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Interview mit Thorn, Leech, Spitt, Brew von Necrotic Woods

Ein Interview von grid vom 16.05.2015 (2046 mal gelesen)
Sieben Jahre Pause zwischen dem Debüt "Exaltation Of Death" und dem vielversprechenden "The Nameless Dark" boten Anlass bei NECROTIC WOODS nachzufragen, was die Gründe für die lange Entstehungszeit waren. Thorn, Leech, Spitt und Brew erzählten von der Entwicklung der Band und des Albums und noch einiges mehr.

Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zu eurem Album "The Nameless Dark", das mich sehr neugierig auf euch macht. Deshalb möchte ich euch bitten, erst mal etwas zur Bandgeschichte von NECROTIC WOODS zu erzählen. Was habt ihr für musikalische Erfahrungen/Hintergründe? 

Thorn: Vielen Dank! Freut mich, dass es dir gefällt! Fast alle von uns waren vorher schon in anderen Bands aktiv. Ich bei VICIOUS CIRCLE, Leech bei WITHERING ETERNITY und Spitt bei NOCTURNAL PULSE. So hat natürlich jeder seine Erfahrungen mitgebracht.

Spitt: Individuell kommen wir alle aus recht unterschiedlichen Richtungen, wobei die Vorliebe für Metal natürlich das verbindende Glied bildet. Wir sind aber alles andere als scheu, was Musik außerhalb dieses Genres angeht – persönlich höre ich das auch in unserer Musik.

Wofür steht NECROTIC WOODS? Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben?

Thorn: NECROTIC WOODS – ein Schmelztiegel des Verderbens.

Leech: Dunkel, dreckig, gefährlich und 100% authentisch!

Spitt: NECROTIC WOODS spielen einen scheuklappenlosen Bastard, dessen Mutter Black Metal ist und dessen viele Väter aus dem Death-, Doom- und Thrash-Metal stammen. Hinzu kommen einige Verwandte, die einem pervertierten Rock'n'Roll abstammen.

Mit welcher Absicht wurde NECROTIC WOODS gegründet?

Thorn: Als Nachzehrer und ich die Band 2004 gründeten, wollten wir einfach nur ein bisschen zusammen Musik machen. Kurz darauf löste sich meine vorherige Band VICIOUS CIRCLE auf. Somit war plötzlich genug Zeit, um NECROTIC WOODS voranzubringen.

Zwischen eurem Debüt "Exaltation Of Death" und "The Nameless Dark" liegen sieben Jahre. Ist dieser große Abstand nur auf die Wechsel im Line-up zurückzuführen oder gab es noch andere Gründe?

Thorn: Nachdem Drummer Trist 2010 die Band verließ, musste natürlich erst mal ein guter Ersatz gefunden werden. Noch dazu brauchten wir einen neuen Proberaum. Als Leech für den Posten an den Drums gefunden wurde, verging nochmals eine ganze Weile, bis ein geeigneter Raum gefunden war. Zu der Zeit kam auch Spitt als fester Bassist dazu. So zogen ca. 1 1/2 Jahre ins Land, in denen wir nicht aktiv waren. Wir begannen dann an neuem Material zu arbeiten und unseren Sound weiterzuentwickeln. Aufgenommen wurde "The Nameless Dark" Anfang 2014 und bis alles gemischt war und mit Bret Hard Records ein geeignetes Label gefunden war und das Album veröffentlicht wurde, verging noch einmal ein gutes Jahr. Das hat schon alles relativ lange gedauert, aber dafür sind wir auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Brew: Es gab sicher mehrere Gründe für die lange Pause, aber das Line-up war schon ein wesentlicher. Ich denke mittlerweile sind wir aber so gut aufgestellt, dass so was hoffentlich nicht mehr vorkommen wird.

Spitt: Seit ich der Band beigetreten bin, was etwa fünf Jahre her ist, haben wir kontinuierlich an "The Nameless Dark" geschrieben, bevor es ins Studio ging. Anfangs lief das etwas schleppender; als es jedoch Form annahm und aufs Studio zuging, wurde der Prozess natürlich deutlich intensiviert. Dieser lange Songwriting-Prozess ist, glaube ich, mehreren Faktoren geschuldet. Einerseits habe ich in einer anderen Stadt gewohnt und studiert, sodass wir teilweise recht selten zusammen proben konnten. Andererseits sind auch alle beruflich eingespannt, sodass die Proben eben manchmal hintenanstehen mussten. Außerdem ist es auch dem Konzept des Albums geschuldet, da wir sehr auf Programmatik (im Großen sowie im Kleinen) und Homogenität ohne Langeweile geachtet haben. Es floss einfach viel Energie in das Gesamtwerk, und das kostet nun mal Zeit. Spannend ist dabei für mich eigentlich, wie diszipliniert wir in dieser Zeit nach und nach geworden sind, was darauf hinauslief, dass wir inzwischen sehr häufig proben und der Songwriting-Prozess ziemlich optimiert ist. Durch die lange Arbeit an "The Nameless Dark" haben wir auch viel an uns selbst und an uns als Band gearbeitet.

Leech: Ich denke wir sind alle reifer geworden und auch die persönlichen 
Einflüsse haben sich etwas gewandelt. "The Nameless Dark" ist aus meiner Sicht erwachsener und wir haben uns stilistisch einfach gefunden.


Wer oder was ist "The Nameless Dark"? Von was handeln die Texte auf der Platte?

Thorn: Die Texte handeln von einem namenlosen Wanderer, der ohne Hoffnung auf Licht und Wärme durch eine post-apokalyptische Welt irrt. Innere Räume bzw. Gedanken reflektieren dabei äußere Räume, d. h. die sterbende Welt. Als Leitmotive ziehen sich die Trostlosigkeit des Daseins und der unabwendbare, bedeutungslose Tod des Wanderers durch die Texte. Das namenlose Dunkel steht dabei symbolisch für das Nichts, das ihn, wie er glaubt, im Tode umschließen und nichts von ihm überdauern lassen wird. Es manifestiert sich schon zu seinen letzten Lebtagen, in Form des von Asche verhangenen Himmels über der dahinsiechenden Welt. Aber mehr will ich hier auch nicht verraten, das würde wohl den Rahmen sprengen.

Die Songs auf "The Nameless Dark" sind, trotz der verschiedenen stilistischen Einflüsse, sehr homogen. Tüftelt ihr lange herum, bis es passt? Teilt ihr euch die schöpferische Arbeit? Oder gibt's einen Hauptsongwriter?

Brew: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal schreiben sich Songs innerhalb weniger Proben und manchmal arbeiten wir deutlich länger an einem Stück; so lange halt bis alle damit zufrieden sind. Meist läuft der Songwritingprozess so ab, dass jemand eine Idee im Kopf hat und wir im Proberaum daran arbeiten und darauf aufbauen.

Spitt: Für gewöhnlich bringen Brew und ich Riffs mit zum Proben, die zuerst von allen ausgewertet, gespielt und gegebenenfalls verbessert werden. Die Texte kommen von unserem Sänger Thorn, das ist sein Gebiet – er macht das so gut (und gern), dass das auch so bleiben kann. Danach fängt erst das eigentliche Songwriting an, bei dem wir aus Einzelteilen und Bruchstücken etwas Zusammenhängendes schaffen. Das kann sehr schnell gehen, oder eben sehr lange dauern. Das ist im Vorhinein absolut nicht einzuschätzen. Vom Großen gehen wir dabei ins Detail, wobei jeder jedem Vorschläge unterbreitet, wenn er Ideen hat. So kann ich Leechs Schlagzeugspiel beeinflussen, genau wie er mir Vorschläge zum Bass spielen unterbreiten kann. Letztendlich wird das dann im wahrsten Sinne des Wortes "probiert", bis wir es kurz vor einem eventuellen Studiobesuch festschreiben, um ideal vorbereitet zu sein.

Hattet ihr viele Songs für die Veröffentlichung auf "The Nameless Dark" zur Auswahl? Wie viele habt ihr verworfen? 

Thorn: Direkt verworfen haben wir keinen einzigen. Aber einige wurden mehrmals überarbeitet bis wir zufrieden waren. Allerdings hab ich den Text zu 'The Indifferent Sun' zweimal komplett verworfen, bevor ich zufrieden war.

Spitt: Es gab zwar keine Songs, die wir nicht mit auf das Album genommen haben, aber es gab "Versionen" von Songs, die wir komplett wieder verworfen haben, weil wir uns nicht zu einhundert Prozent sicher waren, dass derjenige Song uns in seiner Form gut genug für "The Nameless Dark" erschien. Das kann einerseits sehr frustrierend sein, wenn man die dritte Version von 'Life Is On The Wane' angeht, andererseits aber entsprechend befriedigend, wenn man die finale Form des Songs dann endlich gefunden hat.

Eure Songs fallen tempomäßig sehr unterschiedlich aus und ich frage mich, in welcher Geschwindigkeit fühlt ihr euch am wohlsten?

Leech: Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, den Song zu fühlen und zu 100% drin zu sein. Ich persönlich stehe sowohl auf geblastete Knüppelsachen als auch auf mächtige Halftime-Parts oder rotzigen Rock 'n' Roll. 


Thorn: So genau kann ich mich da jetzt gar nicht festlegen. Der schleppende Song 'A Hundred Ropes' macht schon verdammt viel Bock zu singen. Aber auch 'Oneiric', der sehr nach vorne geht, ist einer meiner Favoriten.

Spitt: Für mich macht es absolut die Mischung. Die Programmatik und Abwechslung ist für mich das Entscheidende. Würden wir nur schnelle Sachen spielen, würde mich das nach einiger Zeit genauso nerven, wie ausschließlich langsame Songs. Der Effekt des Übergangs von einem zum anderen macht hier die Magie aus.

Lass uns über die nordisch-frostige Atmosphäre sprechen, die "The Nameless Dark" in die Stube zaubert. Was inspiriert euch? Woher kommen die Ideen?

Leech: Generell sind meine Vorbilder im hohen Norden zu Hause. Die norwegischen Black Metal-Bands inspirieren mich persönlich am meisten. Es ist eben
genau diese eiskalte, düstere Atmosphäre, die mich packt. Außerdem bin ich großer BEHEMOTH-Fan, weshalb Inferno einer meiner großen Einflüsse ist.


Spitt: Es lässt sich zwar nicht leugnen, dass viel Black Metal (von alt bis neu) im Spiel ist, was Inspiration angeht, aber das ist längst nicht alles. Musikalisch werde ich genauso von Klassik über Pop bis hin zu Ambient Music inspiriert. Was davon letztendlich für den Hörer wiederzufinden ist, kann ich nicht beurteilen. Genauso ist es sehr hilfreich, Musiktheorie zu verstehen und noch andere Instrumente neben dem Bass spielen zu können.

Brew: Die Inspirationen kommen aus unterschiedlichsten Quellen. Ich denke jeder von uns hat einen sehr vielfältigen Musikgeschmack, wobei der Black Metal uns im Kern verbindet. Dadurch fließen viele interessante Ideen mit ins Songwriting ein. Diese Kälte ist ein grundlegender Aspekt, den jeder von uns transportieren möchte.

Was war der schwierigste Teil bei "The Nameless Dark"?

Spitt: Vermutlich die finanzielle Belastung, die wir für die Produktion, die wir uns vorgestellt haben, aufnehmen mussten.

Wer sind eure Vorbilder? Welche Bands/Songs haben euch am meisten beeinflusst?

Thorn: Natürlich hab ich Vorbilder. WATAIN und SHINING (die schwedischen) wären da auf jeden Fall zu nennen. Beides großartige Bands. Ich versuche aber natürlich meinen eigenen Gesangsstil fortan zu verfeinern.

Spitt: Mit etwa 6 Jahren habe ich eine Kassette von METALLICA bekommen, die danach hoch und runter lief. Das ist eine alte Liebe, die sich bis heute nicht geändert hat. Sie hat jedoch so viele Nebenbuhler bekommen, dass das hier absolut den Rahmen sprengen würde. Ich habe über die Jahre festgestellt, dass ich nie ausschließlich beim Metal bleibe, aber immer wieder zu ihm zurückkehre.

Brew: Vorbilder in dem Sinne keine. Allerdings haben mich natürlich eine ganze Reihe von Bands inspiriert. Die stammen aus allen möglichen Musikrichtungen. Wer mich davon am meisten beeinflusst hat, kann ich gar nicht sagen. Ich denke es ist eher eine Mischung aus all dem, womit ich mich über die Jahre so beschäftigt habe.

Beeinflussen die Reaktionen, die ihr bekommt, eure zukünftige Arbeit?

Brew: Nein, das denke ich nicht. Zumindest nicht was das Songwriting betrifft. Da sind nur unsere Reaktionen relevant.

Thorn: Wir haben schon jetzt ein paar Songs für das nächste Album fertig, die somit noch nicht von Kritiken beeinflusst werden konnten. Aber generell denke ich, dass wir unser Ding durchziehen, ohne uns groß beeinflussen zu lassen. Wenn es den Hörern dann gefällt, umso besser.

Spitt: Mich auf jeden Fall. Dadurch, dass es fast nur positive Reaktionen zum neuen Album gab, sind wir natürlich hoch motiviert, unsere Linie weiterzuführen und unseren Stil zu entwickeln. Auch schlechte Kritik, die es ab und zu gab, fließt hier mit ein. Das ist für uns kein Grund, sich zu ärgern, sondern stachelt uns eher an, es noch besser zu machen.

Habt ihr schon die Arbeit für ein neues Album aufgenommen?

Thorn: Oh, das hab ich ja schon in der vorherigen Frage beantwortet. Aber ja, es läuft gut mit dem neuen Material. Ziemlich verrücktes Zeug dabei!

Brew: Die Arbeiten zum neuen Album laufen auf Hochtouren. Ich kann euch versichern, es wird diesmal keine 7 Jahre dauern. Es existiert bereits einiges an neuem, krankem Material.

Spitt: Ja, schon recht schnell nach dem letzten Studiobesuch ging es daran, neues Material zu erarbeiten. Das läuft im Moment ziemlich gut.

Leech: Oh ja, und es wird sehr böse!


Gibt es Tourpläne?

Thorn: Eine Tour ist momentan nicht geplant. Natürlich haben wir immer Bock zu spielen. Wer uns also buchen mag kann einfach an necrotic-woods@web.de schreiben, oder uns über Facebook kontaktieren.

Was sind eure Träume/Wünsche mit NECROTIC WOODS?

Thorn: So schnell wie möglich wieder ins Studio gehen und natürlich so oft wie möglich live spielen.

Spitt: Auf mittlere Sicht erst mal unsere Musik weiterzuentwickeln und gute Alben aufnehmen zu können. Langfristig möchten wir natürlich auch in der Szene wachsen und mehr Leute erreichen, um beispielsweise an größeren Festivals oder Tourneen teilnehmen zu können. Wir sind aber realistisch und uns der Arbeit bewusst, die dafür noch nötig ist.

Ich danke für die Zeit, die ihr euch genommen habt, unseren Lesern etwas über NECROTIC WOODS und "The Nameless Dark" zu erzählen und bin auf weitere Lebenszeichen von euch gespannt. Die abschließenden Worte sind eure.

Thorn: Wir haben zu danken!

Leech: Keep supporting the Underground!!

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