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COR - Leitkultur

Review von Stormrider vom 12.11.2017 (188 mal gelesen)
COR - Leitkultur Man kann COR nach vielen Jahren des Musizierens ja durchaus attestieren, dass sie ihre eigene Nische geschaffen haben und keiner Szene so 100%ig zugehörig sind. Dabei ist ihre Mischung aus Punk, Hardcore, Rock 'n' Roll keineswegs so ungewöhnlich, aber die Art wie sie sich und ihre Musik definieren und verpacken, die hat schon Seltenheitswert in der deutschen Musiklandschaft. Und genau das gibt es auch auf dem aktuellen Album "Leitkultur" wieder zu hören. Keinerlei Anbiederung an irgendwas und schon gar keinen Maulkorb in den Lyrics. Auch auf das in deutschen Texten gerne und ausgiebig verwendete Märtyrertum und Pathos wird weitgehend verzichtet. Dafür gibt es durchaus intelligente Zeilen wie z. B. im Titelsong: "Ihr wollte eine Leitkultur? Wir bieten euch unsere an! Frieden ist gerecht und alle sind ihm untertan!", oder auch 'Gras', das darauf abzielt, das nach dem Ende der Menschheit die Natur sich alles vom Menschen Geschaffene wieder zurückholen wird. Auch 'Getötet' wird als Pluspunkt auf der Habenseite notiert, lyrisch ein sehr intimer Text, dem wohl viele Hörer stumm zustimmen werden, wenn sie über ihr Leben nachdenken. Die Produktion von "Leitkultur" ist angenehm dreckig und hat Ecken und Kanten, aber ohne dabei zu rumpelig zu sein oder nach Proberaum zu müffeln.

Soweit so gut. Allerdings muss ich gestehen, dass sich, für mich persönlich, am Ende manches auf "Leitkultur", immerhin schon zehnte Album der Band, sich musikalisch doch nicht ganz zu Ende gedacht anhört. Als Beispiel sei hier der Opener 'Gras' angeführt. So gut ich den Text inhaltlich finde, die Melodieführung mit ihren langgezogenen Wörtern ist gefühlt sehr gewollt in das vorgegebene Korsett gezwängt worden. Und solche Momente gibt es auf Leitkultur doch mehr als einmal zu entdecken. Klar, am Ende reden wir hier nicht von einer Progressive Mathcore Metal Band, sondern von COR, trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Bergener mit der Musik den Lyrics nicht ganz gerecht werden. Daraus ergibt sich ein etwas schaler Beigeschmack, dass man nicht alles rausgeholt hat, was möglich gewesen wäre. Das macht das Album nicht weniger authentisch und für alle Freunde qualitätsbewusster, deutschsprachiger Rockmusik ist es immer noch relevant, zumindest mehr als die drölfzigste Band, die den dicken Prollo raushängen lässt. Aber im direkten Vergleich mit der aktuellen, ebenfalls zehnten, Scheibe von DRITTE WAHL, die ja auch intelligente Texte mit einer Mischung aus Punk, Metal und Rock paaren, ziehen COR dann doch den Kürzeren.

Gesamtwertung: 6.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood dry dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Gras
02. Gift
03. Das schöne Leben
04. Leitkultur
05. Die Andren
06. Vollkontakt
07. Propaganda
08. Sauber
09. Spielverderber
10. Getötet
11. Vom Glück Das Alles Endet
Band Website: www.myspace.com/ruegencore
Medium: CD
Spieldauer: 39:43 Minuten
VÖ: 06.10.2017

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