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Interview mit Bassist Nick Fyffe von The Temperance Movement
Ein Interview von Stormrider vom 28.01.2017 (860 mal gelesen)
Vor dem Gig im Aschaffenburger Colos-Saal nutzen wir die Chance uns mit Nick Fyffe, dem Bassisten der Classic Rock-Überflieger THE TEMPERANCE MOVEMENT, sowohl über die Veränderungen im Line-Up und das kommende Album, über den Faktor Mensch in der Musik, als auch darüber zu unterhalten, wie es sich anfühlt, die mächtigen ROLLING STONES zu supporten.

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Hey Nick! Danke, dass Du Dir die Zeit fürs Bleeding4Metal nimmst. Ich möchte auch gar nicht so viel über "White Bear" reden, da es bereits vor über einem Jahr veröffentlicht wurde und die meisten Fragen dazu wohl schon gestellt sind. Würdest Du mit dem Abstand von einem Jahr etwas an dem Album ändern wollen, oder ist es für Dich weiterhin perfekt, so wie es ist?

Nick Fyffe: Klar bin ich auch heute noch sehr stolz auf das Album, und es ist die beste Platte, die wir zu diesem Zeitpunkt aufnehmen konnten. Wenn man aber auf die Alben zurückblickt, die man aufgenommen hat, dann sieht man immer Dinge, die man heute vielleicht anders machen würde, oder wo man heute eine andere Herangehensweise hätte. Insofern kann ich sagen, dass wir eine Menge Spaß damit hatten "White Bear" zu schreiben, aufzunehmen und damit zu touren. Wir sind auch heute noch sehr zufrieden damit, aber wir möchten uns nicht wiederholen, und wir sind bereit den nächsten Schritt zu gehen. Wir haben für das Album so viele Gigs gespielt, dass wir uns darauf freuen neues Material zu schreiben, um es auch für uns als Band spannend zu halten.

Du hast es ja bereits gesagt, ihr habt extrem viele Gigs gespielt, was auch sehr ermüdend sein kann. Ist das der Grund wieso Euer Drummer Damon kürzlich, aus privaten Gründen, ausgestiegen ist? War das für Euch vorhersehbar, oder kam es überraschend?

Nick Fyffe: Um ehrlich zu sein, es war keine große Überraschung, und es sieht so aus, als würden wir jedes Mal ein Bandmitglied verlieren, wenn wir eine lange US-Tour spielen. Unser ehemaliger zweiter Gitarrist Luke ist damals ausgestiegen, nachdem wir drei Monate durch die Staaten getourt sind, und Damon nun nach sieben Wochen dort. Es war offensichtlich, dass Damon nicht wirklich glücklich während der Tour war, und er hatte dann seine privaten Gründe die Band zu verlassen. Als er uns anrief und uns seine Entscheidung mitteilte, waren wir nicht mehr wirklich schockiert. Klar, wir alle haben Familien und eine lange Tour kann eine sehr harte Zeit sein, aber wenn dann eine Person auf Tour offensichtlich so unglücklich ist, dann macht es das auch für einen selbst nicht gerade einfach, da man natürlich versucht sich gegenseitig mitzuziehen, sodass alle eine gute Zeit haben. Am Ende denke ich, dass es die richtige Entscheidung aus seiner Sicht war. Für uns endet damit natürlich eine Ära, denn wir hatten mit Damon eine fantastische Zeit und haben zusammen wirklich tolle Musik gemacht, aber am Ende muss jeder das tun, was für ihn selbst das Beste ist.

Da es für Euch ja schon absehbar war, dass Damon die Band irgendwann verlassen würde, habt ihr bereits einen neuen Drummer im Auge, bzw. wie geht es nun in dieser Richtung für THE TEMPERANCE MOVEMENT weiter? Die aktuellen Gigs der Tour spielt ja Mikey Sorbello, der Drummer von THE GRAVELTONES, die Euch auch gleichzeitig supporten.

Nick Fyffe: Es ist super, die Gigs mit Mikey zu spielen, er ist ein unglaublich talentierter Schlagzeuger, wir sind befreundet und weil THE GRAVELTONES ja sowieso mit uns unterwegs sind, ist es auch die unkomplizierteste Lösung für uns. Vor kurzem haben wir drei Akustik-Shows in UK gespielt, da hat uns Simon Lee ausgeholfen. Er ist ebenfalls ein super Drummer und Freund von uns, es ist zwar derzeit noch nichts in Stein gemeißelt, aber Simon spielt vermutlich die kommenden Shows in Frankreich mit uns. Mal schauen wie das läuft und dann sehen wir weiter. Wir wollen zwar unbedingt zeitnah ein neues Album aufnehmen, dennoch ist es uns wichtig, dass der neue Drummer langfristig echtes Bandmitglied ist und schon in diesem Prozess dabei ist und nicht nur die Studiosessions macht.

Neues Album ist ein gutes Stichwort. Seid Ihr bereits im Songwriting? Schreibt Ihr Material auf Tour, oder ist das etwas für das ihr eine andere Umgebung braucht?

Nick Fyffe: Auf Tour selber schreiben wir eigentlich nicht sonderlich viel. Gerade in Amerika sind die Reisewege meistens sehr lang, was ziemlich ermüdend ist, sodass die Kreativität nicht gerade sprudelt. Wir haben zwar bereits ein paar Ideen gesammelt, wollen uns aber erstmal eine Pause vom Touren gönnen, bevor wir das Material für den "White Bear"-Nachfolger wirklich angehen.

Ohne, dass ihr schon besonders viel Material in der Hand habt, lässt sich schon jetzt absehen, ob es größere Veränderungen im Bandsound geben wird?

Nick Fyffe: Ich denke, wir haben bereits eine ganz gute Vorstellung davon, in welche Richtung es gehen wird. Unser erstes Album war ziemlich melodisch, während "White Bear" doch eine ganze Ecke heavier ausgefallen ist. Das neue Material wird wohl eine Mischung aus beidem werden. Als wir vor kurzem diese Akustik-Shows gespielt haben, hatte Damon gerade die Band verlassen, weswegen wir natürlich etwas down waren und für die Gigs die Songs teilweise stark umarrangiert haben. Phil ist ein sehr guter Pianist und hat viel Klavier gespielt, und es hat sich wirklich gut angefühlt, dieses Element in unserem Sound präsent zu platzieren. Es ist also gut möglich, dass wir diese Richtung etwas stärker für uns ausprobieren werden. Aber natürlich weiß man trotzdem vorher nie genau, wie es sich am Ende anhören wird, bis es final aufgenommen und gemixt ist. Wir möchten insgesamt etwas mehr experimentieren und nicht nur das wiederholen, was wir bereits auf den anderen Alben hatten. Mal schauen wie weit wir das treiben können.

Heute Morgen habt Ihr ein kleines Akustik-Set im ZDF-Morgenmagazin gespielt. Dass Ihr dort eingeladen werdet zeigt, dass Eure Musik ein breites Publikum anspricht. Daneben bekommt Ihr aber auch immer gute Reviews in den Metalmagazinen und gewinnt dort sogar die Soundchecks. Beeinflusst Euch das in irgendeiner Weise, oder ist Euer Credo, dass Ihr nur das macht, was Euch aus künstlerischer Sicht wichtig erscheint?

Nick Fyffe: Das ist ganz einfach. Wir möchten einfach nur die beste Musik schreiben, die wir zu schreiben imstande sind. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Backgrounds, was zu verschiedenen Einflüssen führt, die wir alle in unserem Sound unterbringen. Was wir auf keinen Fall wollen, ist jetzt zu sagen, wir müssen noch einen Song in diese Richtung schreiben, weil er dann die größten Chancen auf Radioairplay hat. Es ist schön, wenn es Leuten aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen gefällt, aber am Ende möchten wir einfach nur die beste Musik machen, die wir machen können, ohne es in eine bestimmte Richtung zu treiben. Wir müssen es mögen, denn wir werden danach zwei Jahre damit verbringen das Material live zu spielen (lacht).

Euer Sound ist ja von der klassischen Rockmusik der 70er geprägt, und der Retro- bzw. Vintage-Boom in den letzten Jahren ziemlich ausgereizt worden. Wie siehst Du diese Entwicklung in der nächsten Zeit? Und hast Du eine Idee, wieso dieser Stil wieder so populär geworden ist?

Nick Fyffe: Vielleicht einfach deshalb, weil es eben sehr klassische und ehrliche Musik ist. Allgemein ist es ja in dieser Zeit so, dass so vieles durch Computer ersetzt wird und die Leute viel zurückschauen wie es früher war, weil ihnen das Persönliche abhandengekommen ist. Nenn es Nostalgie, aber ich denke, dass der Faktor Mensch hier in der Musik wieder mehr in den Vordergrund rückt. Eine Menge der neuen oder aktuellen Musik fühlt sich einfach nicht mehr menschlich an, und die Hörer vermissen dieses unperfekt Menschliche in der Musik, wenn alles absolut perfekt ist. Wenn wir aufnehmen, dann machen wir drei oder vier Takes und nehmen den besten Take, um das Besondere des Augenblicks und das Gefühl einzufangen. So wie es früher eben auch gemacht wurde. Wir wollen nicht die "perfekte" Platte machen und verzichten daher auch auf übermäßiges Editieren, denn das ist ein gefährlicher Weg. Zu schnell neigt man dazu, einen kleinen Fehler noch nachträglich zu perfektionieren. Klar, wenn es ein Fehler ist, der dich förmlich bei jedem Hören anspringt, dann ist es eine gute Möglichkeit diesen einen Fehler zu korrigieren und nicht das Gefühl des ganzen Takes zu verlieren. Aber am Ende ist es ja auch oft so, dass man als Musiker einen "Fehler" hört, den der Fan gar nicht als solchen wahrnimmt, sondern der für ihn genau dieses Menschliche in der Musik ausmacht.

Wenn wir schon über das Menschliche, also über Gefühle sprechen. Wie hat es sich für Dich angefühlt die STONES zu supporten?

Nick Fyffe: FANTASTSICH!!! (strahlt über das ganze Gesicht) Wie Du Dir ja vermutlich denken kannst, war das eine unglaubliche Erfahrung. Wir haben sie erst bei der dritten oder vierten gemeinsamen Show getroffen, denn davor kommst Du nicht in den "Inner Circle". Erst wenn Du ein paar Tage dabei bist und die Crew Dein Gesicht langsam kennt, kommst Du etwas näher ran. Vor der vierten Show kam Mick Jaggers Assistentin in unsere Umkleide, um uns zu sagen, dass Mick uns gerne in seinem Dressing-Room Hallo sagen möchte. Und das ist natürlich ziemlich surreal, wenn Du auf einmal zusammen am Kaffeetisch sitzt und mit Mick Jagger sprichst. Nach unserer Show haben wir die STONES dann nochmal getroffen und haben gemeinsame Fotos gemacht. Sie sind wirklich großartig und sehr höflich! Wir haben dann mit Ronnie Wood noch gemeinsam Fußball geschaut, und nach dem Soundcheck zur Show in den Staaten kam Keith Richards und hat uns in seine Umkleide eingeladen. Sie sind wirklich sehr höfliche Menschen, aber du musst dir halt das Vertrauen ihrer Crew erarbeiten, sonst kommst Du nicht an sie ran.

Gab es etwas, dass ihr speziell von diesen Shows bzw. von diesen Treffen gelernt oder für Euch mitgenommen habt?

Nick Fyffe: Die Gespräche mit ihnen haben uns gezeigt, dass sie im Kern wie alle anderen Bands sind. Das Besondere ist, dass sie so lange als Band zusammen geblieben sind. Das war es, was uns Keith mitgegeben hat: "Egal was ihr macht, haltet die Band zusammen!". Ansonsten geht es ihnen wie allen Bands. Sie haben interne Diskussionen und ziehen sich gegenseitig auf, aber am Ende hat Keith Recht, denn das Schwierigste ist es, die Band auf Dauer zusammenzuhalten und nicht auseinanderzufallen. Wir alle haben ja vor THE TEMPERANCE MOVEMENT schon unsere Erfahrungen gemacht, in Bands und als Sessionmusiker, wir wissen wie es ist Musik zu machen, aber der soziale Aspekt, den so ein Bandgefüge mit sich bringt, der ist es, den man nicht vernachlässigen darf. Es sind oft so kleine Dinge, wie zu wissen, wann man am besten auch mal seinen Mund halten sollte.

Nachdem Ausflug in die Weisheiten, die man von den großartigen STONES lernen kann, habe ich noch ein paar für Dich Quickies dabei. Was war das letzte Album, das Du Dir selber gekauft hast?

Nick Fyffe: Das dürfte wohl "A Moon Shaped Pool" von RADIOHEAD gewesen sein.

Und das beste Album, welches Du Dir in den letzten zwölf Monaten angehört hast?

Nick Fyffe: Schwierige Frage, denkst Du nicht selbst? Denn wann hört man denn wirklich ein ganzes Album? Meistens hört man ja doch nur einzelne Songs.

Wow, das ist mal ein Statement von jemandem, der seine Wurzeln in der Musik hat, in der ein Album immer als Gesamtkunstwerk gesehen wurde.

Nick Fyffe: Ich weiß, das ist komisch. Aber so ist es, wie die Leute heute Musik hören, und da schließe ich mich leider nicht aus. Sich ein Album kaufen und es von Anfang bis Ende durchhören, das macht heute wirklich fast keiner mehr. Noch dazu bekomme ich es meistens erst sehr spät nach dem Release mit, weil mir dann jemand irgendwas empfiehlt, was vielleicht schon drei Jahre alt ist. Wenn es mich dann packt, dann höre ich die Songs aber meistens rauf und runter. Aber Deine Frage war ja, was das beste Album war, das ich gehört habe, nicht die beste Veröffentlichung der letzten zwölf Monate. Unser Gitarrist Paul hat mir JONATHAN WILSON nähergebracht, allerdings fällt mir gerade der Albumtitel nicht ein. Auf jeden Fall JONATHAN WILSON.

Was ist denn Dein aktueller Favorit auf Songebene?

Nick Fyffe: Im Moment dürfte das JOHN GRANT mit 'GMF' sein, das steht für Greatest Motherfucker. (lacht) Kennst Du JOHN GRANT? Nein? Dann hör mal rein, er ist wirklich klasse.

Und Dein aktueller THE TEMPERANCE MOVEMENT-Fave?

Nick Fyffe: Da nehme ich 'A Pleasant Peace I Feel'.

Wenn Du es selbst aussuchen könntest, was sollte der letzte Song sein, den Du jemals hören wirst?

Nick Fyffe: (Überlegt sehr lange) Das wäre vermutlich etwas von DAVID BOWIE, vielleicht 'Love On Mars'.

Nenne doch mal drei Alben oder Songs, ohne die Dein Leben nicht das wäre was es ist, weil sie einen so großen Einfluss auf Dich gehabt haben.

Nick Fyffe: JIMI HENDRIX mit "Smash Hits", das war das erste Mal, das ich HENDRIX gehört habe und ich wusste sofort, dass ich Musik machen möchte. Dann wäre da ein Album, dass ich heute gar nicht mehr so oft höre, "Freaky Styling" von den RED HOT CHILI PEPPERS. Und als Letztes nehme ich "OK Computer" von RADIOHEAD.

Stell Dir vor, Du triffst einen Alien und sollst ihm mit einem Satz davon überzeugen THE TEMPERANCE MOVEMENT zu hören. Was würdest Du ihm sagen?

Nick Fyffe: Diese Musik wird Dein Leben verändern!!! (lacht)

Kommen wir wieder zu etwas Irdischerem, wenn auch zu einer Wunschvorstellung. Wenn Du die Musiker Deiner Lieblingsband selbst zusammenstellen könntest, wer wäre alles dabei?

Nick Fyffe: HENDRIX an der Gitarre und SLY STONE am Keyboard. Das war noch einfach, jetzt wird es schwierig. Wie wäre es mit BOWIE an den Vocals? Am Bass, darf ich am Bass spielen? Die Chance will ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Und an den Drums? Da nehme ich JOHN BONHAM. Aber in zwanzig Minuten mag die Band schon wieder ganz anders aussehen. Wenn ich Dich also nach dem Gig später nochmal sehe, kann es passieren, dass ich das nochmal ändere. (zum Livereview des Gigs geht's hier)

Gibt es ein Zitat, das Dich durch Dein Leben begleitet?

Nick Fyffe: "Ein Nein ist nur die Vorstufe zu Verhandlungen. Das ist ein Zitat aus Star Trek, dabei bin ich nicht mal Star Trek-Fan, aber dieses Zitat hat sich irgendwie in meinem Kopf festgesetzt.

Was denkst Du ist die wichtigste Erfindung der Menschheit?

Nick Fyffe: Auf die Frage bekommst Du bestimmt oft dämliche Antworten. Jetzt muss ich mir was überlegen, um wie der intellektuelle Typ dazustehen. (lacht und überlegt lange und auf einmal kommt aus dem Nichts) Das Fahrrad!! Ok, es ist nicht so wichtig, es rettet keine Leben, aber es hat zumindest das Rad dabei. Und es war eine sehr clevere Erfindung.

Ok, machen wir es einfacher. Wenn Du JETZT die Möglichkeit hättest eine einzige Sache auf der Welt direkt zu verändern, was wäre es?

Nick Fyffe: Klar, jeder kann glauben woran er möchte, aber wenn ich nur eine einzige Sache ändern könnte, dann würde ich jegliche Form von organisierter Religion abschaffen.

Jetzt stehst Du wirklich wie der intellektuelle Typ da! Und damit sind wir auch schon durch für heute. Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, und wie es gute Tradition in unserem Magazin ist, gehören die letzten Worte Dir.

Nick Fyffe: Danke für Euren Support! Kommt zu unseren Shows, ihr werdet eine gute Zeit haben.

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