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Interview mit Gerre von Tankard

Ein Interview von Opa Steve vom 16.07.2012 (2363 mal gelesen)
Gerre hatte sich während der Promo-Tage schon so richtig warmgeplappert, bevor er dann uns irgendwann abends anrief, um über die neue Scheibe und 30 Jahre TANKARD zu quatschen.

Hallo Gerre! "A Girl Called Cerveza" - Frauen und Bier auf einer Scheibe, wow! Eigentlich ein Traum - aber warum ist die Dame auf dem Cover dann so hässlich?

Gerre: Na das ist doch mal 'ne Einstiegsfrage (lacht)! Ich finde die gar nicht so hässlich. Wenn du die genau anguckst, wirst du feststellen, dass das die Zwillingsschwester vom "King Of Beer" ist. Dieser Kumpel ist ja auch auf der "B-Day" und auf der "Thirst"...

... ja, genau! Der mit der Gerre-Gedächtnisfigur!

Gerre: Mit der Gerre-Gedächtnisfigur ... ja, Abnehmen ist leicht, halten ist schwer!

Aber ein Bier ist doch was Feines! Ich hätte da schon erwartet, dass Cerveza auf dem Cover besser aussehen würde.

Gerre: Dafür sieht das Mädel, was in unserem Videoclip mitspielt, doch etwas besser aus, als die auf dem Cover!

Hat also nicht so viel Ähnlichkeit?

Gerre: Neeeeee, hat nicht so viel Ähnlichkeit damit, hahaha!

Wie sähe denn ein Mädel aus, was Äppelwoi heißt?

Gerre: Das ist eine sensationell gute Frage, da müsste ich mir langsam mal Gedanken darüber machen (lacht)!

Hast ja noch 30 Jahre Zeit.... denn so lange seid ihr jetzt im Geschäft. Wenn dir das damals jemand gesagt hätte, hättest du das geglaubt?

Gerre: Nein, natürlich nicht. Wir waren ja alle so um die 14, 15 rum und haben einfach angefangen, Krach zu machen. Hätte natürlich nie jemand gedacht, aber ich bin schon ein bisschen stolz drauf, dass wir so lange durchgehalten haben. Wir haben uns nie verbogen, und es gab keine Reunions. Und das, obwohl Mitte der 90er eine harte Zeit für Thrash-Metal war. Wenig Konzerte, wenig Plattenverkäufe. Aber wir haben durchgehalten, und es gab auch nie irgendeinen Ansatz, die Band aufzulösen oder so.

Das Schöne an TANKARD ist ja, dass ihr relativ konstant geblieben seid. Ihr tourt noch durch die gleichen Clubs, aber ihr seid auch nie kaputtgegangen.

Gerre: Wir sind unkaputtbar! Aber jetzt kommt natürlich der große Durchbruch, und dann treten wir auch in Stadien auf!

Mit NuBla im Rücken doch sowieso, oder?

Gerre: Also, wir sind schon froh, da unterschrieben zu haben. Da läuft eine ganz andere Maschinerie an, und die reißen sich den Arsch auf, gerade in Sachen Promo. Das könnte durchaus noch ein Schritt nach vorne sein.

Würdest du dann bodenständig bleiben und weiter einem geregelten Einkommen nachgehen, oder würdest du auch von der Band leben wollen?

Gerre: Naja, das haben wir eigentlich schon lange ad acta gelegt, dass wir nur noch von der Musik leben. Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, wir haben alle unsere Jobs, die anderen auch Family. Wir können halt nicht monatelang auf Tour gehen, das ist klar. Aber wir spielen so oft es geht, sind auch gut auf Festivals vertreten. Dazu kommen noch Shows in ganz Europa. Wir geben unser Bestes!

Bevor wir über's Album quatschen, würde ich gerne eine Art verbalen "Rohrschach-Test" mit dir machen. Ich nenne dir ein Stichwort, und du sagst mir spontan, was sich da in 30 Jahren geändert hat.

Gerre: Okay, dann probieren wir das mal!

"Lautstärke"

Gerre: Es gibt immer mehr Leute, die mit Ohrenstöpseln live spielen. Kommt für mich überhaupt nicht in Frage.

"Trinken"

Gerre: Ist alles nur Image bei TANKARD - haben wir noch nie gemacht, und werden wir auch nie machen.

"Hotelzimmer"

Gerre: Sehen nach Verlassen nicht mehr ganz so wild aus wie vor 30 Jahren.

"Frauen"

Gerre: Frauen sind das zweitbeste Geschlecht nach uns Männern, und das hat sich in 30 Jahren auch nicht geändert (lacht).

"Körpergewicht"

Gerre: Sehr schwankend. Mal nach oben, mal nach unten. Hoffe, dass es jetzt mal bleibt.

"Konto"

Gerre: Immer noch im Minus.

Vielen Dank, daraus machen wir jetzt ein Psychogramm!

Gerre: Ja, vielleicht kann mir ja jemand helfen, hahahaha!

Kommen wir nun zur neuen Scheibe - ihr habt wohl den fettesten Gitarrensound, den ihr je hattet. Wie verlief die Produktion?

Gerre: Keine Ahnung, wieviele Spuren das waren, aber man hat schon sehr lange dran gesessen. Wir haben ja wieder mit Micha Mainx zusammengearbeitet und die Möglichkeit, hier in Frankfurt ins Studio 23 zu gehen. Das gehört den ONKELZ, ist also ein richtiges Hightech-Ding. Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt, und uns war bewusst, dass wir soundmäßig was verändern wollten. Wir waren zwar immer zufrieden mit Andy Classen, aber wir wollten mal bisschen was Erdigeres haben, aber die Gitarren sollten knallen. Und ich glaube, diese Kombination ist gut gelungen. Der Sound knallt auf jeder Anlage sehr gut, aber trotzdem ist er sehr transparent.

Beim Titelsong ist mir aufgefallen, dass er einen ausgesprochenen Hymnencharakter hat.

Gerre: Wir schreiben immer nur Hymnen, hehe! Also der Refrain ist von Andy Bulgaropulos. Er kam mit einem kompletten Song an, aber wir haben nur den Refrain davon genommen. Und unser Andy Gutjahr hat dann was drumrum gebastelt. Der Song hat etwas punkiges. Es gibt aber noch andere Songs, die gut im Ohr bleiben. Privat höre ich ja auch zu 99,9% Metal, und meine Faves sind immer da, wo irgendwas im Ohr hängen bleibt. Das versuche ich bei TANKARD natürlich auch.

Das andere, was mir auffiel, ist, dass einige traditionelle NWOBHM-Einflüsse drin sind, die ich von euch auch nicht so kenne. 'Son Of A Fridge' zum Beispiel. Der könnte auch aus den frühen 80ern stammen.

Gerre: Also beim Songwriting ist es so, dass wir uns jetzt nicht zusammensetzen und überlegen, in welche Richtung die nächste Platte gehen soll. Wir fangen mit dem Songwriting aus dem Bauch heraus an, und wenn wir dann ins Studio gehen, sehen wir, was dabei herausgekommen ist. Wo TANKARD draufsteht, ist natürlich TANKARD drin, aber man versucht auch, sich selber nicht total zu kopieren, sondern hier und da auch mal was Neues auszuprobieren. Da sind dann ein paar melodische Ansätze, aber es gibt auch so Oldschool-Sachen; wie 'Not One Day Dead', der hätte auch vor 20 Jahren auf der Platte sein können.

Was meinst du, was die Konstante bei TANKARD ist - jetzt mal von deiner Stimme abgesehen. Ist es vielleicht Frank, der schon lange Songs für euch schreibt?

Gerre: Bei den letzten beiden Platten hat vor allem der Andy viel geschrieben, der Frank hin und wieder... Es ist wohl die Kombination aus Thrash und viel Humor. Dafür steht TANKARD. Wir nannten ja auch unser erstes Demo "Alcoholic Metal" und haben viel für unser Image getan. Davon wollten wir in den 90ern mit so Alben wie "Two Faced" auch ein bisschen weg - hat natürlich überhaupt nicht funktioniert. Heutzutage nehmen wir das mit einem zwinkernden Auge und parodieren unser eigenes Image selbst ein bisschen.

Jetzt ist ja 'Witchhunt 2.0' ein Text über Cyberbullying. Das ist ja eigentlich ein ernstes Thema.

Gerre: Das ist ein ernster Text und es geht um die ganzen Leute, die irgendwas über andere ins Internet setzen und Bullshit über dich erzählen. Ich HASSE das, wie sich die Leute in Foren immer so beschimpfen. Wer irgendein Problem hat, der soll das doch Face-To-Face klären. Das ist ja auch billig, irgendwo hinter'm PC zu sitzen und irgendeinen Bullshit von sich zu geben.

Das ist für TANKARD aber schon ungewöhnlich.

Gerre: Eigentlich machen wir das seit 1000 Jahren schon so, dass wir versuchen, eine Mischung aus witzigen Sachen und ersteren Themen hinzukriegen.

Wie konntet ihr Doro für 'Lady Metal Boy' gewinnen?

Gerre: Mit meinem Charme, hahaha! Naja, das war ganz witzig. Wir waren ja letztes Jahr in Thailand, und da weiß man wirklich nicht mehr, wer Männlein und Weiblein ist. Dann kam ich auf die glorreiche Idee, natürlich darüber einen Song zu schreiben. Ich bin bekennender Doro-Fan seit 11 Millionen Jahren und war letzten Dezember hier in Aschaffenburg auf ihrem Konzert. Doro hat mich dann erblickt und meinte "Hey, Gerre von TANKARD, komm mal auf die Bühne!". Ich musste dann noch 'All We Are' mitgrölen, aber bin dann schnell wieder runter, denn ich hatte schon etwas getankt. Naja, später im Backstage-Raum hab ich dann ganz frech gefragt: "Hey Doro, wir schreiben ein Liebeslied für die nächste Platte, das musst du unbedingt mit mir im Duett singen.". Wir haben dann Adressen ausgetauscht, ich habe ihr die Demo-Version des Songs zugeschickt; den fand sie dann recht gut, und letztendlich hat sie das dann gemacht. Den Text hat sie erst zum Schluss gekriegt, wo es kein Zurück mehr gab. Das haben wir ganz schlau eingefädelt! Das ist übrigens mein absoluter Lieblingssong auf der Platte!

Mal was über's Business....

Gerre: ... Ouh!

Anlässlich der gestrigen Demo in Berlin gegen die GEMA-Tarifänderung habe ich ein wenig recherchiert, und dabei festgestellt, dass ihr dort bei den alten Alben nur mit jeweils einem Autor für Text und Musik registriert seid, heute aber mit der ganzen Band. Hat das einen geschäftlichen Hintergrund, oder schreibt ihr wirklich alle Songs zusammen?

Gerre: Wir haben das glaube ich ab der "B-Day" umgestellt. Wir teilen eh alles durch Fünf. Vier Musiker und ein Manager. Und von daher haben wir das irgendwann dann umgestellt. Das war der einzige Hintergrund. Ich weiß, dass das in vielen anderen Bands anders gehandhabt wird, die auch wirklich die Songs geschrieben haben. Aber bei uns wird wirklich alles durch alle geteilt. Nein, aber ich habe mich mit dieser Thematik noch nicht genau beschäftigt. Ich weiß nur grob, dass GEMA ab nächstem Jahr umstellen will, dass dann immer 10% der Einnahmen für Konzerte abgedrückt werden sollen. Das ist natürlich absolut indiskutabel, denn es trifft ja dann hauptsächlich die kleineren Konzerte und Veranstalter. Absolute Schwachsinnsidee, kann ich da nur sagen. Ich weiß nicht, was das soll. Die GVL hat ja auch umgestellt. Früher hast du ein Drittel ausgezahlt bekommen, was du an Lizenzen bekommen hast. Jetzt musst du alles nachweisen, was wo und wie im Radio gespielt wurde. Sprich: Für kleinere Bands gibt's kein GVL-Geld mehr. Ich kenn' mich mit dem ganzen Business-Kram nicht so gut aus, aber wenn ich so 'nen Scheiß höre, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Ja, weg vom leidigen Geschäft, zurück zum Spaß: Als alter Moderator der Rock-Guerilla-DVD hast du jetzt natürlich einen Kultstatus erreicht. Hattest du jetzt als Moderator einen Popularitätsschub wegen TANKARD, oder profitiert TANKARD von der Rock-Guerilla-DVD?

Gerre: Wir sollten das ja nur einmalig machen vor fünf Jahren. Und das war ja auch ganz witzig. Aber der Götz rief dann an und meinte: "Ihr müsst weitermachen, das war so geil und die Leute finden's gut!". Und aus der Nummer kommen wir auch nicht mehr raus. Das ist eine schwierige Frage. Ich denke schon, dass es für die Band gut ist - zumindest für die Leute, die das mögen. Manche mögen das ja auch gar nicht, diese Art von Humor. Aber da der Bandname auftaucht, wird das schon eine Art Werbung für die Band sein. Wir haben ja auch zusammen einen Song gemacht, und da gibt's auch fast ausschließlich positive Reaktionen. Wir haben den auf dem RockHard-Festival auch unangekündigt präsentiert, nachdem wir ihn morgens um 12 mal geprobt hatten. Ist auch gut angekommen, und er wird auch auf der nächsten RockHard-DVD drauf sein.

Und der Bobby denkt sich sicher schon tagelang irgendeinen Kalauer aus, wie er eure neue Scheibe runtermachen kann...

Gerre: (lacht) - Ja, schauen wir mal!

Habt ihr euch für die 30-Jahre-Jubiläumstour eigentlich irgendwelche Gimmicks oder Überraschungen ausgedacht?

Gerre: Es ist ja keine richtige Tour, wir spielen viele Einzelshows. RockHard war ja als Special Anniversary-Show angekündigt. Da hatten wir dann das nette Mädel, was auch in unserem Videoclip mitspielt. Dann haben wir noch den King Of Beer auf die Bühne geholt. Aber ansonsten kann ich nur sagen: Jede Show wird zu einer Geburtstagsfeier umfunktioniert.

Wie war denn so das Gefühl, als Hesse auf der 70000 Tons Of Metal mitzufahren?

Gerre: Das war ja vier Tage Dauerparty! Wir haben viele nette Leute kennengelernt, und du konntest morgens noch in die Metal-Karaoke-Bar gehen. Wir bringen ja auch eine limitierte Auflage raus, da ist eine DVD dabei. Die beinhaltet den Video-Clip, dann eine Bootleg-Aufnahme von unserem Auftritt morgens um Vier, und noch ein Interview, welches wir am Strand von den Cayman-Islands gemacht haben. Das war sehr witzig. Wir haben bei ein paar Kumpels auf dem Balkon gesessen, und mussten dann langsam zurück auf's Schiff, und dann meinte einer: Für euren Transport ist gesorgt. Und auf einmal kam 'ne Stretch-Limousine vorgefahren.

Klingt toll! Ich wäre dann nun am Ende von meinen Fragen. Du hast jetzt die Gelegenheit, die berühmten letzten Worte an unsere Leser zu richten. Alles, was du schon immer loswerden wolltest!

Gerre: Ich kann mich nur bei allen Leuten bedanken, die uns in den letzten 30 Jahren supportet haben. Natürlich diejenigen, die mit uns alt geworden sind, aber auch die Jungen, die die Liebe zum Thrash entdecken. Ohne die Fans wäre eine Band wie TANKARD Nichts. Stoßen wir an auf die nächsten 30 Jahre!

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