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Interview mit Herman von Dragonforce

Ein Interview von Lestat vom 04.12.2012 (2461 mal gelesen)
Vor dem Konzert von DRAGONFORCE am 05.11.2012 in Frankfurt in der Batschkapp war Gitarrengott Herman Li willens, ein wenig über die Band, ihren Erfolg in Deutschland und das letzte Album zu reden.

Ihr habt vor kurzem "The Power Within" auf den Mark gebracht. War ihr mit dem Erfolg zufrieden?imgright

Herman: Was Deutschland angeht, war es bisher das beste Album, das wir gemacht haben. Aber wirklich nur bezogen auf Deutschland. Deutschland war, aus welchen Gründen auch immer, bisher immer ein Land, in dem wir nicht so recht Fuß gefasst haben. Aber auf dieser Tour waren die Shows in Deutschland die besten der gesamten Tour überhaupt.

Das überrascht mich jetzt ein wenig. Deutschland ist doch eigentlich eines der Heavy-Metal-Länder überhaupt...

Herman: Ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht haben sie einfach ein bisschen länger gebraucht, um auf den Trichter zu kommen. Jetzt sind sie es ja. Die Fans bei den Shows auf dieser Tour sind toll, es ist kein Vergleich zu vorher. Und das, obwohl wir seit 4 Jahren kein Album veröffentlicht hatten. Normalerweise müsste es dann gerade hier dauern, bis das Album durchstartet, das ist es aber dieses Mal sofort.

Und wie waren nun die Reaktionen auf das Album? Also jetzt global, nicht nur auf Deutschland bezogen.

Herman: Wichtig ist, dass die Fans und die Band das Album mögen. Die Kritiker mögen das Album, aber um ehrlich zu sein: Das ist eigentlich ziemlich egal. Kritiker haben immer etwas an einem Album auszusetzen. Würden sie es nicht mögen, würde es für mich auch keinen Unterschied machen. Aus irgendeinem Grund mögen die Kritiker dieses Album aber sogar noch mehr als die Fans.

Hast du eine Idee, woran das liegt?

Herman: Vielleicht liegt das daran, dass das Album recht abwechslungsreich ist. Und diejengen, die CDs rezensieren, scheinen das mehr zu mögen. Das letzte Album geht nach dem Motto "Wir sind DRAGONFORCE und stehen dazu in jedem Lied!" Wenn du das nicht magst, dann hau ab, dann magst du nicht unsere Art von Metal. Ich weiß aber auch nicht, was jemanden dazu qualifiziert, CDs zu rezensieren. Außer dass man Musik mag. Letzten Endes ist auch eine Kritik nur eine Meinung.

Und wie kamen die neuen Songs bisher live an? Habt ihr da Unterschiede zu den alten feststellen können?

Herman: Also manche der neueren Songs sind ein wenig langsamer, zumindest verglichen mit unserem letzten Album, auf dem jedes Lied extrem schnell war. Wir haben also einige der Lieder in die Setlist aufgenommen, um ein wenig zu variieren, damit die Leute eine kleine Pause bekommen und nicht jedes Lied schnell ist.

Ihr habt für das Album jetzt vier Monate gebraucht. Wie war der Songwritingprozess? Gab es Probleme?

Herman: Nun gut, wir haben Ende 2009 das Touren beendet gehabt. Wir haben 2010 also mit dem Schreiben neuer Lieder angefangen. Das Album zu schreiben hat ca. 1 Jahr und 4 Monate gedauert. Und dann hat es noch ca. 9 Monate gebraucht, bis wir einen neuen Sänger hatten. Einen Sänger zu finden und ihn in die Band einzubringen dauert länger, als die Leute vielleicht denken. Wenn man einfach den Sänger nimmt, singen lässt und das Album veröffentlicht, hört sich dann eher an wie ein Session-Sänger. Es fehlt dann die menschliche Interaktion. Wir haben viel geprobt, um einen Bandsound hinzubekommen, bevor wir das Album beendet haben.

Ein neues Bandmitglied zu suchen ist ja auch mehr, als nur einen Kollegen zu suchen, sondern eher ein neuer Freund.

Herman: Freund trifft es auch nicht. Es ist eigentlich noch schwerer als einen Freund zu finden, eher wie wenn man ein Familienmitlied zu finden versucht. Sicher, einige hassen ihre Familienmitglieder, wir versuchen, sie zu mögen.

Die Band ist also so eine Art Ersatzfamilie...

Herman: Hmm, naja, mit der Familie muss man nicht zusammen arbeiten. Ich muss mir nochmal darüber Gedanken machen. Frag mich das nächste Mal vielleicht nochmal, vielleicht weiß ich dann mehr.

War es denn schwer, Mark zu finden? Oder war es nur der Integrationsprozess, der so lange gebraucht hat?

Herman: Es ist immer schwer, Entscheidungen zu treffen, und man weiß direkt nach der Entscheidung nie, ob es denn die richtige Entscheidung war, es ist einfach keine Mathematik, in der es richtig und falsch gibt. Als wir uns also verschiedene Sänger angehört haben, haben wir über viele Sänger und dies und das nachgedacht, und das ist es, was den Prozess so schwierig macht. Wenn man sich für jemanden entscheidet, kommt der dann in deine Familie. Wir wollen es nicht wie NIGHTWISH handhaben, die jetzt ihre dritte Sängerin brauchen.

Ihr werdet oft nach Guitar Hero gefragt. Nerven euch die Fragen inzwischen?

Herman: Nein, das nicht. Nur denkt jeder, dass er der erste sei, der die Frage stellen würde. Die Leute kommen immer und fragen: "Könnt ihr euer eigenes Lied in Guitar Hero spielen?" und denken, sie wären die ersten, die das Fragen. Und ich sage dir, jeder fragt das.

Videospiele spielen aber eine gewisse Rolle für euch. Als ich euch das letzte Mal interviewt hatte, fiel das Stichwort "Videogame Metal", so weit ich mich erinnere...

Herman: Zu dieser Zeit, als "Inhuman Rampage" heraus kam, waren die Leute so von dieser ganzen Geschwindigkeit, dem Gefrickel auf der Gitarre schockiert, dass sie dafür einen neuen Namen brauchten. Die Leute sind darüber nun ein wenig weg, und sie können es von mir aus nennen wie sie wollen. Aber 90% der Musik ist Metal, es ist nur unser Einfluss. Und nur die letzten 10% sind etwas anderes, und die Leute hören es und sagen "Hey, das ist Videogame Metal!"

Aber die Einflüsse sind nicht zu übersehen, ihr hatte mal ein Intro oder Outro, das sich wie das Theme von "Streetfighter II" angehört hat...

Herman: Natürlich, es ist einfach die Musik, die wir auch hörten, als wir Kinder waren und die Spiele gespielt haben. Aber die Musik "Videogame Metal" zu nennen, betont das zu sehr. Der Staub hat sich ein wenig gelichtet, "Inhuman Rampage" kam vor sechs Jahren auf den Markt, und inzwischen sehen die Leute mehr den Metal.

Wie kam es denn dazu, dass ein Lied von euch für Guitar Hero genommen wurde? Und wie war es, schließlich dann doch selbst in einem Computerspiel aufzutauchen?

Herman: Die Hersteller kamen einfach auf uns zu und fragten, ob wir Guitar Hero kennen würden und ob sie das Lied verwenden können. Und da wir Guitar Hero I und II auf der Playstation kannten, stimmten wir zu. Aber die Computerspielmusik, durch die wir beeinflusst wurden, war etwas völlig anderes. Die wurde damals durch einfache Schaltkreise erzeugt. Es ist also was anderes als heutzutage, wenn sich alles wie echt anhört. Die Musik hört jetzt mehr nach Samples oder tatsächlich aufgenommen an. Ich denke aber dennoch, dass es etwas Tolles ist, bei Computerspielen verwendet zu werden, und auch, dass DRAGONFORCE einiges von der Energie und der Atmosphäre von Computerspielen haben.

Das erste Konzert mit eurem jetzigen Sänger Marc Hudson war vor IRON MAIDEN. War das nicht ein wenig gewagt, das erste Konzert mit dem neuen Sänger als Vorband einer der größten Metalbands überhaupt zu geben?

Herman: Das war ein Test. Er hatte bis dahin noch keine Show mit uns gemacht. Und die Show danach war auch als Vorband von IRON MAIDEN. Wie soll ich es sagen: Der Mensch braucht Druck. Ohne Druck würdest du nichts machen, sondern nur da sitzen und entspannen. Das war der Druck, den wir brauchten. Nicht nur für Marc, sondern auch für die Band. Es hat einfach jeden dazu motiviert, sich anzustrengen. Man darf Sachen einfach nicht zu einfach machen.

Ihr seid ja nun schon wieder einige Zeit auf Tour. Wisst ihr schon, wann das Touren aufhören wird und ihr euch wieder ans Songwriting setzt? Oder habt ihr schon etwas geschrieben?

Herman: Wir haben sogar schon etwas geschrieben. In der Vergangenheit haben wir das nicht gemacht, wir haben immer erst mit dem Schreiben neuer Songs angefangen, wenn die Tour zuende war. Deshalb hat es auch immer so lange gedauert, bis wir neue Lieder hatten. Die Tour wird unter Garantie jedenfalls mindestens bis Mitte nächsten Jahres gehen, wir denken so an Ende nächsten Sommer. Wir haben alleine in Europa 48 Shows gegeben, und auf der Welt gibt es viele Orte abzudecken. Frühere Touren waren auch immer recht ausgedehnt: Die "Inhuman Rampage-Tour" hatte in etwa 325 Konzerte, die "Ultra Beatdown-Tour" hatte 256 Konzerte. imgleft

Und wie läuft das Schreiben der neuen Lieder?

Herman: Es ist schwierig, Neues zu Schreiben, wenn du 25 Shows hintereinander spielst. Du konzentrierst dich dann auf die Show, deine Gedanken haben dann einen musikalischen Overload.

Was hat sich bei DRAGONFORCE aus deiner Sicht vor allem verändert in den letzten Jahren?

Herman: Wir waren am Anfang mehr dahinter her, Party zu machen als zu spielen. Wir konzentrieren uns jetzt mehr auf die Musik. Damals war es mehr so: "Wir gehen jetzt auf Tour, lasst uns betrunken werden!" Wir mussten einfach auch noch rausfinden, wie alles funktioniert auf Tour.

Ich bedanke mich für das Interview. Die letzten Worten gehören dir!

Herman: Ich möchte den Fans in Deutschland danken, uns die ganze Zeit unterstützt zu haben und uns zu hören. Das ist unsere letzte Show in Deutschland vorerst, vielleicht sind wir nächstes Jahr auf den Festivals zurück.

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05.11.2012 Frankfurt am Main (Batschkapp) von Lestat

20.02.2009 Köln (Essigfabrik) von Elvis

09.12.2007 Wiesbaden (Schlachthof) von Lestat

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