Area 53 2025

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Take off: 10.07.2025 - Review (2654 mal gelesen)
Beim AREA 53 ist immer fast so wie bei FOREST GUMP und seiner berühmtem Pralinenschachtel - man weiß nie, was man kriegt. Das Line-Up stimmt immer ein bisschen nachdenklich und ist immer weit weg davon, ein Konsensprogramm zu bieten. Und auch bei Headlinern wundert man sich oft im Vorfeld - scheinbar große Namen wechseln sich mit vermeintlichen No-Names ab. Aber am Ende des Festivals gab es immer Einigkeit "Was für ein tolles Festival!". Auch heuer sind die Headliner seltsam durchmisch: W.A.S.P., GLORYHAMMER und SAXON, welche bekannterweise kurzfristig krankheitsbeding absagen mussten - Biff, wir drücken dir die Daumen - und durch BATTLE BEAST ersetzt wurden. Des einen Superstar ist des anderen Mäh. Also lassen wir uns überraschen. Auf jeden Fall ist das AREA 53 das Lieblingsfestival des Schreibers dieser Zeilen: Es gibt eine tolle Bandmischung, ein sehr gutes Gelände, extrem nette Leute an den Getränkeständen und sehr verkehrsgünstige Lage.

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Donnerstag 10.07.


imgleftDer Donnerstag ist ein Arbeitstag und daher wie jedes Jahr noch eher spärlich besucht. Und so spielen STORY OF A STRANGER, SCAREECROW NWA, LEONS MASSACRE noch vor spärlichem Besuch. Bei DARKFALL beginnt sich das Gelände langsam zu füllen und bei SOUTH OF SALEM ist es dann schon gut voll. Die Band ist ja auch schon ohne Musik sehenswert. Der Frontman Joey Draper sieht einfach nur weird aus mit seinen Tattoos und den abgefahrenen Kontaktlinsen - im Gegensatz dazu wirken die Gitarristen eher wie Punks; aber die Hauptsache ist, es wird fett gelärmt und der moderne Metal der Band gewinnt live einige an Härte. Das wird auch vom Publikum honoriert, welches sich in guter Zahl vor der Bühne einfindet. Ist auch geile Mucke, die der Fünfer dann vom Stapel lässt. Nicht optisch, aber von der Bühnenenergie her wird das aber von den nachfolgenden EVIL INVADERS noch übertroffen. Mann, wer hat denn die vom Stapel gelassen? Vor allem Sänger Jöe Anus sprüht vor Energie und Madness. auch die Thrash-Speed-Kombi der INVADERS ist ein überraschender Bringer. Die Band ist ein Highlight des Festivals, wann spielen die wo wieder? Die Band zelebriert ihre Speed-Thrash Mischung in perfektem Einklang mit melodischen Teilen. Aber am AREA 53 geht die Band auf Nummer sicher und bollert Hymnen im schnelleren Stil durch die Menge. Es gibt keine Zeit zum Verschnaufen in der von 'Siren' bis 'Sledgehammer Justice' reichenden Setlist.

imgrightWie gut das AREA 53 heuer besetzt ist, erkennt man schon daran, wie früh die WARKINGS verbraten werden. Die Krieger sind mittlerweile sehr erfolgreich und große Bühnen und vor allem spätere Slots gewohnt. Aber auch am AREA 53 lässt die Truppe nichts anbrennen (außer einer großen Zahl an Pyros) und wenn man die WARKINGS bereits ein paar mal gesehen hat, dem kommen die Songs wie 'Spartakus' oder 'Fight' schon ziemlich vertraut vor. Super Sache, denn da gibt es viel mitzusingen. Optischer und stimmlicher Aufputz ist natürlich die grandiose Morgana LeFay, die seit etwa drei Jahren als Dauergast das Line-Up komplettiert. Nicht vergessen darf man auch NPC Hephaistos, der seinen Hammer schwingt und sich durchs Publikum kämpft und während der Show Selfies macht. Immer wieder ein Spaß ist die Einladung der Band zu einem Crowdsurfing-Gang mit einem Schwimmreifen, der als "der größte Cockring der Welt" angekündigt wird. Danach folgen D'ARTAGNAN, die uns noch nicht bekannt sind. Daher wird zur Recherche schnell bei DARTAGNAN rein gehört, beim Streaminganbieter vertippt und DARTAGNON draus gemacht und HipHop/Soul gehört. Dabei spielen die richtig geschriebenen D'ARTAGNAN massentauglichen Mittelalterrock, der wohl als Stimmungsgarant zu werten ist. 'Was wollen wir trinken'- ja klar, alles was es gibt, und zwar mit Euch, sympathische Truppe. Die in großer Zahl abgefeuerten Pyros machen ja auch Durst. Wahnsinn!

imgleftHeadliner W.A.S.P. - die Band meiner Jugend - wie geil! Ich kann mich noch gut an eine Show in den 90ern erinnern, wo Blackie und Co zwei Stunden zu spät auf die Bühne gekommen sind und dafür nach 60 Minuten aufgehört haben. Und wir fanden es trotzdem geil. Auch am AREA 53 lässt er sich Zeit - eine Stimme in meinem Ohr flüstert "er fängt später an, hört dafür früher auf". Und als Blackie ankündigt, das erste Album in voller Länge zu spielen, scheint alles klar zu sein - eh klar, 40 Minuten. Doch man soll sich nicht täuschen; Nach den 40 Minuten mit Klassikern wie 'L.O.V.E. Machine', 'School Daze' und der besten Powerballade aller Zeiten, nämlich 'Sleeping (In The Fire)' kommt noch ein ordentlicher Zugabenteil, sodass W.A.S.P. das 23:00 Uhr Limit deutlich überschreiten. 'Tormentor' wird ordentlich ausgewalzt und dass die Tortur nie aufhört, bekräftigt Blackie zum Abschluss nochmals mit 'The Torture Never Stops'. Tolles, nicht allzu überladenes Bühnenbild und ein den Auftritt prägender monströser Mikroständer sind neben dem füllig gewordenen und trotzdem stimmlich in bester Form befindenden Lawless die optischen Ankerpunkte des akustisch sehr guten Konzerts. Legendenalarm! Und mit großer Zufriedenheit fällt man völlig ausgelaugt ins Bett!

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Freitag 11.07.


imgrightDer zweite Festivaltag erleidet dasselbe Schicksal wie der zweiten Teil von "Der Herr Der Ringe": zweifellos auch gut, aber der schlechteste Teil des Dreiteilers. Wie schon am Tag zuvor ist das Wetter perfekt für ein Festival: schön, aber nicht zu heiß. Das Festivalgelände zeigt sich wie immer perfekt organisiert und durch lange Getränketheken links und rechts des Publikums gibt es wirklich keine Wartezeit, wenn man dringend ein elektrolytisches Getränk braucht. Beim Essen muss man seinen Körper auf "Festival" umstellen, aber die Bratwurst ist so gut, die kann man schon mal drei Tage am Stück essen - und als Alternative gibt es ja noch die ebenso leckeren Käsekrainer. Den Beginn zur besten Käsekrainer machen SENNTUS, CROSSBONES und SILIUS. Gespannt sind wir auf die derzeit auf einem Höhenflug befindlichen VULVARINE, auch weil Sängerin Suzie Q vor kurzem die Band verlasen hat. Doch die Band zaubert eine Ersatzsängerin aus dem Hut, die ebenfalls eine Wahnsinnsstimme hat. Zudem wird die Band von einem Gastgitarristen unterstützt, was den Bandsound zusätzlich auffettet. Doch Mittelpunkt der Show sind Robin am Bass und Sandy an der Gitarre, denen man nichts von den Umbesetzungen anmerkt und die einfach sympathisch gute Laune verbreiten. Wenn man die Band schon mal live gesehen hat, weiß man, dass auch MODERN TALKING zu deren Repertoire gehört und daher wird 'Cheri Cheri Lady' auch ordentlich abgefeiert.

imgleftZu den nachfolgenden TAILGUNNER fehlt mir die Erinnerung - hängen blieb ein energiereicher Auftritt der jungen Truppe, die man auch nach dem Auftritt im Publikum antreffen konnte. Auf VARG verzichten wir überhaupt, doch danach folgt der Höhepunkt des Festivals überhaupt: Der Ex-MOTÖRHEAD-Gitarrist PHIL CAMPBELL packt seine BASTARD SONS zusammen und nimmt sie mit auf Tour, um - wie zu erwarten - MOTÖRHEAD Nummern zu spielen. Ich hatte ja nie die Gelegenheit, MOTÖRHEAD live zu sehen, aber was PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS hier abfeiern, das ist schon ein ordentliches Brett. Mit 'Iron Fist' wird das Publikum ordentlich angeheizt, woraufhin sich die Band mit 'We're The Bastards' stammgemäß vorstellt. Die Setlist ist gut durchmischt zwischen eigenen Songs und MOTÖRHEAD-Titeln. Phil Campbell Himself spielt eher stoisch, aber gut gelaunt, seine Gitarre und überlässt das Herumwirbeln seinen Mitmusikern. Vor allem Sänger Joel Peters brüllt sich die Seele aus dem Leib. Und ganz logisch: DER Bringer des Tages ist natürlich das unvergleichliche 'Ace Of Spades'. Tolle Show einer Band, die man sich auch als Headliner vorstellen könnte - vielleicht subjektiv gesehen der beste Act des Festivals.

imgrightWobei: Sehr speziell sind auch LORDI. Fast 20 Jahre ist es her, dass die Finnen den Eurovision Song Contest mit 'Hard Rock Hallelujah' gewonnen haben, und dennoch wirkt die Band frisch und unverbraucht. Dass es seitdem unzählige Besetzungswechsel gegeben hat, fällt aufgrund der unterschiedlichen Maskierungen nicht weiter ins Gewicht - aber ganz ehrlich, die Maskerade macht noch immer ordentlich was her. Vor lauter Staunen vergisst man beinahe, auf die Musik zu hören; dabei ist der traditionelle und nicht allzu heavy Hardrock ein Festival-Stimmungsgarant. Mit dem ESC-Superhit lassen sich LORDI etwas Zeit, bieten aber Spektakuläres fürs Auge - wenn Mister Lordi riesige Schwingen ausbreitet oder mit der Rauchkanone herum schießt, sorgt das schon für wohligen Grusel und Gänsehaut. Auch das ist ein Auftritt, der Lust darauf macht, die mittlerweile recht umfangreiche Diskographie der Finnen mal wieder anzutesten. Auch eine Hallentour wäre nicht schlecht. Aber nach LORDI gibt es noch den Headliner GLORYHAMMER zu bewundern. Ein quietschbuntes Bühnenbild trifft auf Speed Metal-Songs mit Texten über Einhörner. Sänger Sozos Michael sorgt in grünen Leggins und mit großen Gesten für Peter Pan-Feeling. Naja, mir ist das zu viel Theatralik, aber den eingefleischten Fans wird eine perfekt inszenierte Show geboten (die ich mir allerdings nicht bis zum Ende ansehe). Etwas müde, aber zufrieden steuert man nach diesem zweiten Festivaltag wahlweise das Nachtlager oder die After-Show-Party an.

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Samstag 12.07.


imgrightDer Samstag ist wohl der spektakulärste Tag des Festivals. Es gibt eine Warm-Up Session mit der legendären JAZZ GITTY; außerdem wird Festivalmaskottchen JESUS hoch über dem Gelände auf einen Kran gehängt; ein surreales Ereignis. Musikalisch heavy starten MORITURI in das Festival, gefolgt von VANDANDS. Völlig abgefahren erweist sich die Show von ERZSEBET, einer Black Metal Truppe aus Spanien, deren Sängerin in einem weißen Leintuch gekleidet den Auftritt beginnt, wie von Dämonen besessen eine krasse Show zelebriert und völlig von Kunstblut bedeckt den Auftritt wieder beendet. Lustig dabei ist, dass sich die Sängerin danach - wieder umgezogen - unters Publikum mischt, und dabei sympathisch und fast schüchtern wirkt. MASTIC SCUM dagegen machen es etwas leichter verdaulich und ballern ziemlich geradlinigen Death Metal ins Publikum. Die Band stammt aus Wien und hat somit eine nicht unbeeindruckende Fanschar im Gepäck, die ordentlich Stimmung macht und sich auch von leichtem Nieselregen nicht beeindrucken lässt.

imgleftWas freuen wir uns schon auf STEVE 'N' SEAGULLS! Wir konnten sie erst vor ein paar Monaten bei einem kleineren und ausverkauften Clubkonzert besuchen und ihre Banjo-Hillbilly-Interpretationen von berühmten Rock- und Metalklassikern macht richtig Laune. Wer die Band noch nicht kennt, sollte mal auf YouTube deren 'Thunderstruck'-Video anchecken. Das Video ist einfach zum Brüllen. Und auch am AREA 53 müssen Klassiker herhalten; auf dem Programm stehen von IRON MAIDEN 'The Trooper' sowie eine Reise durch die Rockgeschichte mit 'Perfect Strangers', 'Self Esteem' und natürlich 'Thunderstruck'. Das Ganze darf man nicht nur als Spaß sehen, sondern geht auch wirklich ab und ist auch musikalisch interessant. STEVE 'N' SEAGULLS sind eine tolle Liveband und ihren Mitgliedern sieht man die unbändige Freude am Musikmachen deutlich an. Danach wird aber wieder metallisch gerockt. Die Power Metal Truppe UNLEASH THE ARCHERS rund um die Sängerin Brittney Slayes spielt sich durch ihr Repertoire. Mein Fazit "Was für ein furchtbares Gejodel" stößt auf allgemeines Unverständnis; die Band wird ziemlich abgefeiert und dass die Sängerin neben der Spur liegt, mit dieser Meinung stehe ich alleine da. Gut, Songs wie 'Abyss', 'Southbound' oder 'Northwest Passage' sind schon Granaten und haben auch an den richtigen Stellen ihre Mitmachpassagen.

imgrightERZSEBET waren schon krass, aber den krassesten und düstersten Auftritt bekommt das AREA 53 von KANONENFIEBER serviert. Gekleidet in Uniformen mit vermummten Gesichtern bewegt sich die Band zwischen Schützengräben auf der Bühne und erzählt Geschichten, die den ersten Weltkrieg wieder auferstehen lassen. Die Band greift dabei tief in die Effektkiste, mal prasseln Feuersäulen über die Bühne oder schneit es bei einem Song über den Winter im Krieg - die Musiker frieren dazu und dem Publikum läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Da tut es irgendwie dem Gemüt gut, dass danach mit KORPIKLAANI eine Spaßkapelle folgt. Ich gebe es zu: ich habe KORPIKLAANI schon oft live gesehen, kann dennoch keinen einzigen Song benennen, finde deren Auftritte aber stets genial und die Musik einfach großartig auf einem Festival. Da stimmt alles; die gute Laune auf der Bühne überträgt sich aufs Publikum und die traditionell-stylishen Outfits unterstützen die Stimmung perfekt. Vor allem Harmonika und Geige liefern extrem spannende Akzente. Nach einem KORPIKLAANI-Konzert denke ich mir jedes mal, dass ich mich einmal eingehend mit der Band beschäftigen sollte. 'Vodka'. Es wird getanzt, gesungen, gemosht.

Wie bereits erwähnt, mussten SAXON leider absagen und vom Veranstalter wurden kurzfristig BATTLE BEAST aus dem Hut gezaubert. Und gleich sei festgehalten, dass die Band nicht als Lückenfüller auftritt, sondern eine richtig mächtige Produktion und Lichtshow auffährt. Schon zu Beginn ist die Bühne in unglaublich knalliges Rot getaucht, als die Band 'Straight To The Heart' und 'Master Of Illusion' intoniert. Sängerin Noora Louhimo hat nicht nur eine mächtige Stimme, sondern ein beeindruckendes Bühnenoutfit zum AREA 53 mitgebracht. Das ganze wäre ja zu schön, um wahr zu sein, doch plötzlich setzen Sturm und Gewitter ein, was dazu führt, dass die meisten Besucher fluchtartig Unterstand suchen. Unsereins verschanzt sich in einer der Toiletten, bis das Wildeste vorbei ist. Als wir uns nach dem gröbsten Gewitter wieder ins Freie tasten, trauen wir unseren Augen nicht: eine kleine Schar hat im strömenden Regen vor der Bühne ausgehalten und die Band zieht für diese treuen Fans ihr Programm durch, als ob es sich um eine Riesenmenge handeln würde. Daher großer Dank und Respekt gegenüber BATTLE BEAST, ihr seid großartig und habt unser Lieblingsfestival stilvoll abgeschlossen!

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Billing
BATTLE BEAST, W.A.S.P., GLORYHAMMER, D'ARTEGNAN, KANONENFIEBER, KORPIKLAANI, WARKINGS,VULVARINE, EVIL INVADERS, STEVE 'N' SEAGULLS, PHIL CAMPBELL and the BASTARD SONS und noch mehr.

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