Letzte Reviews





Festival Previews
Festival Reviews 2017
Hell Over Hammaburg 2017

ROCK HARD Festival 2017

Rockharz Festival 2017

Wacken Open Air 2017

Summer Breeze 2017

Iron Hammer Festival

Anomalie - Refugium

Review von Zephir vom 20.11.2015 (1029 mal gelesen)
Anomalie - Refugium Was sein Solo-Startschuss "Between The Light" im vergangenen Jahr versprochen hat, das hält das Ein-Mann-Projekt ANOMALIE mit seinem zweiten Silberling: Das neue Werk von Mastermind Marrok aka Christian Brauch liefert so ziemlich alles, was Post Black Metal/Depressive Rock-Fans mit Ohr und Herz begehren. "Refugium" ist zerbrechlich und stark, depressiv und verträumt, introvertiert und explosiv. War das Debüt des jungen Österreichers, den wir aus den Formationen SELBSTENTLEIBUNG und HARAKIRI FOR THE SKY kennen, schon ein strukturell gut durchdachtes und auch musikalisch überzeugend umgesetztes Werk, so beweist Marrok mit "Refugium" eine deutliche Weiterentwicklung. Schon das Artwork dürfte den Kenner der Szene ansprechen: Es stammt von Irrwisch, der unter anderem für die Kollegen FÄULNIS kreativ ist.

Opener 'In Fear Of Tomorrow' zeigt gleich in den ersten Takten, dass nun etwas mehr mit variierenden Instrumentalsounds gespielt wird. Die Akustikgitarre und die Percussion klingen lyrisch-traurig, bis der Song in herzzerreißenden Depri-Metal übergeht. Marroks Stimme hat an Volumen zugelegt, die gutturalen Shouts kommen voll und kräftig. Mit mehr Rohheit und musikalisch leicht gewalttätig geht 'Spiritual Distortion' zu Werke, allerdings offenbart sich auch hier die Mischung aus einem heavy Groove und einer zwischenzeitlich in andere Sphären entschwebenden Melodieführung, die auf den Gehalt des Songs schließen lässt: Is it all just a dream or distorted reality? / Could it be true? / Could it be real? 'Untouched Walls' sorgt mit einem kurzen Industrial-Intro für positive anfängliche Irritation. Das Sampling der desperaten Schreie, entrückt hinter den treibend-aufpeitschenden Drums, übernimmt in kongenialer Folge. Apropos Drums: hinter denen sitzt sessionweise Lukas Schlintl (Drummer bei SELBSTENTLEIBUNG und bei den Pagan Metallern BIFRÖST); den Bass spielt Thomas Dornig (bei Auftritten von HARAKIRI FOR THE SKY live dabei).
Die Dichte des Arrangements, die Stimmigkeit der Mischung überzeugt. Und so ist es auch keine Überraschung zu erfahren, dass hinter Aufnahme, Mixing und Mastering kein Geringerer steht als der Musiker und Produzent Markus Stock (aka Ulf Theodor Schwadorf, EMPYRIUM, THE VISION BLEAK).

'Between Reality And The World Beyond' ist grooviger Depri-Rock mit Metal-Blast, der all jenen gefallen wird, die HARAKIRI FOR THE SKYs zweites Album "Aokigahara" (2014) gern hören. Der Songtitel spricht für sich und bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. 'Solace' haut stimmungsmäßig in die gleiche Kerbe, schreddert aber mehr, und die Vocals gewinnen zunehmend an Höhe, ohne zu screamen. Prügelt man sich den Song bis zum Ende rein, wird man schlussendlich von einem Gitarrenduett abgeholt, das leise ausfadet und in das sanftere 'Leaving Somnia' überführt. Hier kommen erzählend-gesprochene Vocals zum Einsatz; ein bisschen erinnert die Atmosphäre an THRAENENKINDs "The Elk" (2013) - wer in dieser Sparte unterwegs ist, sollte 'Leaving Somnia' auf jeden Fall eine Chance geben.

Ein Ausreißer scheint 'Freiflug 48° 23´ N, 16° 19' O': Wir bewegen uns geographisch betrachtet nach Österreich, was nicht weiter verwundert; tongeschlechtlich betrachtet wandeln wir nun in Dur, was durchaus ungewöhnlich ist bei ANOMALIE. Das beschwingte Metrum und seine perkussive Umsetzung könnten ALCEST zu Zeiten von 'Tir Nan Og' (auf "Souvenirs D’Une Autre Monde", 2007) komponiert haben. Dabei muss klargestellt werden: Das neue Album von ANOMALIE ist keineswegs ein Potpourri aus den hier vergleichsweise herangezogenen Werken. Diese mögen lediglich der Orientierung dienen, womit der Hörer es auf "Refugium" zu tun hat. Zum Abschluss pustet uns der Titeltrack 'Refugium' das Hirn aus den Köpfen, mit fast 11 Minuten der längste Song des Albums, der thematisch übrigens auch an den vorangegangenen 'Freiflug' anknüpft: I am not gone forever, / I just break free!

Was bleibt nun noch zu sagen? Wo "Between The Light" sich vielversprechend, aber noch etwas juvenil vortastete, da ballert nun mit "Refugium" ein gereiftes Werk aus den Boxen, das bis ins Knochenmark stimmig ist: es hat Druck und Tiefe, Groove und Blast, und auch die Träumerei und die Melancholie kommen nicht zu kurz. Zu kritisieren bleibt vielleicht, dass die Lyrics hier und da noch etwas ungeschliffen daherkommen. Das tut der Wirkung des Gesamtwerks aber keinen Abbruch, weswegen als einziger, wirklich gewichtiger Kritikpunkt festzuhalten bleibt: Das Album ist viel zu schnell vorbei.

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. In Fear of Tomorrow
02. Spiritual Distortion
03. Untouched Walls
04. Between Reality and the World Beyond
05. Solace
06. Leaving Somnia
07. Freiflug 48° 23´ N, 16° 19’ O
08. Refugium
Band Website: www.facebook.com/The.Anomalie.Experience
Medium: CD
Spieldauer: 52:15 Minuten
VÖ: 20.11.2015

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten



Reviews

08.03.2014 Between the Light(7.5/10) von Zephir

20.11.2015 Refugium(8.5/10) von Zephir

19.03.2017 Visions(9.5/10) von Zephir

Interviews

09.04.2014 von Zephir

Album des Augenblicks
Volltextsuche
Schaut mal!