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Ctulu - Seelenspiegelsplitter

Review von Zephir vom 20.10.2013 (1576 mal gelesen)
Ctulu - Seelenspiegelsplitter Göteborger Black Metal mit Melodic-Toupage - diese Beschreibung klingt ebenso kategorisch wie der Bandname, der offensichtlich H. P. Lovecrafts hauseigenen, mittlerweile in geistig nicht gemein-, aber scheinbar vogelfreier Schusslinie befindlichen Parademythos mit vereinfachter Schreibweise zitierfähig macht. Je nun, ich habe ein Faible für musikalische Adaptionen literarischer Motive, solange Letzteren dadurch keine Gewalt angetan wird. Der Herren CTULU kann ich mich allerdings trotz unser beider Anwesenheit auf dem Ragnarök Festival 2011 nicht entsinnen. Das dritte Vollzeitalbum "Seelenspiegelsplitter" gibt mir also Gelegenheit, die Delmenhorster neu und unvoreingenommen kennenzulernen.

Der sorgfältig zusammengeschraubte Albumtitel ist jedenfalls schon mal ein dolles Konstrukt, durch das man sich erst einmal durchlesen muss. Ähnlich manieristische Wortungetüme wie 'Amokkoma' oder 'Bleichenblass' lassen mich stutzen, klingen sie doch beinahe wie eine Parodie auf die gewollte Düsterlyrik diverser Gothic-Kollegen. Die ersten Takte lassen eine okkulte Zusammenkunft im nächtlichen Waldesdunkel assoziieren. Mit dem so eingeleiteten Opener namens 'Seelenbrand' (wie viele Liedtitel der Weltgeschichte mögen so heißen?) bewegen wir uns aber zunächst einmal auf dem Feld des leicht harmonisch auffrisierten Schwarzmetalls. Das 'Amokkoma' ist trügerischer Schein mit seiner ruhigen, ziemlich synthetischen Eröffnung; nach einigen schwer stapfenden Drumschritten schrammeln die Jungs gleich wieder richtig los. Gitarre schrammeln und dabei Singen tun übrigens gleich zwei der Bandmitglieder: Mathias Junge an der Lead- und Arne Uekert an der Rhythmusgitarre. Dass die Vocals teilweise mehrstimmig über den Background verlegt sind kommt ziemlich gut, wie auch die gesangliche Qualität überhaupt - die Stimmen und die Abmischung überzeugen.

Hier und da blitzen verspielte Extrafeatures durch, die die imaginäre Kreativität des Hörers kräftig herausfordern. 'Im Widerlicht' beispielsweise lässt zwischendurch einen Sound ertönen, der klingt wie eine Nintendo-Laserkanone. Ist das ein C64? Wie auch immer, so eine Waffe macht sich gut so mitten im Black Metal-Gefecht! Dann, 'Durch Sturmbruch Corridore' (was immer das sein mag): Eine Harfe. Schritte. Atmen, schweres Atmen. Keuchen. Au weia, hier passiert was. Nur was? Ist hier jemand auf der Flucht? Vor wem? Vor was? Vor der Laserkanone? Ein großartiges Intermezzo! Wieder kräftig an Tempo zugelegt wird mit 'Bleichenblass' das eher schwarz als blass ertönt. 'Tornasuk' beginnt wieder wie ein archaischer Stammesritus, von dem Sound könnte das Album ruhig auch noch etwas mehr vertragen. Tornasuk ist übrigens eine Inuit-Gottheit aus der Unterwelt und der Songtitel damit leichter erklärbar als manch anderer auf "Seelenspiegelsplitter".

'Tiara aus Phobien' ist balladesker mit verstärktem Cleangesang, ohne dem heimischen Genre abtrünnig zu werden. 'Serenadenhallen' schließlich hat wieder einen paganen Einschlag, der ja traditionell eine gute Mischung mit dem Black Metal abgibt. Die mittendrin melodisch losjaulende Gitarre ist wieder so ein irritierendes Schmankerl, derer CTULU ja gerne einige einzubauen scheinen.

Alles in Allem überzeugt das Album durch kompositorische und stimmliche Qualität sowie eine gesunde Mischung, was die Stile und die Technik anbelangt. (Nur "verderben" auf "sterben" reimen sollte heute niemand mehr müssen.) Wen übrigens der lange Albumtitel beunruhigt, der darf nach einigem Nachdenken erkennen: Es ist nicht die Seele, die zersplittert. Es ist nur ihr Spiegel.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Seelenbrand
02. Amokkoma
03. Im Widerlicht blutbefleckter Spiegel
04. Durch Sturmbruch Corridore
05. Insigna Dagonis
06. Bleichenblass
07. Tornasuk
08. Flammengestirn
09. Tränenfinsternis
10. Tiara aus Phobien
11. Serenadenhallen
Band Website: www.ctulu.de
Medium: CD
Spieldauer: 63:53 Minuten
VÖ: 04.10.2013

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