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Livebericht Annihilator (mit Sworn Amongst und Adimiron)

Ein Livebericht von Elvis aus Frankfurt am Main (Batschkapp) - 11.10.2010 (3960 mal gelesen)
Es gibt kaum Bands, die sich so beständig gegen alle Trends seit den 80er Jahren behauptet und mit stoischer Gelassenheit selbst in schwierigsten Zeiten tolle Alben veröffentlicht haben wie ANNIHILATOR. Die Kanadier um Gitarrengott Jeff Waters haben unbestritten ihre Meriten verdient, nicht nur wegen ihrer zahlreichen Klassiker, sondern auch wegen dem unbeugsamen Metal Spirit den sie seit eh und je an den Tag legen. Nachdem lange Jahre ANNIHILATOR effektiv betrachtet im Prinzip nur Jeff Waters und seine angeheuerten Helfeshelfer waren, hat sich das Blatt in den letzten acht Jahren doch deutlich gewandelt. Mit dem Glücksgriff, den relativ jungen Dave Padden ans Mikrofon und mittlerweile auch an die Rhythmusgitarre zu lassen, hat sich Jeff einen echten Gefallen getan und dadurch einen Mitstreiter gefunden, der ihn nun schon seit vier Alben begleitet. Mit dem jüngst veröffentlichten "Annihilator" haben die beiden Kanadier zudem ein starkes Album im Gepäck. Die letzte Dekade sah ANNIHILATOR vor allem bei prestigeträchtigen Support- und Special Guest-Slots auf Tour, u.a. mit JUDAS PRIEST, ICED EARTH oder TRIVIUM. 2010 haben die Jungs jedoch beschlossen, dass es wieder Zeit für eine Headliner-Tour ist und sich den Oktober und November komplett für Europa vorgenommen. Erfreulicherweise läuft der Vorverkauf gut und so wundert es auch nicht, dass die Show in der Frankfurter Batschkapp letztlich ordentlich besucht ist. Im Schlepptau haben die Kanadier mit den Italienern ADIMIRON und den britischen SWORN AMONGST gleich zwei Vorgruppen mitgebracht.



Der Einlass um 20.00 Uhr startet pünktlich und funktioniert wunderbar. Während sich die Batschkapp nach und nach füllt, sind gegen 20.30 Uhr dann ADIMIRON am Zug. Die Italiener geben sich redlich Mühe, Stimmung zu verbreiten, doch offenbar will das Publikum nicht so recht. Trotz sehr energischer Aufforderungen des Frontmannes, doch näher an die Bühne zu kommen, folgen dem nur wenige Fans. Der Rest schaut sich den nett gespielten Mix zwischen Thrash mit starkem Death-Einschlag eher von den hinteren Rängen kann. Schlecht ist das nicht, was die Römer hier zeigen, Härte und Aggression lassen jedoch für meinen Geschmack zu sehr die Melodiosität in den Hintergrund treten, was zulasten der Abwechslung geht. So klingen die Songs zumindest live doch recht eintönig. Immerhin haben die Jungs ein nettes Angebot an Merchandise zu fairen Preisen aufgefahren, bei dem sich an sich keiner beklagen kann.



ANNIHILATOR-Fans haben es außerhalb von Konzerten nicht allzu leicht, an Devotionalien Ihrer Helden zu kommen. Gestaltete sich schon die Beschaffung mancher Back Catalogue-Alben (die guten neuen Wiederveröffentlichungen des aktuellen Labels Earache Records sind hier eine Wohltat!) abenteuerlich, so sah es mit Shirts und anderem Merchandise eher mau aus. Abgesehen von der mittlerweile bestehenden Möglichkeit, den kanadischen Shop zu nutzen (was natürlich für Fans ohne Kreditkarte keine Option darstellte) erschienen zwar immerhin ein paar Standard-Shirts und eine Jacke zu "Alice In Hell" und "Never Neverland", die man auch hierzulande bekam, aber das war's dann auch. Das hat sich Jeff Waters offenbar zu Herzen genommen und für die "Total Annihilation"-Tour 2010 in die Merchandise-Kiste gegriffen. So gibt es heuer vier verschiedene Tour-Shirts, Girlie-Shirts, ein Longsleeve, einen Zip-Hoodie sowie einen Beanie zu erwerben. Die Preise bewegen sich dabei im Rahmen - 25 Euro für ein doppeltseitig farbig bedrucktes Tourshirt in guter Qualität sind noch zu verkraften. Die stylishe Sweatshirt-Jacke ist im Vergleich zu den Preisvorstellungen anderer Bands mit 40 Euro sogar ein echtes Schnäppchen. Klar, natürlich wären wir alle sicher froh, wenn das Shirt etwa für 15 Euro über die Theke wandern würde. Es wäre vermessen zu behaupten, dass sich die Merchandise-Preise (ebenso wie die Ticket-Preise - die übrigens heute Abend mit 22 Euro wirklich sehr erträglich waren) nicht in den letzten Jahren stark nach oben bewegt hätten und die Preise in DM schon happig aussehen würden. Dennoch kann ich an dieser Stelle auch Sänger Dave Padden nicht widersprechen, der klar ausspricht, dass die Merchandise-Einnahmen für die Band zur Finanzierung einer Tour enorm wichtig sind. Ohne jetzt tiefer in die Kalkulation zu gehen, die hinter den Preisen steht, muss ich doch sagen, dass in diesem Fall für meine Begriffe eine leichter Aufpreis zum regulären Vertrieb okay ist, wenn er in dem Fall einer nicht so riesigen Band wie ANNIHILATOR selbst zugute kommt. Niemand wird gezwungen, sich mit dem Merch einzudecken und letztlich sehe ich die Preise insofern anders als bei den absoluten Großverdienern, bei denen doch mehr Gewinnstreben mitspielen mag. Im Endergebnis geht es quasi für eine kleinere Band damit auch um die Möglichkeit, eine solche Headliner-Tour überhaupt entsprechend durchziehen zu können. So oder so, der Verkauf läuft jedenfalls unabhängig von dieser Frage ziemlich gut. Mit dem '21'-Shirt, inspiriert vom gleichnamigen Song aus dem Fan-Favoriten "King Of The Kill" hat Jeff Waters offenbar auch einen Nerv der Fans treffen können.



Nach einer ziemlich kurzen Umbaupause betreten SWORN AMONGST aus Großbritannien die Bühne. Die Jungs zocken einen gut hörbaren moderner angehauchten Thrash Metal, der beim immer zahlreicher vorhandenen Publikum jetzt auch gut ankommt. Mit wesentlich mehr Melodie unterwegs als die Vorgänger auf der Bühne, finden sich die Fans nun auch bühnennäher ein und zahlreiche Köpfe lassen die Haare wirbeln. Die Band gibt sich redlich Mühe mit dem Gig und dürfte am Ende sicher ein paar neue Fans dazugewonnen haben.



Die folgende Umbaupause dauert doch ein bisschen länger, obwohl sich die Roadies durchaus sputen. Kurz nach 22 Uhr ist es dann endlich soweit - die Lichter verlöschen und ein gut gelaunter Jeff Waters betritt mit seiner mit LEDs versehenen Gibson-Signature-Gitarre die Bühne. Davon, dass der ANNIHILATOR-Chef ziemlich heiser unterwegs ist, merkt man zumindest an seiner sonstigen Performance nichts - deswegen wird mit 'Ambush' vom aktuellen Album gleich krachend eingestiegen. Die ganze Band abseits vom stoisch nüchtern dreinblickenden Drummer (den Jeff Waters bei der Bandvorstellung am Ende deswegen auch liebevoll 'Stoneface' nennt) ist auf der Bühne unterwegs, wobei Jeff durchgehend superaktiv ist und Dave Padden noch am ruhigsten bleibt, weil er eben am meisten singen muss. Mit 'Clown Parade' vom "Metal" Album und 'Plasma Zombies' vom stark unterbewerteten "Schizo Deluxe" geht es dampfhammermäßig durch die Band-Moderne. Überhaupt haben ANNIHILATOR heute neben einer exzellenten Set List viel Spielfreude und Energie mitgebracht. Zwar klingt Jeff Waters bei seinen Ansagen schon ziemlich heiser, lässt aber bei "seinen" Songs stimmlich nichts anbrennen - zumindest der Gesang ist damit neben der eh exorbitanten Leistung an seinen Sechssaitern niemals enrstlich in Gefahr. Neben dem aktuellen Opus "Annihilator" sind es natürlich insbesondere die beiden legendären ersten Alben "Alice In Hell" und "Never Neverland", die abgedeckt werden und vor allem "King Of The Kill". Das heißt jedoch nicht, dass das dynamische Duo Waters und Padden nicht noch ein paar Überraschungen eingepackt hätten. Der Sound ist von Anbeginn des Gigs an richtig gut, weswegen insofern auch gleich Laune aufkommt. Überhaupt ist die Wechselwirkung zwischen Band und Publikum an diesem Abend sowieso ausgezeichnet und sorgen für ein fantastisches Konzert. Die beiden Jungs an Schlagzeug und Bass machen einen tollen Eindruck, obwohl die Stars des Abends eben weiterhin Jeff und Dave bleiben, die beide zu jeder Sekunde überzeugen. Es ist schon sehr bemerkenswert zu sehen, wie sehr sich Dave Padden mittlerweile zu einem Teil der Band integriert hat - als ich den Burschen vor mittlerweile sieben Jahren erstmals mit ANNIHILATOR auf der Bühne sah, hätte man das nicht zwangsläufig erwartet. Es war auch goldrichtig, ihm die Gitarre an die Hand zu geben, denn auch hier merkt man immer wieder, wie sehr er sich doch entwickelt hat. Gesanglich ist er eh topfit unterwegs und es ist eine Freude, ihn auch bei den diversen ANNIHILATOR-Klassikern am Mikrofon zu haben.

Jeff gibt gesanglich trotz seiner angeschlagenen Stimme ebenfalls alles, und auch wenn er bis dato noch nie so recht von seinem eigenen Gesang überzeugt war: es ist klasse, den Wechsel am Mikro live zu haben, denn schlecht singt der Saitenhexer nämlich keinesfalls. Ein besonderes Highlight stellt die akustische Einlage dar mit 'Phoenix Rising' und 'Sounds Good To Me' vom "Set The World On Fire" Album. Trotz einer flapsigen kleinen Diskussion Jeffs mit dem Publikum verzichten die Jungs heute doch darauf, den Text in 'Penis Rising' abzuändern und spielen stattdessen eine superbe Version beider Balladen. Der kleine Seitenhieb auf BON JOVI wegen der Hocker, auf denen die drei Axtmänner dabei Platz nehmen zeigt nochmals, mit welchem Spass die Band hier zu Werke geht. Insbesondere Jeff Waters ist trotz seiner krächzenden Stimme - neben seinen schon legendären Gesichtsgrimassen während der Songs - permanent zu Witzchen aufgelegt. Als er gegen Ende kurz 'Hells Bells' anspielt und gleich alle loskreischen, meint er nur lakonisch, dass er wohl einen Porsche Carrera fahren würde, wenn er diesen Song geschrieben hätte. So habe es leider nur für den alten Honda Civic seiner Eltern gelangt. Als das Publikum daraufhin in Gelächter ausbricht, schiebt er noch schnell hinterher, das sein kein Witz gewesen und grinst - hoffen wir für ihn, dass er's doch nach über 20 Jahren ANNIHILATOR schon einen Tick weiter gebracht hat, bei solchen Performances wäre es nämlich absolut verdient. Mit 'Tricks And Traps' (noch nie live gespielt) und dem instrumentalen 'Crystal Ann', dem ersten Song der "Alice In Hell" werden noch mal ein paar Exoten ausgepackt, bevor das entsprechend abgefeierte 'Allison Hell' ein hammermäßiges Konzert beendet und die Fans glücklich kurz vor Mitternacht in die kühler werdende Frankfurter Herbstnacht entlässt. Die Besucher dieses tollen Auftritts werden mit ziemlicher Sicherheit auch bei der nächsten Headliner-Tour der Band dabei sein, die hoffentlich nicht so lange auf sich warten lässt wie diese "Total Annihilation" - besser kann man Frankfurt nicht auslöschen, danke, Jeff & Dave!



Set List ANNIHILATOR

01. Ambush
02. Clown Parade
03. Plasma Zombies
04. King Of The Kill
05. Betrayed
06. The Box
07. Hell Is A War
08. Time Bomb
09. Ultra-Motion
10. Set The World On Fire
11. W.T.Y.D.
12. The Trend
13. The Fun Palace
14. Acoustic Medley: Phoenix Rising/Sounds Good To Me
15. Tricks And Traps
16. Bliss / Phantasmagoria

Encore:

17. 21
18. Crystal Ann
19. Alison Hell

Location Details
Batschkapp in Frankfurt am Main (Deutschland)
Website:www.batschkapp.net
Adresse:Batschkapp Konzert- und Promotion GmbH
Gwinnerstr. 5
60388 Frankfurt/Main
Anfahrt:ÖPNV Batschkapp:
U4 + U7 Richtung Enkheim: Haltestelle Gwinnerstraße

Nachtbus N5: Haltestelle Lahmeyerstraße

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