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Interview mit Petter Hjerpe von Mad Hatter

Ein Interview von Cornholio vom 06.03.2018 (3528 mal gelesen)
Das selbstbetitelte Debüt der bisher weitgehend noch unbekannten schwedischen Band MAD HATTER hat mich vollkommen umgehauen! Da kam mir das Angebot, ein paar Zeilen mit Sänger Petter Hjerpe auszutauschen, mehr als gelegen!

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Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Debüt "Mad Hatter"! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie die Scheibe bei euch in Schweden aufgenommen wurde, aber ich finde, ihr habt ein klasse Album abgeliefert, für mich jetzt schon ein Kandidat für das Album des Jahres!

Petter Hjerpe: Vielen, vielen Dank! Wir freuen uns, dass es dir gefällt! Nein, haha, wir sind weit weg davon, in die Charts einzusteigen, dafür sind wir als Band zu neu und spielen in einem zu kleinen Sub-Genre. Aber wir freuen uns immer, wenn jemand unsere Musik hört und mag, was wir machen.

Wie sind die Reaktionen der Medien zu eurem Album? Und verglichen damit, welche Reaktionen habt ihr erwartet? Wie immer hat es bestimmt nicht nur positives Feedback gegeben ...

Petter Hjerpe: Nun ja, wir hatten schon recht große Erwartungen. Nicht dass wir viele Exemplare verkaufen, aber wir haben schon erwartet, dass es den Leuten gefällt, die sich damit auseinandersetzen. Wir haben hart gearbeitet und haben vielversprechende Worte von unserem Produzent und Mixer Ronny Milianowicz bekommen ("This album is a killer!"). Also ohne zu arrogant zu klingen, wir hatten schon das Gefühl, dass "Mad Hatter" gut ankommt, und das ist dann zum Glück auch der Fall.

Wer übernimmt bei MAD HATTER das Songwriting? Steuert jeder etwas bei, ist es Teamwork, oder kommen die Mitglieder gar mit fertigen Songs in den Proberaum?

Petter Hjerpe: Ich (Petter Hjerpe, Gesang) schreibe sowohl die Musik als auch die Texte. Unser Bassist Magnus (Skoog) hatte ein paar Ideen, die wir in 'The Gunslinger' verarbeitet haben, aber am Ende habe ich das Album geschrieben. Ich habe alles zu Hause aufgenommen, Schlagzeug, Keyboards, Gitarre, Bass und Gesang, wirklich alles. Als die Songs dann fertig waren, habe ich sie an Alfred (Fridhagen, Drummer) geschickt, der dann noch etwas an den Drum-Arrangements gebastelt hat. Dann haben wir alles im Studio neu aufgenommen, das Ganze unter Anleitung von Ronny, der ebenfalls einige gute Ideen zu ein paar Liedern hatte, hier ein paar Chöre einstreuen, da ein anderes Detail.

Handelt es sich bei dem Album eigentlich um ein Konzeptalbum? Wenn ja, worum geht es auf "Mad Hatter"? Und woher holst du dir die Inspiration für die Songtexte?

Petter Hjerpe: Nein, nicht wirklich. Zwei Songs sind miteinander verbunden, der Opener 'Mad Hatter Shine' und der letzte Track 'Mad Hatter Become', in denen geht es um die Verrücktheit des Mad Hatter. Einer ist aus unserer Sicht geschrieben, creepy und angsteinflößend, der andere aus der Sicht des Mad Hatter ("The dark side is wonderful... join us"), diese Songs reflektieren somit die beiden Seiten, du kannst die scary Musik hören, wobei der Refrain beispielsweise etwas erhabener klingt. Ansonsten hole ich mir viel Inspiration aus Büchern, Spielen oder einfach irgendwelche Ideen, die mir so einfallen. Ich mag dieses Thema "Kind verliert sich in der Fantasie-Welt" sehr gerne. War es ein Traum? Oder ist es wirklich passiert? Stell dir vor, du schaust ein Bild oder ein anderes Kunstwerk an, beschäftigst dich damit. Viele Gedanken und Fragen schießen dir dabei durch den Kopf, aber es gibt keine richtige Antwort. Alles liegt im Auge des Betrachters. imgleft

Was sind deine musikalischen Einflüsse?

Petter Hjerpe: Ich bin mit Power Metal der späten Neunziger und früher nuller Jahre aufgewachsen, also Bands wie EDGUY, HAMMERFALL, BLIND GUARDIAN, STRATOVARIUS, MASTERPLAN, natürlich HELLOWEEN und so weiter. Auf "Mad Hatter" habe ich alle möglichen Einflüsse aus den '90ern und '00ern verwendet, um das richtige Gefühl zu bekommen. Ich vermisse das irgendwie bei den "neuen" Bands. Oder du könntest einfach schreiben, dass der "typische" deutsche Power-Metal die Inspiration ist, haha.

Wie seid ihr denn darauf gekommen, das fast neun Minuten lange 'Mad Hatter Shine' als Opener zu nehmen? Man braucht als neue Band wirklich Eier, um ein solches Monster an den Anfang eures Debüts zu packen!

Petter Hjerpe: Nun, ich hatte es als ersten Song auf dem Demo, das mit dem Intro, das passt einfach als Anfang. Später überlegten wir 'The Gunslinger' nach vorne zu packen, aber als wir 'Mad Hatter Shine' im Kasten hatten, meinte Ronny, wir sollten ihn als Opener verwenden. Jeder fragt sich erst, was da am Anfang vor sich geht, und dann *BAAAM*

Bei jenem Track höre ich am Ende den Einfluss von 'Vast Oceans Lacrymose' von WHILE HEAVEN WEPT heraus, ist das Absicht, oder hat sich das zufällig so entwickelt?

Petter Hjerpe: Ja, da hast du recht, ABER, es ist eine Mischung aus Zufall und absichtlichem Einfluss. Ursprünglich habe ich den Song im Achtziger-Synthesizer-Stil geschrieben, und habe noch etwas mit verschiedenen Sounds herumexperimentiert. Dann habe ich den Teil einfach genommen und habe ihn etwas "metallisiert". Als ich die Gitarrenspuren daheim zusammen mit den Keyboards gehört habe, dachte ich mir: "Hey, das fühlt sich wie WHILE HEAVEN WEPT an, davon sollte ich etwas mehr nehmen!"; so kam es dann dazu.

Ich muss gestehen, in meinem Review habe ich bestimmt drei Mal eine Verbindung zu AVANTASIA gehört. Ich will nicht sagen, dass ihr kopiert, ich glaube nur, dass Tobi Sammet ein großer Einfluss für dich ist. Darüber hinaus können natürlich auch Bands wie EDGUY, STRATOVARIUS oder, um etwas "moderner" zu bleiben, ORDEN OGAN.

Petter Hjerpe: Danke übrigens für die gute Bewertung. Was mich an Sammets Stil am meisten beeinflusst, ist das entspannte, lockere Tempo. Also nicht DRAGONFORCE-like, auch wenn 'The Gunslinger' beispielsweise eher schneller ist. Aber wenn du den Song hörst, hört sich das nicht so hektisch und gestresst an. Aus diesem Grund ist 'Death Angels Sings' übrigens nur der Bonustrack auf "Mad Hatter". Um nochmal zu Sammet zu kommen, mein größter Einfluss aus seinem Repertoire ist "Theatre Of Salvation", ich mag den Sound total! Einflüsse von STRATOVARIUS sind auch vorhanden, das wird in diesem Genre ja automatisch verknüpft, wenn man Keyboards verwendet. Aber um ehrlich zu sein bin ich von MASTERPLAN mehr beeinflusst, auch wenn STRATOVARIUS eine sehr wichtige Band ist. Was Chöre und bombastische Arrangements angeht, führt an BLIND GAURDIAN natürlich kein Weg vorbei! ORDEN OGAN sind ihrerseits von BLIND GAURDIAN beeinflusst, und so schließt sich der Kreis. Eine weitere Band MUSS hier aber noch genannt werden: CHROMING ROSE (Power Metal der frühen Neunziger), ein großer Einfluss für mich!

Werdet ihr mit eurem Debüt auch auf Tour gehen?

Petter Hjerpe: Wir würden sehr gerne touren, aber wir können uns im derzeitigen Stadium der Band leider keine große Tournee leisten. Wir müssen uns erst mal zuhause in Schweden einen Namen machen, bevor wir international agieren können. Allerdings geben wir die Hoffnung nicht auf, vielleicht wird das Album ja so gut angenommen, dass wir auch Angebote für große Tourneen außerhalb Schwedens bekommen. Wir würden uns natürlich sehr freuen, uns live zu beweisen!

Könnt ihr von der Musik leben, oder habt ihr "normale" Jobs?

Petter Hjerpe: Nein, davon sind wir leider noch recht weit weg, wir haben alle Vollzeitjobs, Musik ist "nur" unser Hobby. Also wenn wir auf Tour gehen wollen, müssen wir erstmal unsere Chefs fragen und Urlaub beantragen. Außerdem müssen wir für sämtliche Unkosten bei den Gigs selbst aufkommen, und wir haben in der Zeit kein Einkommen, weil wir nicht arbeiten; ein Teufelskreis. Es ist wirklich nicht einfach, eine unbekannte Band zu sein. Es ist halt nicht so, dass wir Anfragen von Festivals oder Clubs bekommen, die uns auf ihrer Bühne sehen wollen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja irgendwann ... imgright

Jetzt mal zu der Band MAD HATTER. Ich habe mangels "Beipackzettel" bei der Promo nahezu keine Infos über euch; ihr habt keine "richtige" Homepage, nur Facebook, also ist es wirklich nicht leicht, Infos über euch zu sammeln. Also: Wo kommt ihr her, wie alt seid ihr, wann habt ihr angefangen, Metal zu hören und zu spielen bzw. zu singen?

Petter Hjerpe: Ja, wir sind noch auf der Suche nach jemandem, der uns eine ordentliche Homepage basteln kann. Andererseits denken wir uns: Wer braucht eine richtige Homepage, wenn man Facebook hat? Ich persönlich schaue mir keine Band-Websites mehr an, ich schaue eigentlich nur noch auf ihre Facebook-Seite. Na ja, vielleicht machen wir das noch irgendwann. Also, ich komme aus einer kleinen Stadt namens Munkfors mitten im Wald, mitten in Schweden. Ich bin 32 Jahre alt, und ich habe vermutlich etwa mit 15 Jahren angefangen, Musik zu hören und relativ zeitgleich auch damit, Musik zu machen, mit der Unterstützung von Freunden und von meinem Dad. Mit 16 oder 17 habe ich dann angefangen, die Musik aufzunehmen, die Instrumente habe ich mir alle autodidaktisch beigebracht. Mein Vater hat mir ein paar Gitarrenlicks gezeigt, und von meinen Kumpels habe ich mir ein paar Riffs abgeschaut, aber im Großen und Ganzen habe ich das mehr oder weniger durch Ausprobieren selbst erlernt. Das waren diverse unterschiedliche Stilrichtungen, meine Findungsphase sozusagen. Power Metal höre ich eigentlich schon seit ich 15 bin (oder vielleicht 14). Ich habe mit "Legacy Of Kings" von HAMMERFALL [zweites Album der Schweden aus dem Jahr 1998 - Cornholio], mein Vater hat mir dann die "Keeper 2" von HELLOWEEN gegeben, und so ging es dann weiter, und immer weiter, ich hab mir alles angehört, was auch nur im Entferntesten nach Power Metal aussah, haha. Mit dem Gesang habe ich erst später angefangen, anfangs war das mehr eine Notlösung, weil sonst niemand singen wollte, und es klang anfangs wirklich grausam! Glücklicherweise habe ich mich da etwas verbessert, ich finde mittlerweile, es klingt OK, haha.

Wie habt ihr euch gefunden, wie lange gibt es die Band schon, seit wann kennt ihr euch?

Petter Hjerpe: MAD HATTER gibt es erst seit 2017, Alfred und ich haben die Band letztes Jahr gegründet. Wir sind seit 2013 gemeinsam bei MORNING DWELL und wollten ein neues Album mit Ronny als Produzent aufnehmen. Die anderen Jungs von MORNING DWELL wollten nicht so schnell nach "Guardians Of Time" (2016) aufnehmen, also haben Alfred und ich uns eine neue Band aus den Rippen geleiert, mit einer größeren Vision dahinter. Die Songs, die ich für MAD HATTER geschrieben habe, sind auch etwas anders als das, wofür MORNING DWELL steht. Dort geht es mehr um den "guten alten" Power Metal, bei MAD HATTER klingen wir eigenständiger. Unser Bassist Magnus Skoog ist ein langjähriger guter Freund, wir haben über die Jahre viele Cover-Gigs gemeinsam gespielt, also hab ich ihn einfach gefragt, ob er bei MAD HATTER einsteigen will. Und Eric Rauti (Gitarre) ist nicht nur ein toller Gitarrist, den ich vor etwa vier Jahren in der Umgebung von meiner Heimat erstmals gesehen habe, später haben wir dann auch ein paar Cover-Auftritte gehabt, und ich habe ihn einfach gefragt, ob auch er ein Teil von MAD HATTER sein will - voilà.

Ich muss nochmal den Namen der Band aufgreifen. Woher kommt der Name "Mad Hatter"? Habt ihr den Charakter aus "Alice im Wunderland" oder aus den DC Comics?

Petter Hjerpe: Ich schrieb den Song "Mad Hatter Shine" noch bevor ich den Namen für die Band hatte. Ich mag die Verrücktheit und Dunkelheit vom Tim Burton-Film und auch vom Buch "Alice im Wunderland". Ich mag den Charakter aber auch aus der animierten Batman-TV-Serie, also ist es eigentlich eine Mischung aus allem. So kann sich jeder den Charakter ausmalen, den er haben will, es bleibt also dem Hörer und seinem Kopfkino selbst überlassen, wie mit dem Beispiel von dem Bild, was wir vorhin schon thematisiert hatten. Außerdem finde ich den Namen einfach cool und einprägsam!

Seid ihr sonst noch in anderen Bands aktiv?

Petter Hjerpe: Ich bin, wie gesagt, bei MORNING DWELL aktiv, Drummer Alfred ebenfalls, er hat außerdem noch REINXEED und GOLDEN RESURRECTION. Eric spielt in ein paar anderen Combos, DREAMLAND und SNOWY SHAWN unter anderem, Magnus hat bisher noch in keiner offiziellen Band gespielt.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und viel Erfolg für dich und die Band! Ich freue mich jetzt schon auf das nächste MAD HATTER-Album!

Petter Hjerpe: Es war mir ein Vergnügen, vielen Dank! Und danke, dass ihr uns dabei helft, etwas bekannter zu werden!

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