genre abzudecken, aber das ist nicht unser Ding. Wir vermischen viele Dinge, wir experimentieren, und auf diesem Album wirst du alles finden: Von einer akustischen Disney-Ballade bis zu symphonisch angeschwärztem Death Metal. So gaben uns zum Beispiel die Prog-Rezensenten die höchsten Punktzahlen.

Ihr habt wieder orientalische Einflüsse auf "The Realms Of Fire And Death" eingebaut. Ich denke, das ist ja nicht die traditionelle ukrainische Musik, daher frage ich mich, woher diese Einflüsse kommen?

Helle: Es sind diesmal weniger orientalische Melodien auf dem Album als auf dem Vorgänger. Aber wir haben sie natürlich hier oder da. Unser Keyboarder und Komponist Evgeny steht total auf die Melodien und Instrumente des Mittleren Ostens. Er findet sie einzigartig und faszinierend, und da stimme ich mit ihm überein. Wir selbst haben keine orientalischen Wurzeln, was aber nicht heißt, dass wir so etwas nicht spielen können, gell?

Kannst du uns etwas über das Textkonzept dieses Albums verraten?

Helle: Dieses Album erzählt die Geschichten über Feuer und Tod aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich habe ein Buch mit Kurzgeschichten geschrieben (erhältlich im Store auf www.ignea.band), welches zu verstehen hilft, was auf dem Album passiert. Es gibt drei hauptsächliche Handlungsstränge, und jede Geschichte besteht aus drei Songs. Zum Beispiel erzählen die letzten drei Songs 'Gods Of Fire', 'Jinnslammer' und 'Disenchantment' eine Geschichte: Die Menschen beten die Götter des Feuers an, ihnen die Flamme zu schenken, aber dann verwenden sie diese, um sich gegenseitig umzubringen anstatt es warm und sicher zu haben. Später ersetzten sie Feuer durch Elektrizität. Und die Götter des Feuers waren der Menschen überdrüssig und verließen sie.

Wir haben uns letztes Jahr in Siegburg während der "Female Metal Voices Tour" mit KOBRA AND THE LOTUS und anderen getroffen. War das euer erstes Mal in Deutschland oder habt ihr schon öfter hier gespielt?

Helle: Diese Show haben wir sehr genossen! Wir waren aber schon mal in Deutschland. Von allen europäischen Ländern haben wir vermutlich in Deutschland am meisten gespielt.

IGNEA war damals die zweite Band auf der Bühne und die Produktion war recht klein. Du hast dir später am Merch viel Zeit für die Fans genommen und ich bekam den Eindruck, dass bei euch alles nach dem DIY-Prinzip abläuft, was euch die Kontrolle und die Planungen in eigenen Händen lässt. Liege ich da richtig?

Helle: Wenn du fünf Bands auf Tour hast, kann man unmöglich jeder eine große Produktion zugestehen, denn das würde einfach zu lange dauern. Auch ist die Bühne in Siegburg relativ klein. Wir sind nach Gigs immer am Merch und nehmen uns für die Besucher Zeit. Und wir beantworten auch alle Kommentare, Mails und Nachrichten, die wir kriegen. IGNEA ist in der Tat eine DIY-Band, aber was uns von anderen DIY-Künstlern unterscheidet, ist unser Maßstab. Wir haben sehr viele Follower, ein großes Merch-Sortiment, Umsatz, eine Wachstumsstrategie und so weiter.

Ihr investiert auch viel in euren YouTube-Kanal und Social Media, aber auf blabbermouth.net steht nichts über euch. Glaubt ihr, dass das an eurem Newcomer-Status liegt, oder ist die westliche Metal-Welt an osteuropäischen Bands nicht genug interessiert?

Helle: Wenn du Blabbermouth oder vergleichbare Medien nimmst, wirst du sehen, dass sie vor allem große Namen und große Labels abdecken. Es gibt Ausnahmen, aber vielleicht 1%. Wir sind eine Independent-Band und ohne Vertrag. Und unser Plan sieht einfach anders aus. Ich glaube, dass unsere Follower auf Social Media, Patreon und unsere Verkäufe für sich selbst sprechen. Wir brauchen nicht den Beweis durch eine bestimmte Anzahl von Artikeln, weißt du. Wir sagen nicht, dass wir niemals bei einem Label unterschreiben würden oder nicht in Metal-News aufgeführt werden wollen. Aber ich glaube nicht, dass darin allein der Schlüssel zum Erfolg liegt.

Auf der "Female Metal Voices Tour" kaufte ich das "The Sign Of Faith"-Album und merkte später, dass dieses hier sehr schwer zu bekommen ist. Da ich mit eurem Material schon vertraut war, war ich gespannt auf das neue Album. Mir ist aufgefallen, dass beide Scheiben eine sehr gute Produktion haben. Wie habt ihr das hinbekommen, wer war alles involviert, und wie zufrieden seid ihr selbst?

Helle: Wir arbeiten seit 2013 mit dem gleichen Sound-Engineer auf allen Scheiben. Es ist Max Morton, dessen Sound du auch bei JINJER und anderen hören kannst. Den Produktionsprozess nehmen wir sehr ernst, denn auch als Independent Band sollte man nicht mit schwachem Sound um die Ecke kommen. Dazu, wenn du bei einem Label bist, kümmern die sich um den Vertrieb. Dieses Jahr haben wir mit einem Vertrieb aus Portugal gearbeitet, der unsere neue Scheibe in die Läden der Benelux-Länder, Großbritannien, Japan, Schweden und so weiter gebracht hat, genauso wie in Online-Stores wie Season Of Mist. Wir sind nach wie vor unabhängig, aber haben uns diesbezüglich auf einen neuen Level gehoben.

Beiden Alben ist gemeinsam, dass jedes eine Coverversion enthält. Ist das Zufall, oder möchtet ihr das auf den kommenden Alben so fortführen?

Helle: Wir machten die Coversongs nicht, um welche zu haben, sondern weil sie uns beim Hören angesprochen haben. Vielleicht wiederholen wir das wieder, wenn es einen Song gibt, der unsere Herzen zum Schmelzen bringt. Aber das ist kein Muss.

Eure Coverversionen sind von skandinavischen Künstlern - zuerst ULTRA SHERRIF aus Norwegen, jetzt Eivør von den Färöer Inseln. Wie wählt ihr die Künstler aus?

Helle: Wie ich schon sagte, steckt dahinter kein Plan und wir konzentrieren uns auch nicht auf eine geografische Lage. Es ist einfach das Gefühl, wenn du einen Song hörst und bereits dein eigenes Cover dazu im Kopf hast. Dies war in beiden Fällen so.

Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten. Und ich hoffe, dass wir uns nach dem Covid-19-Wahnsinn mal wieder neben deutschen Bühnen treffen. Die letzten Worte an unsere Leser gehören dir.

Helle: Vielen Dank für deine Fragen! Ich möchte euren Lesern sagen: Lebt sicher und folgt den Vorsichtsmaßnahmen. Wascht eure Hände, benutzt Desinfektionsmittel, tragt Masken, da wo es nötig ist. Je mehr wir in dieser Richtung kooperieren, umso schneller werden wir uns bei Shows und Festivals wiedersehen. Und vergesst nicht, die Künstler zu unterstützen, die ihr liebt. Selbst wenn das finanziell nicht möglich wäre, was während dieser harten Zeiten absolut verständlich ist, denkt immer daran, dass schon ein Kommentar unter einem Beitrag des Künstlers und das Werben für seine Musik einen großen Unterschied macht.

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