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Vinyl oder CDs - was ist besser?

Ein Artikel von T.Roxx vom 23.01.2019 (334 mal gelesen)
Seit einigen Jahren ist es ja genreübergreifend wieder en Vogue, Musik auf Schallplatten zu sammeln. Mit dem Vinyl-Revival ist auch eine alte Diskussion wieder aufgeflammt, die sich mit der Frage auseinandersetzt: Was ist besser, Vinyl oder CD/MP3? Mit dieser Frage will ich mich in diesem Special mal ein wenig auseinandersetzen und versuche, dabei so emotionslos wie möglich vorzugehen und dabei auch nicht mit allzuviel drögen technischen Informationen zu langweilen. Zum Hintergrund: Mittlerweile sammle ich seit ca. drei Jahren wieder Vinyl-Schallplatten; in den 90er Jahren habe ich jedoch - wie viele andere auch - meine Musiksammelleidenschaft von Vinyl auf CDs umgestellt. CDs waren einfach praktischer, denn ich konnte sie im Auto hören. Das geliebte (und zuweilen auch gehasste) Kassettendeck verschwand sukzessive aus den Automobilen und wurde flächendeckend durch CD-Spieler/-Wechsler ersetzt. Damit sind wir schonmal bei einem deutlichen Pluspunkt für eine CD, denn eine Platte kann man nicht im Auto abspielen. Im Laufe der letzten Jahre wurde jedoch auch der CD-Spieler im Auto immer überflüssiger, da die Autos mittlerweile größtenteils die Möglichkeit haben, mittels USB-Anschluss einen MP3-Player oder einen USB-Stick an die Audioanlage anzuschließen. Wunderbar: Darauf kann man dann unendlich viel Musik draufpacken und man hat wieder ein bisschen den Effekt aus den 80'er Jahren, wo man die mit Liebe (von LP aufgenommenen) Mixtapes ins Kassettendecks des Autos geschoben hat. Irgendwann hatte dann bei mir die MP3 die CD weitestgehend verdrängt, da MP3s im Gegensatz zu CDs und Platten gar keinen Lagerplatz in der heimischen Behausung benötigten. Damit sind wir dann beim zweiten Pluspunkt für die CD: Eine Platte braucht wesentlich mehr Platz als Vinyl, das kann wohl niemand abstreiten. Wer bis hierhin aufmerksam mitgelesen hat, stellt fest: bisher 2:0 für die CD.

Aber das Vinyl holt auf, denn es kann bei den Punkten Haptik und Optik punkten - niemand wird wohl in Frage stellen wollen, dass gerade die Cover unserer so geliebten Metal-Musik auf Platte wesentlich besser zur Geltung kommen als auf CD, oder? Und das es schon irgendwie ein anderes Gefühl ist, eine Platte herauszunehmen und aufzulegen, als eben eine CD, steht wohl auch außer Frage. Die Punkte für Haptik und Optik gehen damit beide an das Vinyl - somit Gleichstand. Beim Thema Haptik sind wir automatisch beim dem Thema Verpackung. Jeder CD-Besitzer kennt das: Im Fachmarkt gerade das neue Album der Band XY gekauft und zuhause direkt mit zittrigen Händen das Jewelcase von der Einschweißfolie befreit - doch Obacht! bei zuviel Hektik und Einsatz leichter Gewalt passiert es gern, dass das Jewelcase beschädigt wird und man plötzlich zwei Einzelteile (Front und Rücken) in den Händen hält - das Jewelcase lässt sich dann nicht mehr wirklich öffnen und schließen, weil man natürlich eine Ecke des "Gelenks" (was beide Teile zusammenhält) abgebrochen hat. Gut, eigene Blödheit, da kann der Hersteller von Jewelcases ja nix für, kann man zurecht sagen. Aber es lauern noch andere Tücken: Selbst wenn man die CD unfallfrei von der Einschweißfolie befreit hat, kommt es nicht selten vor, dass einem nach dem Öffnen der CD-Hülle der Innenring - der die CD im Jewelcase hält - entgegenrieselt und die CD aus der Hülle rutscht und auf den Boden fällt; im schlimmsten Fall bekommt die CD damit schon die ersten Kratzer ab. All diese Erfahrungen habe ich bei Vinyl bisher nicht gemacht, daher geht dieser Punkt deutlich an die geliebte Schallplatte, die somit in Führung geht (CD 2 - Schallplatte 3 Punkte). Bleiben wir noch kurz beim Thema Verpackung, denn als umweltbewusster Musikliebhaber muss man sich natürlich auch um das Thema Nachhaltigkeit Gedanken machen. Da die Jewelcases komplett aus Kunststoff sind und selbst Digipaks nicht vollständig auf Kunststoff verzichten können (remember: zerbröselte Halterung der CD), hat auch hier die CD gegenüber der Schallplatte das Nachsehen (wir blenden jetzt einmal aus, dass Schallplattenliebhaber ihre Cover natürlich noch in separate Kunststoff-Hüllen packen, um sie zu schonen - abgesehen davon tun das auch einige CD-Sammler). Somit baut die Schallplatte ihre Führung auf 2:4 aus. Bei der Nachhaltigkeit der Tonträger tun sich beide Tonträgervarianten nichts. Machen wir uns nichts vor: die Herstellung beider Tonträger ist alles andere als umweltfreundlich und der biologische Abbau der Tonträger ist aufgrund der zur Herstellung benötigten Ressourcen auch unter aller Kanone; insofern bekommt hier keiner der beiden Tonträger einen Punkt. Das nächste, womit wir uns beschäftigen sollten, ist die Empfindlichkeit und die Haltbarkeit der Tonträger. Da geht der Punkt relativ klar an die CD, die vor allem bei der Empfindlichkeit punkten kann. Denn auf einer Platte sind mal schnell kleinere (sog. "Hairlines") oder größere Kratzer, die den Hörgenuss deutlich schmälern. Auch sind Platten deutlich empfindlicher gegenüber Fingerabdrücken als eine CD. Hinsichtlich der Haltbarkeitsdauer bei beiden Tonträgern gibt es unterschiedliche Angaben - auch ich habe einige CDs, die trotz guter Behandlung nicht mehr abspielbar sind (obwohl weder Kratzer noch Fingerabdrücke auf dem Rohling sind). Umgekehrt habe ich aber "Uralt"-Vinyls, die sich noch einwandfrei abspielen lassen. Insofern würde ich jedoch den Punkt für Empfindlichkeit des Tonträgers an die CD vergeben wollen, da dieses Medium unter dem Strich unempflicher ist, als die Schallplatte. Jetzt steht es 3:4 für das Vinyl.

Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich alle objektiven Merkmale miteinander verglichen (gut, den Preis hätten wir vielleicht auch, aber das lässt sich schwer vergleichen, da die Preise für beide Tonträger sehr großen Schwankungen unterliegen). So langsam nähern wir uns also unweigerlich dem, was die Gemüter immer wieder erhitzt - dem Soundverhalten:
Zunächst ist es aus meiner Erfahrung her vollkommener Unfug, dass nahezu jede neue Schallplatte auf "audiophilem 180 gr. Vinyl" gepresst wird. Die Soundqualität dieses Vinyls ist m.E. kein bisschen besser. Die Vorteile von schwerem Vinyl liegen eher darin, dass dieses Vinyl etwas unempfindlicher ist, als das Vinyl der alten, hauchdünnen Scheiben. Aber klanglich merke ich da keinen Unterschied.

Was "besser" klingt (Vinyl oder CD) lässt sich generell nicht so einfach beantworten, denn das hängt von vielen Faktoren ab und zwar zuallererst von der Produktion, sprich der Aufnahme des Songmaterials. Machen wir uns nichts vor, besonders in unserem Genre haben wir zum Einen eine Entwicklung hin zu einer (voll-) digitalen Produktion, verbunden mit einem Loudness-War, der seinesgleichen sucht. Hinzu kommt, dass für Vinyl aus verschiedenen Gründen ein spezielles Mastering durchgeführt werden muss, wenn man die durchaus bestehenden Nachteile einer Schallplatte eliminieren und die Vorteile einer Schallplatte nutzen will. Da die meisten Bands/Label aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch das Thema Kostenminimierung im Fokus haben, fällt ein extra Vinyl-Mastering aus (oder eben ein spezielles CD-Mastering, je nachdem, wo die Vorlieben des Künstlers liegen). Das hat zur Folge, dass die meisten der aktuellen Vinylproduktionen genauso bis schlechter klingen als eine CD. Wenn im Studio schon die Signale direkt in einen PC gejagt werden (ProTools lässt grüßen), kann man nicht erwarten, dass ein analoges Medium Vorteile bringt, wenn man digital erzeugte (und damit schon komprimierte) Töne abspielt - ich glaube, dafür muss man auch keine Physik studiert haben. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. SATYRICON's "Age Of Nero" z.B. wird auf CD im Auto oder auf der Stereoanlage bei mir zuhause ab einer gewissen Lautstärke extrem unangenehm, da die Bässe dieses Albums, sagen wir mal, "überpräsent" sind. Die Vinyl-Version des Albums kann ich jedoch problemlos bis zum Anschlag aufdrehen - danach bin ich zwar möglicherweise taub, aber immerhin treiben mich die Bässe nicht in den Wahnsinn. In diesem Beispiel hat der Künstler also ganz offensichtlich mehr Wert auf die Vinyl-Produktion als auf die CD-Produktion gelegt, was aber aus nachvollziehbaren Gründen eher die Ausnahme als die Regel ist. Also muss ich leider sagen, dass hier - nüchtern betrachtet - in den meisten Fällen die CD die Nase vorn hat - damit gleicht die CD noch zum 4:4 aus.

Anders sieht es allerdings mit Scheiben aus, die damals mal für Vinyl (und Kassette) aufgenommen wurden und bei der die Aufnahme auch analog vorgenommen wurde (in den 80ern und frühen 90ern war noch nix mit ProTools und so). Diese Aufnahmen klingen in der Tat ganz anders und (meiner Meinung nach) deutlich besser, als die "digital Remasterten" CD's und vielfach - und das ist ganz wichtig - als die Vinyl-Nachpressungen. Denn beim Remastern der Ursprungsbänder für die CD geht schon einiges von der alten Klangfülle verloren, bzw. gewisse Frequenzen werden einfach "glattgebügelt". Bei Vinyl-Neuaflagen wird häufig (sicher nicht immer) das digital remasterte Master (also der CD-Master) als Vorlage für die neue Vinylpressung genommen, was dazu führt, dass die Neupressung auf Vinyl sehr nahe an der CD ist, aber weit entfernt von der alten Originalpressung. Beispiel sind hier die Nachpressungen der - nicht ganz so preiswerten - Originale der alten BATHORY-Alben. Die Nachpressungen klingen nicht so wie die alten Originalpressungen. Ob sie besser oder schlechter klingen, mag jeder für sich entscheiden. Ich finde, diese alten Aufnahmen (und das gilt auch für andere Bands) klingen authentischer, roher und ursprünglicher, da dort nichts "glattgebügelt" wurde.

Wenn ihr bis hierhin gelesen habt und nun erwartet, dass ich euch eine Empfehlung für das ein oder andere Medium geben kann, so muss ich euch enttäuschen, da man - wie ihr vielleicht merkt - die Entscheidung für oder gegen einen Tonträger nicht mit objektiven Maßstäben treffen kann. Allerdings gibt es ja auch die Musikliebhaber unter uns, denen es vor allem wichtig ist, die Musik zu besitzen. In diesem Falle würde mir persönlich die MP3 reichen - aber auch hier tickt jeder anders und das ist auch gut so. In diesem Sinne wünsche ich weiterhin viel Spaß mit unser aller geliebten Musik - egal auf welchem Tonträger oder in welchem Format! Falls sich jemand fragen sollte, welche Formate der Autor dieser Zeilen bevorzugt: MP3 für das Gros an Musik und Vinyl für ausgewählte Künstler - die CD hat bei mir ausgedient.

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