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Interview mit Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards) von Amorphis

Ein Interview von Odin vom 31.03.2014 (2775 mal gelesen)
Anlässlich der "Circle" Tour sprachen wir mit Tomi und Santeri in ihrem mobilen Zuhause für einige Wochen. Warum es einen Unterschied macht, wie viele Stockwerke der Bus hat, und wie der Name der Supportband wirklich ausgesprochen wird? Lest ihr hier!

Wie läuft die Tour soweit, wie ist es wieder in Deutschland und der ganzen Welt zu spielen?

Tomi: Es ist schön! Der Herbst war ziemlich voll für uns, da hatten wir kaum Zeit auch nur drüber nachzudenken, wo wir eigentlich sind. Aber nach der Pause, die wir um Januar hatten, fühlt es sich wieder gut an, besonders jetzt mit dem Frühling in Europa. Wir hatten schon gute Shows und kommen jetzt langsam in die östlicheren Teile, Kroatien, Serbien und so.

Der übliche Tour-Stress mit morgens aufwachen und man ist irgendwo, keine Ahnung wo, in einem Land, das man nicht kennt vermutlich?

Tomi: Ja, manchmal ist das so.

Santeri: Ich wache übrigens am Nachmittag auf, nicht morgens, irgendwas um vier Uhr rum. Andererseits gehe ich auch etwa um vier ins Bett, nachts eben. Es ist etwas schwierig zu schlafen, wenn der Bus unterwegs ist, also versucht man das Beste bis er wieder anhält, vielleicht um zehn Uhr morgens, und dann ist die eigentliche Schlafenszeit. Was soll man schon sonst machen? Wir haben die Städte alle schon mal gesehen, alles was du machen kannst, ist in die City zu gehen und eine Menge Geld auszugeben.

Gibt es denn eine Menge Geld, bringt die Tour viel Geld ein, das ihr ausgeben könntet?

Santeri: Nicht wirklich. Aber natürlich bringt es mehr Geld als einfach zuhause zu sitzen. Als Musiker verdienst du genau gar nichts, wenn du nur zuhause sitzt. Es ist eben unser Job.

Tomi: Ja, es ist besser bei der Tour etwas Geld zu sparen und aufzuheben, anstatt alles auszugeben.

Santeri: Genau, es wäre das Schlimmste, wenn du von einer langen Tour zurückkommst und hättest kein Geld übrig. Das wäre ein großes Problem, denn die nächste Tour ist vielleicht noch einige Monate entfernt, also solltest du besser etwas Geld angespart haben - wenn es denn Geld zum Sparen gibt.

Um auf das Release von "Circle" zurück zu kommen, wie waren nach eurer Wahrnehmung die Reaktionen auf das Album in der Szene, der Presse und bei den Fans?

Santeri: Ich glaube alles in allem kam es sehr gut an, aber vermutlich sollten wir es mit anderen Veröffentlichungen vergleichen. Die hatten insgesamt ja auch ziemlich gute Reaktionen. Natürlich ist man immer, wenn man etwas veröffentlicht, froh, dass es nicht zerrissen wird. Ziemlich viele Leute - ich spreche jetzt nicht von Reviews, sondern von den Fans - sagten "hell yeah! Es ist heavier als die vorherigen!", darauf haben sie gewartet.

Das ist einer der Gründe, warum ich frage, denn ich habe auch Reaktionen mitbekommen, die teils auf Enttäuschungen hindeuteten wegen zu wenig Härte, nicht der erhofften Rückbesinnung auf die ganz harten Tage.

Tomi: Ja, hauptsächlich ist es der Sound, also wir haben nicht unseren Stil oder unsere Art des Songwritings geändert. Es war viel Arbeit, aber in Sachen Sound haben wir es wirklich heavier gemacht.

Etwas allgemeiner gesprochen, was ist die grundsätzliche Intention, womöglich Message, in eurer Musik? Und, falls es eine gibt, was ist die Intention oder Message von "Circle" im Besonderen?

Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards): (Stille)

Santeri: Message ...?

Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards): (Stille)

Santeri: Nun ... als Band gesehen ... wenn ich an eine Message denke, könnte es sein, dass wir mehr unserer musikalischen Talente erforschen als zuvor. Die Arrangements sind komplexer, Entscheidungen, was in die Songs kommt, sind extremer. Aber das ist nicht wirklich eine bewusste Nachricht, denn wir haben nicht darüber nachgedacht, wir haben es nicht geplant, sondern es ist einfach so passiert im Studio. Jeder möchte seine Grenzen weiter ausloten.

Was bedeutet Musik als solches für euch persönlich?

Tomi: Was Musik mir bedeutet? Nun, es bedeutet natürlich sehr viel! (lacht) ... als Musiker. Immerhin bin ich Musiker geworden, weil Musik einen großen Teil meines Lebens ausmacht.

Es ist also diese Richtung gewesen; Musik ist ein großer Teil deines Lebens und deshalb wurdest du Musiker? Es könnte ja auch andersherum sein.

Tomi: Ja, ja stimmt. Aber das ist schon das, was ich machen will. Wenn ich nicht gerade selbst Musik mache, höre ich viel Musik. Manchmal muss man sich allerdings entscheiden, z. B. wenn du auf Tour bist, ist nicht mehr viel Platz in deinen Ohren, um dir noch Musik anzuhören.

Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards): (epic frog sound from roadie's cellphone - see outtake - Gelächter) Haha, guter Kommentar, tschüß!

Santeri, was wäre deine Antwort, was Musik für dich bedeutet?

Santeri: So ziemlich mein gesamtes Leben. Ich fing mit fünf Jahren an mit Klavier, hatte dann eine klassische musikalische Ausbildung, fing an meine eigenen Songs zu spielen, hatte eine eigene Band als ich neun oder zehn Jahre alt war. Seitdem bin ich ziemlich darauf fokussiert, zwar keine 100%, aber es war und ist immer meine Priorität im Leben. Ich habe immer noch keine Kinder, also kann ich sagen, dass es heute noch die höchste Priorität hat. Ich muss aber auch sagen, dass ich nicht mehr so viel Musik höre, aber ich denke viel an Musik, eigentlich ständig, und ich denke an unsere Musik und unsere Projekte. Wenn du viel beliebige Musik hörst und einfach Einflüsse und gute Ideen von hier und dort nimmst und zusammensteckst, wirst du immer enttäuscht. Bestimmt 90% der Musik, die ich so finde, ist nicht mein Geschmack, gefällt mir nicht. Deshalb höre ich neue Musik eigentlich nur auf Empfehlung von Freunden.

Tomi: Ich habe vielleicht zwanzig alte Alben, die ich immer noch oft höre - etwa die gleiche Problematik. Ich versuche aber auch noch gute neue Bands kennen zu lernen, so zwei pro Jahr vielleicht, die ich dann für eine Weile richtig viel höre.

OK, zurück zur Tour. Das ist der zweite Teil der "Circle Worldtour", gibt es wesentliche Änderungen zum ersten Teil im letzten Jahr?

Santeri: Meinst du die Setlist? Wir haben eine andere Supportband. Die größte Änderung ist aber, dass wir jetzt einen einstöckigen Bus haben, letztes Jahr einen Doppeldecker. In dem hier schläft man viel besser, weil die Pritschen nicht so weit oben sind. Ansonsten haben wir im ersten Teil eben keine Länder in Osteuropa besucht, also machen wir das jetzt, und dann dachten wir, dass es noch ein paar Orte in Deutschland gibt, an denen wir noch spielen könnten.

Ja, schön euch hier zu haben!

Santeri: Das ist auch der Grund, warum wir ein kleines bisschen an der Setlist geändert haben, denn bei den Shows in Deutschland gibt es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einige Leute, die nochmal kommen. Also haben wir ein bisschen umgestellt, aber nicht viel, denn wir promoten und spielen ja immer noch das aktuelle Album.

Tomi: Und wenn du zu viel änderst, werden Leute enttäuscht, die irgendwo in einem Bericht schon die Setlist gelesen haben und fest von bestimmten Songs ausgehen.

Als wir gerade hier ankamen, parkte vor mir eine junge Frau, die mit dem Auto aus Mannheim gekommen ist. Sie hat euch gerade erst in Karlsruhe gesehen und wird ihren Urlaub noch nutzen, um eure nächste Show auch noch zu besuchen. Ihr werdet verfolgt ...

Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards): Oha, ja, wow ...

Tomi: Stalker! (Gelächter) Nein, das ist okay, es sind immer wieder die gleichen Leute auf einigen Konzerten einer Tour, das ist gut.

Santeri: Es ist schön, so begeisterte Fans zu haben, die uns folgen. Macht uns aber auch Druck zu überlegen, ob wir die Setlist ändern sollen - wird es langweilig oder sind sie gerade wegen genau dieser Setlist dabei? Ein berühmter Comedian sagte mal "warum das Set ändern, wenn das Publikum doch immer das selbe ist?"

Thema Support - wie habt ihr diese Truppe aus einem kleinen Inselstaat gefunden, HAMF... wie spricht man die eigentlich aus?

Tomi: Keine Ahnung ...

Santeri: Wir nennen sie HAMFRED. (Gelächter)

Tomi: Sie haben uns letztes Jahr in Hamburg supportet, da hatten sie unsere Aufmerksamkeit, aber es war auch der Vorschlag der Plattenfirma. Wir machen uns selbst nicht zu viele Gedanken darüber, welche Band uns supporten soll, aber es ist immer ein Plus, wenn es eine gute Band ist. (lacht) Also wenn es etwas Ähnliches ist, was gut passt. Es ist nicht das Gleiche, aber es gibt ähnliche Elemente.

Also ihr verlasst euch auf die Entscheidung des Managements oder der Plattenfirma.

Santeri: Wir lassen sie entscheiden, solange wir nicht direkt etwas dagegen haben, was sie vorschlagen. Es wäre natürlich perfekt, wenn alle Bands auf einer Tour ähnlich wären, aber ich muss sagen, dass ich noch nie eine Band gehört habe, die wirklich klingt wie wir. Also wird es immer eine Band sein, die anders ist. An die HAMFRED-Jungs erinnerten wir uns von der Hamburg-Show, dann gab es den Vorschlag von vier Optionen und sie seien die stärkste, ob das für uns okay sei. Niemand hatte was dagegen, also war es okay.

Sie sind wahrscheinlich wirklich froh mit euch zu touren?

Santeri: Hoffentlich, hoffentlich. Wir versuchen nette Jungs zu sein und geben ihnen so viel Bier wie sie wollen. Wir geben ihnen sogar Vodka aus unserem Bestand, wenn sie nichts mehr haben, denn wir wissen, wie hart es ist, in einem Van zu reisen - sie können es gebrauchen. (Gelächter) Wir versuchen immer gute Gastgeber zu sein.

Gibt es möglicherweise einen großen Act, mit dem ihr mal touren wollen würdet, um einem anderen oder größeren Publikum bekannt zu werden?

Santeri: Natürlich, einige! Es wäre cool, wieder mit OPETH zu touren. Wir waren auf einer gemeinsamen US-Tour, teilten den Bus. Die sind gewachsen, vielleicht nicht riesig, aber sie sind jetzt ziemlich groß. Ich denke es wäre nett, mit ihnen zu touren. Es gibt noch andere ...

Tomi: Je größer, desto besser - einerseits ja, aber es ist andererseits auch immer teurer. Mit METALLICA zu touren ist nicht kostenlos.

Santeri: Wir sollten auch mal CHILDREN OF BODOM supporten, aber es kam nicht dazu. Nette Kollegen, wir sind quasi Freunde im sozialen Leben...

Tomi: Wir haben doch mit ihnen gespielt, zweimal, eins war Japan ...

Santeri: Ach ja, Japan. Ja, das ist die Art von Band, mit der ich das gerne machen würde. Aber Support-Tours - das ist immer eine Frage des Geldes. Es kostet. Es kostet ein bisschen oder es könnte auch richtig viel kosten.

Also was können wir erwarten von AMORPHIS in der Zukunft zu sehen und vor allem zu hören?

Tomi: Wir haben noch nicht angefangen, über das nächste Album nachzudenken. Werden wir wohl bald machen, aber es gibt keine Liefertermine.

Santeri: Wir haben schon einige Shows gebucht bis in den Herbst. Es ist also nicht viel Zeit übrig, etwas schon, aber unser Booking Agent ist ein Tier, wenn er anfängt Shows zu buchen. Wir wissen nicht, wie viele Shows es letztendlich sein werden, aber falls freie Zeit dazwischen ist, werden wir wahrscheinlich anfangen an neuem Material zu arbeiten. Weißt du, in diesen Zeiten, in denen Alben quasi nicht verkauft werden - alles ist irgendwie kostenlos, du musst auf Tour sein - da kannst du nicht warten, ein Jahr Pause machen und einfach mal nachdenken. Wenn wir nicht auf Tour sind, müssen wir neues Material produzieren - für das wir dann wieder touren können, genau. So muss es laufen, wenn du das weiter hauptberuflich machen willst, sonst musst du anfangen was anderes zu machen, LKW-Fahrer oder so. Und wenn du das machst, musst du dich vom Touren verabschieden, da du nicht einfach mal dem Arbeitgeber sagen kannst "oh, Moment, es ist Wacken, ich kann nicht ..."

Also ihr schreibt nicht oder probiert nicht aus, während ihr auf Tour seid?

Santeri: Nein.

Tomi: Nein. Ich denke jeder hat Sachen zuhause, Ideen gesammelt und so. Wenn die Zeit reif ist, fangen wir an über neues Material zu diskutieren, dann schicken wir Dateien hin und her und schauen, was wir daraus machen. Aber für mich persönlich ist es unmöglich auf Tour auch nur zu versuchen irgendwas in diese Richtung zu tun, irgendwas, wofür du nachdenken musst.

Santeri: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um auch nur ein Buch auf Tour zu lesen. Es ist ein Witz zu sagen "nimm ein gutes Buch mit auf die Tour"! Inzwischen habe ich zwei oder drei Bücher unterwegs gelesen, aber das erste hat wirklich zwanzig Jahre gebraucht. Es ist nicht so einfach, Touren ist hart.

Tomi: Bei mir das gleiche. Ich habe eine Reihe Bücher gelesen auf den Touren der letzten Jahre, aber davor gar nicht, weil du dich einfach nicht konzentrieren kannst.

Santeri: Es ist ein Mythos, dass wir da hinten im Bus in einer Lounge sitzen, Akustik-Gitarre spielen und Harmonien singen für neue Songs! Das wird nicht passieren. (Gelächter)

Das Schlusswort gehört wie immer euch, um eine Nachricht an eurer Publikum zu senden und die, die zuhause sitzen statt zu den Gigs zu kommen.

Santeri: Nun, wenn du den Gig verpasst, verpasst du den Gig! Das kannst du nicht nachholen. Ich glaube es wird eine ganze Weile dauern, bis wir wieder in Deutschland touren, denn wir müssen erst ein neues Album machen. Traurig für die Fans, die auch zu diesem zweiten Teil nicht kommen konnten, denn ich denke wir sind in der besten Form, die wir je hatten! Wir spielen eine Menge Songs aus unserer gesamten Karriere und vom neuen Album. Und ein paar besondere Songs ... (Tomi nickt zustimmend) ... die vielleicht auch etwas überraschend kommen.

Nach dieser Ansage werden es die zuhause Gebliebenen tunlichst vermeiden, die nächste Gelegenheit zu verpassen! Danke für eure Zeit, einen schönen Abend und weiterhin viel Erfolg auf der Tour.

Tomi Koivusaari (Guitar), Santeri Kallio (Keyboards): Danke!

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