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Interview mit Peavy von Rage

Ein Interview von Eddieson vom 29.08.2016 (1835 mal gelesen)
Während eines freien Dates ihrer laufenden Festival-Tour kamen RAGE und TESTAMENT in Herford zusammen um der dortigen Gemeinde ordentlich einzuheizen. Das nahmen mein Kumpel Boddy und ich zum Anlass Peavy und Lucky zum Gespräch zu bitten. Heraus kam ein netter Plausch über das Album, über RAGE und wie es dazu kam, dass bald der gesamte Backkatalog wieder erhältlich sein soll.

Hallo, Peavy! Hallo, Lucky! Wie geht es euch?

Peavy: Gut, danke!

Lucky: Ein Traum!

Wie läuft die Tour bisher?

Peavy: Es ist ja eine Festival-Tour, die wir machen. Läuft alles sehr gut.

Lucky: Alles prima. Das Feedback zum neuen Line-up ist wirklich sehr gut. Live passiert sehr viel, es kommen viele Leute und beglückwünschen uns zu dem, was wir gemacht haben. Das ist natürlich sehr schön.

Peavy: Die neuen Songs kommen auch sehr gut an. Besonders 'Spirits'.

Lucky: Die Platte ist toll eingestiegen, auf Platz 37. Da sind wir sehr glücklich mit. Platz 47 in der Schweiz, Platz 11 in Japan.

Peavy: Wobei wir eine extrem schwere Woche erwischt haben, mit 15 Major-Veröffentlichungen. Da ist es mit der Platzierung natürlich immer etwas schwieriger.

Lucky: Aber es ist toll. Es ist toll, wie es läuft, wie es im Moment startet. Für uns ist es als ob ein Reset-Knopf gedrückt wurde, vor zwei Jahren, oder so. Alles noch mal auf Null und dann Gas. Jetzt genießen wir das einfach.

Peavy: Wir haben 2015 ein Jahr mit RAGE Pause gemacht, da habe ich mich etwas mehr auf die REFUGE-Geschichte konzentriert, aber in der Zeit konnten wir alles sorgfältig vorbereiten, haben in der Zeit das Album gemacht und es eingeprobt. Vor allem Lucky musste sich wieder etwas eingrooven. Er hat sieben bis acht Jahre kein Schlagzeug gespielt. Aber er konnte es schon immer sehr gut. Er hat einen sehr guten Lehrer gehabt, hat an der Musikhochschule studiert. Es war alles noch da, musste sich nur körperlich etwas in Form bringen.

Lucky: Deswegen auch nur Diätkost. [zeigt auf seine McDonalds-Tüte, die vor ihm liegt; alle lachen] imgleft

Zum Album wollen wir euch natürlich auch noch gratulieren. Ist eine große Überraschung geworden. Ihr nehmt die positiven Reaktionen auch so wahr?

Peavy: Erst mal vielen Dank, natürlich. Da haben die wenigsten wohl mit gerechnet, dass wir mit so einem Ding jetzt kommen. Nach so langer Zeit.

Lucky: Es ist schon überwältigend. Man macht sich ja so seine eigenen Gedanken, in welche Richtung das Album gehen soll und ist überzeugt davon, was man macht. Aber man weiß ja nicht, wie das so ankommt und was der Konsument letztendlich so sagt. Da ist es natürlich unheimlich schön, dass es so gut ankommt und wir viel Lob bekommen. Und sicherlich kann man es nie jedem recht machen, aber wir haben so ziemlich keine negative Kritik bekommen. Da muss ich erst mal auf Holz klopfen.

Peavy: In den Proben hatten wir schon vor, dass wir jetzt nicht unbedingt wieder in die progressiven Anklänge aus den letzten Jahren fortsetzen wollen. Wir hatten jetzt aber auch keine starren Vorgaben, wie wir das jetzt machen wollen. Die Songs habe ich in ganz kurzer Zeit zusammen mit Marcos [Gitarrist; Anm. d. Verf.] geschrieben. Die sind aus dem Bauch heraus entstanden. Es ist so, wie wir klingen. Es ist keine Kopfgeburt oder so. Es ist aus reinem Gefühl entstanden.

Das hört man auch. Die Songs klingen freier, entfesselter. Es klingt so, worauf ihr Bock habt.

Peavy: Genau so ist es auch entstanden. Wir arbeiten ja schon wieder am nächsten Album, wir haben uns einen speedigen Zeitplan zusammen mit Nuclear Blast entwickelt, für die nächsten fünf bis sechs Jahre. Wir haben die Songs für das nächste Album auch schon fast fertig. Es ist unglaublich. Wenn Marcos und ich uns treffen, machen wir Songs, wie andere Leute sich eine Stulle schmieren. [lacht] Es kommt einfach, ohne Zwang. Heute Morgen vor der Abfahrt haben wir uns bei Lucky im Büro getroffen, da stehen auch ein paar Akustikgitarren rum. Wir haben etwas rumprobiert und schon hatten wir wieder einen neuen Song. [lacht]

Lucky: Eigentlich ist es dem zu verdanken, dass wir Freunde sind und das wir eine gute Zeit haben. Wir freuen uns darauf, uns zu treffen, egal, ob Probe oder privat. Dann ist halt eine positive Energie da, dann hast du eine gute Laune, freust dich und dann passiert auch was. Erzwungen ist immer blöd.

Peavy: Was viele vielleicht auch nicht wissen, ist, dass wir uns weitaus länger kennen, als wir zusammen arbeiten. Lucky und ich kennen uns seit 1988, Marcos kenne ich bestimmt auch schon 10 Jahre. Unsere Freundschaft existiert also schon weitaus länger, als wir Musik zusammen machen. Daher auch dieses blinde Verständnis.

Wenn man sich die Songtitel, wie z. B. 'The Devil Strikes Again', 'Back On Track' oder 'My Way', dann kann man das schon irgendwie auf die Band übertragen, oder?

Peavy: Ja! Wobei 'The Devil Strikes Again', da hatten wir von vornherein die Idee, dass das die Fortsetzung von 'Sent By The Devil' sein soll. Als wir den Song angefangen haben, fühlte sich das gleich wie damals an. Also machen wir da Teil zwei draus. Dann habe ich den passenden Text geschrieben, und der Titel passte dann auch. Das war, glaub ich, einer der ersten Songs, die wir geschrieben haben. 'My Way' war der erste und 'The Devil...' der zweite, oder so.

Lucky: Aber 'Back On Track' und 'My Way' ist sicherlich eine Ansage von Peavy und von uns als Band, dass es irgendwie frei weitergeht.

Ich habe euch auf der Tour mit HELLOWEEN in Oberhausen gesehen, und da merkte man gleich, dass die Spielfreude eine ganz andere war, als 2014 in der Lagerhalle in Osnabrück.

Peavy: Boah! [lacht] Kann man nicht vergleichen, ne?! Die letzte Tour mit dem vorherigen Line-up, da war auch schon kaputt, was nur kaputt gehen kann. Da konntest du auch schon nichts mehr machen und mir war klar, dass das das Letzte ist, was wir zusammen machen. Eigentlich hätten wir das schon gar nicht mehr machen dürfen. Die Tour hätte nicht mehr stattfinden sollen.

Marcos war vorher in einer Band namens SOUNDCHASERS auf Teneriffa?

Peavy: Ja klar! Er hat eine ganze Menge Bands gehabt. SOUNDCHASERS war so sein Baby. Seit er 16 ist, ist er großer RAGE-Fan, und hat dann den Namen angelegt an seine Lieblingsband. Er hat RAGE, MAIDEN und noch ein paar andere Bands auf seinem Arm tätowiert, wie man sieht. [zeigt zu Marcos, der ein paar Meter weiter steht]

Eine DIO-Coverband hatte er auch.

Peavy: Genau!

Lucky: Er ist auch ein fantastischer Sänger.

Peavy: Er kann DIO echt einwandfrei nachmachen.

Und damit habt ihr jetzt drei Leadsänger in einer Band.

Peavy: Das ist auch neu und das ist wunderbar! Wir können unheimlich geile dreistimmige Geschichten erzählen, ohne dass wir Kram vom Band kommen lassen müssen. Im Dezember hatte ich auf der letzten Tour eine schlimme Erkältung, da hätte man theoretisch einige Shows absagen müssen, weil ich keinen Ton mehr rausbekommen habe. Zumindest nicht die in den höheren Lagen. Dann war das ganz einfach umzustricken. Marcos hat die höheren Lagen übernommen und ich die tieferen. Das passte wunderbar zusammen. Das eröffnet einem auch ganz neue Möglichkeiten.

Du hast ja auch eben schon angedeutet, dass die Harmonie zwischen dir und Marcos ja fast perfekt zu sein scheint.

Peavy: Marcos hat die Band studiert, von klein auf. Er weiß genau, was die Trademarks bei RAGE sind, die stilistischen Feinheiten. Ich habe ja immer eine bestimmte Art zum Komponieren gehabt, und er weiß ganz genau, wie er da arbeiten muss. Die Ideen, die von ihm kommen, könnten genau so von mir sein. So ergänzt sich das perfekt. Wir schreiben halt mal eben einen Song innerhalb einer halben Stunde. [lacht und freut sich]

Und die Texte gehen auch so von der Hand weg?

Peavy: Ja, die mache ich dann meistens erst hinterher, aber in dieser Inspiration geht das ganz schnell. Ich treffe mich dann mit ihm in seinem Studio, da machen wir dann unsere Vorproduktion und meistens haben wir dann schon für ein oder zwei Songs ein paar Ideen, eine rohe Vorlage und im Zuge so einer Session, wenn ich dann ein bis zwei Tage bei ihm bin, entstehen locker noch mal ein bis zwei Spontansongs. Dann schreibe ich die Texte, während er dann am Schlagzeug rumfummelt. In einer solchen Atmosphäre fließen die Ideen viel besser, als wenn man sich verkrampft da dran setzt. Wir versuchen das so lange, wie möglich zu erhalten. Er arbeitet ja auch ähnlich, wie ich auch. Er ist so ein spontaner, der aus dem Bauch heraus arbeitet, anstatt, wie Mikael Akerfeldt [OPETH-Sänger; Anm. d. Verf.] der sich da ein halbes Jahr hinsetzt und sich jedes Detail aufschreibt. Die Details arbeiten wir nachher zusammen aus. imgright

Ich habe gelesen, dass ihr jetzt alle Rechte an den RAGE-Songs, bzw. Alben zurück habt. [Lucky reißt die Arme hoch]

Peavy: Das ist der Hammer! Ich weiß auch nicht, wie soll man das beschreiben? Es ist auf jeden Fall eine ziemlich ungewöhnliche Sache für das Musikgeschäft, weil normalerweise passiert sowas nicht. Lucky hat mit Andreas zusammen eine Management-Firma gegründet und die haben das eingefädelt.

Lucky: Genau! Also wir haben eine Firma gegründet, als das hier alles startete, die mittlerweile auch mehrere Bands unter Vertrag hat. Aber sicherlich ist RAGE unser Hauptaugenmerk. Die erste Aufgabe war erst mal zu schauen, wie ist der momentane Status quo? Wo liegen die Rechte? Wer hat welche Lizenzen? Erst mal einen Überblick sich zu verschaffen. Dabei haben wir festgestellt, dass einiges im Argen liegt. Zeitpunkte, die schon längst abgelaufen sind, usw. Wir haben uns dann eine Strategie überlegt, wie wir an die Großen, wie z. B. BMG, Sony und so, rangehen. Mit dem Ziel, die Rechte wieder nach Hause zu holen. Manchmal ist es eben nicht so, dass es regelkonform laufen muss, sondern manchmal musst du auch mit kleinen Tricks arbeiten, z. B. dass diese Rechte über mehrere Stationen verkauft wurden, immer wieder, und derjenige, der sie jetzt hat, sich eigentlich nicht großartig damit befassen will. Und wenn man dem dann sagt, dass man diese 20 Sachen von ihm braucht, dann ist der erst mal überfordert, weil der gar nicht weiß, wo diese 20 Sachen sind. Auf diese Weise haben wir sie nach und nach überzeugt, dass sie es doch lassen sollen, dass das keinen Sinn macht, das doch viel zu viel Arbeit ist usw. Das war aber auch viel Glück, ein guter, sehr sehr guter Anwalt, den wir dabei hatten und viel Sitzfleisch. Wir haben ein paar Monate daran gesessen und immer wieder Gas gegeben und so haben wir alle Rechte zurückgeholt, was ein Segen ist.

Unglaublich! Und jetzt macht ihr nach und nach die alten Alben wieder aktuell?

Lucky: Genau! Einige waren ja nicht mehr verfügbar, seit Jahren, wo man sich an den Kopf packt. Du willst ja auch keine Hunderttausende verkaufen, sondern es geht darum diese Alben einfach wieder verfügbar zu machen. Mit der REFUGE-Box ist ja schon was passiert, das "Black In Mind"-Album und so geht es nach und nach weiter.

Peavy: Das Nächste, was wir dieses Jahr noch rausbringen wollen, ist die Früh-Ära der Band. Heißt "Avenger", "Reign Of Fear" und die "Execution Guaranteed", die sowohl einzeln, als auch als Paket, plus ganz viel Bonusmaterial erhältlich sein sollen. Wir haben alles tontechnisch noch mal bearbeitet.

Lucky: Es gibt halt auch einfach so viel Material! 22 Alben! Welche Band hat schon 22 Alben in der Zeit gemacht?

Peavy: Außer FRANK ZAPPA gibt es da herzlich wenig.

Plus die ganzen Songs, die irgendwo noch rumfliegen.

Lucky: Der Peavy ruft ständig bei mir an und sagt, dass er irgendwo mal wieder ein altes Tape gefunden hat, und dann hören wir uns ein Tape aus der Probe von 1993 an, oder so.

"Black In Mind" gibt es dann auch endlich mal auf Vinyl?

Peavy: Vinyl haben wir komplett ausgelagert an eine externe Firma. Wir haben ja auch ein eigens Label gegründet, da machen wir das Vinyl aber nicht drüber. Vinyl ist so kostenintensiv und aufwendig, da wollen wir lieber die Fachleute dranlassen. Der komplette Backkatalog kommt dann auf Vinyl. Ist, glaub ich, auch schon in der Produktion. Allerdings weiß ich im Moment nicht, wann die Veröffentlichung angesetzt ist. Durch die Terminprobleme mit den Presswerken, haben wir es leider nicht zeitgleich mit der CD geschafft. Aber es kommt alles noch! Auch in schicken Luxusversionen mit allem Schnick und Schnack, wie das heute so aussehen muss.

Mensch, mit der RAGE-Geschichte kann man ja auch schon ein Buch füllen. Also, wenn erscheint es? [Peavy lacht]

Lucky: Auch diese Diskussion gibt es natürlich. Da gibt es auch konkrete Anfragen und Schreiberlinge, die sich zur Verfügung stellen, es gibt auch einen Verlag, der sich gemeldet. Aber sagen wir mal so, wenn es das einzige Kapitel wäre, das wir vor der Nase hätten, dann hätten wir es schon angepackt. Nur es gibt momentan mehrere Kapitel. Man fängt etwas an, die neue Platte ist gekommen, Tourneen, Backkatalog, rechtliche Situation, usw. Es ist einfach so viel an Masse, dass wir, wenn wir heute aufhören zu spielen, bräuchten wir bestimmt noch zwei Jahre um alles abzuarbeiten. Es ist auf jeden Fall etwas, das weiter verfolgt wird.

Peavy: In welcher Form und wie das dann aussehen wird und wann es kommt, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber es ist in der Pipeline!

Jungs, es hat sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank und die letzten Worte gehören euch.

Peavy: Für das neue Album gibt es auch bald eine neue Tour "The Devil Tours Again" im November/Dezember ist der erste Part. Daten sind schon veröffentlicht. Gerade basteln wir am zweiten Teil im Frühjahr. Ich hoffe, wir werden möglichst viele Leute sehen. Danke für die Treue.

Lucky: Danke für die Treue!

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