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Meine Geschichte zu RUNNING WILD (inkl Track-By-Track-Review von "Rapid Foray)
Ein Artikel von Eddieson vom 31.08.2016 (1801 mal gelesen)
Wir schreiben das Jahr 1992, der Schreiber dieser Zeilen war damals zarte 14 Jahre alt. Jetzt, 24 Jahre später, kann ich mich noch genau daran erinnern, wie ich in der Musikabteilung des Technik Marktes Brinkmann in der Osnabrücker Innenstadt stand, nach neuen CDs auschau hielt und mir die an der Wand hängenden Promoposter zur "Pile Of Skulls" ins Auge sprangen. Diese Farben, dieser Schriftzug und vor allem dieser Berg von Totenköpfen. Ich war damals so beeindruckt, dass ich blind das Album gekauft habe. Ich also ab nach Hause, Schulranzen in die Ecke geschmissen, zur Anlage und die CD in den Schacht geschoben. Schon 'Chamber Of Lies' hat mich gepackt und spätestens ab dem zackigen 'Whirlwind' war es um mich geschehen. Ich war RUNNING-WILD-Fan. T-Shirts und Longsleeves wurden gekauft und natürlich habe ich mich dann mit dem bis dahin bestehenden Backkatalog auch noch auseinander gesetzt.

"Gates To Purgatory", "Branded And Exiled", "Under Jolly Roger" ... alles super Alben - dann hatte ich "Port Royal" in der Hand. Auch eines dieser Alben, die damals rauf und runter liefen, auf Tape gezogen wurden und den Walkman so schnell nicht wieder verlassen haben. Wie es der Zufall wollte kamen RUNNING WILD während ihrer "Pile Of Skulls Tour" auch in die Halle Gartlage. Der Bekannte eines Kumpels hat uns damals mitgenommen. Was für eine Show! Was für eine Energie. Was ein Traum an einer Setlist:

www.setlist.fm/setlist/running-wild/1993/halle-gartlage-osnabruck-germany-4bd05b62.html

Die Ankündigung nur ca. ein Jahr nach dem Konzert auf ein neues Album ließ die Vorfreude hochkochen und auch damals hat mich "Black Hand Inn" nicht enttäuscht. Das Artwork war stark und Songs wie 'The Curse' mit dem legendären Intro, 'Soulles', 'The Privateer' oder 'The Phantom Of Black Hand Hill' sind auch heute noch zeitlos. Leider habe ich es damals dann nicht geschafft, die Band live zu sehen. Auch das folgende "Masquerade" ist für mich heute noch ein starkes Album, was natürlich auch viel mit nostalgischen Gefühlen zu tun.

Wie das Leben aber dann manchmal so spielt, habe ich RUNNING WILD danach etwas aus den Augen verloren und die musikalischen Interessen gingen in Richtung Punk/Hardcore und Death- bzw. Black Metal. So habe ich die folgenden Alben "The Rivalry", "Victory", "The Brotherhood" und "Rogues En Vogue" nie so bewusst wahrgenommen. Erst das Abschiedskonzert in Wacken habe ich mir dann wieder auf DVD angesehen und festgestellt, dass es letztendlich auch nicht so tragisch war, die letzten Alben nie bewusst gehört zu haben. Die Luft war raus.

Zwei Jahre später folgte von RUNNING WILD der Rücktritt vom Rücktritt und die bittere Enttäuschung namens "Shadowmaker" folgte. 'Locomotive' und 'Me And The Boys' erschließen sich mir bis heute nicht. Auch "Resilient" konnte mich nicht überzeugen. Also schloss ich für mich die Akte RUNNING WILD endgültig. So dachte ich zumindest.

2015 dann der Auftritt in Wacken. Eine starke Show, die viele, auch nostalgische, Gefühle in mir weckte. Nach Wacken legte ich dann wieder viele der alten Alben auf und die packten mich sofort wieder. Vor allem verbinde ich mit "Port Royal", "Pile Of Skulls", "Black Hand Inn" und "Masquerade" so viel, dass mir niemand die Freude an den Alben nehmen kann.

Dann die Ankündigung des neuen Albums "Rapid Foray". Als ich die Mail bekommen habe, sie öffnete und dieses Cover sah, war mir schon irgendwie klar, dass wird was Großes werden. Rolf hat sich gefangen und wird mich mit "Rapid Foray" nicht enttäuschen. Und so nehme ich dieses Album zum Anlass ein etwas ausführlicheres Track-By-Track-Review zu schreiben.

01. Black Skies, Red Flags
Schon gleich bei den ersten Gitarrentönen wurde ich ins Jahr 1988 katapultiert und Erinnerungen an "Port Royal" wurden wach. Der Song ist der erste auf dem Album, der das Piratenthema wieder aufgreift. Leider fehlt ein passendes Intro. Hier wurden ein paar sehr gute Arrangements zusammengestrick, die in sich stimmig sind und den Song zu einem Runden und Ganzen werden lassen. Bis auf die einzige Strophe, nach der der Song auch benannt wurde, gibt es hier keine Wiederholungen.

02. Warmongers
Ist wohl mit die härteste Nummer, die der Rolf jemmals geschrieben hat. Der Song basiert auf einem Riff, welches schon Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger in einem Song namens "Running Blood" verarbeitet wurde. 'Warmongers' ist ein starker Uptempo-Track mit einer knapp vierminütigen Doublebass. Musikalisch aggressiv passen hier Text und Musik sehr gut zusammen.

03. Stick To Your Guns
Das ist der rockende Stampfer der Platte. Keine besonderen Arrangements hier, deswegen ist das der Track, der einfach so durchläuft, ohne irgendjemandem zu schaden. Hätte man vielleicht mehr draus machen können. Einer der schwächeren Songs der Platte.

04. Rapid Foray
Der Titeltrack ist ein typischer RUNNING-WlLD-Song. Etwas holprig, alleine schon durch das Schlagzeugspiel, allerdings ist er doch sehr eingängig. Wobei man auch sagen muss, dass die "wo-oh-oh"-Parts etwas gewöhnungsbedürftig sind. Ob der Song zu Recht der Titelsong ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Thematisch ist er der zweite Song auf der Platte, bei dem es um Piraten geht. Textlich bitte nicht allzu ernst nehmen.

05. By The Rush In Your Heart
Das ist wohl der Song, an dem sich die Geister scheiden. 'By The Rush In Your Heart' ist eine typische Stadionhymne. Insgesamt sehr flach gehalten, sowohl musikalisch, als auch textlich, so dass der Song auch noch mit 5,0 Promille funktioniert. Als besondere Idee kommen hier Dudelsäcke zum Einsatz, die gut funktionieren. Ich denke, auch den Song sollte man nicht zu ernst nehmen.

06. The Depth Of The Sea (Nautilus)
Etwas durchatmen kann man jetzt mit dem instrumentalen Stück des Albums. Viele gute Ideen, die hier verarbeitet werden, das Thema Nautilus und Jules Verne werden hier gut untergebracht und mit ein paar guten Melodien versehen. Ich bin zwar kein großer Fan von instrumentalen Stücken, aber dies hier ist wirklich gut.

07. Black Bart
Das ist der dritte und letzte Piraten-Song auf dem Album. Textlich geht es Batholomew Roberts, der als der erfolgreichste Pirat der Geschichte gilt. Im oberen Midtempo gehalten ist 'Black Bart' sehr eingängig mit einigen Anleihen an "Black Hand Inn". Eine super Gitarrenarbeit, eine tolle Gesangsleistung mit einen guten Refrain machen diesen Song zu einem der stärksten von "Rapid Foray".

08. Hellectrified
Rolf setzt sich mit den modernen Medien auseinander. Eine gute Rocknummer, wie sie jedes RUNNING-WILD-Album zu bieten hat.

09. Blood Moon Rising
Für mich ein sehr düsterer Song, der eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Klar, thematisch geht es um das Symbol des Blutmondes, das für Veränderung und Katastrophen steht. Guter Refrain, der sich festsetzt.

10. Into The West
Der Song wurde ja schon auf Wacken live präsentiert, ist dort aber komplett an mir vorbeigegangen. Jetzt im Albumkontext kommt man an dem Song nicht mehr vorbei. Schönes Tempo, Gute-Laune-Melodien, die einladen, die Anlage im Auto aufzudrehen, das Fenster runterzukurbeln und Vollgas zu geben.

11. Last Of The Mohicans
Für mich der heimliche Gewinner des Albums. Eine Longtrack-Nummer, mit der man sich wohl etwas genauer auseinandersetzen muss. Wie Rolf schon in meinen Interview betonte, ist die Geschichte sehr komplex, deswegen ist auch der Song mit vielen komplex Arrangements entstanden. 'Last Of The Mohicans' steht voll und ganz in der Tradition von 'Treasure Island' und 'Genesis'

Fazit: "Rapid Foray" hat es geschafft mich wieder voll in ein RUNNING-WILD-Fieber zu versetzen. Sämtliche Alben laufen seit einiger Zeit wieder auf Dauerrotation. Was viele für nicht mehr möglich gehalten haben, hat Rolf geschafft. Mit dem neuen Album hat er wieder zurück in die Fahrrinne gefunden. Wollen wir hoffen, dass er den Kurs halten kann und auch live wieder vermehrt in Erscheinung tritt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Anmerkung noch in eigener Sache: Der Rolf ist mit RUNNING WILD seit ungefähr 40 Jahren im Geschäft, inkl. einer Pause. Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass in einer solchen Zeit auch mal Fehler passieren. Vor allem möchte ich hier auf die Geschichte mit Angelo Sasso eingehen, die leider auch heute noch immer mit RUNNIG WILD in Verbindung gebracht wird. Ich will da ganz ehrlich sein, mich nervt das. Klar ist die Geschichte dazu etwas seltsam und niemand weiß, wie es wirklich gelaufen ist. Natürlich bietet Angelo Sasso viel Potenzial zum Witze machen, aber irgendwann muss doch auch mal Schluss sein. Irgendwann ist das einfach ausgelutscht und das der Rolf auf dieses Thema etwas sensibel reagiert, finde ich durchaus verständlich. Natürlich hat er sich damit nicht mit Ruhm bekleckert, aber ihm das ewig nachzutragen finde ich nicht richtig. RUNNING WILD haben viele fantastische Alben veröffentlicht, also konzentriert euch lieber darauf, als ständig alte Geschichten auszugraben.

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