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Interview mit Neil Starr (Sänger) von Phil Campbell And The Bastard Sons

Ein Interview von Stormrider vom 01.02.2019 (383 mal gelesen)
Kurz vor dem Gig im Aschaffenburger Colos-Saal (Livereview) trafen wir einen äußerst freundlichen und gut gelaunten Neil Starr, der uns ein wenig über seine musikalischen Einflüsse erzählt hat.

Hi Neil, danke, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Da Euer aktuellstes Album auch schon bald vor einem Jahr veröffentlicht wurde, möchte ich den Fokus ein wenig mehr auf Dich und Deine Einflüsse legen. Erzähl doch mal ein wenig über Deinen Werdegang und die Gründe, die Dich zum Musikmachen bewegt haben.

Neil Starr: Ehrlich gesagt, hat mich Musik als Kind nicht besonders interessiert. In meinem Elternhaus lief hauptsächlich BARRY MANILOW, was mich nicht besonders inspiriert hat. Mit elf oder zwölf Jahren habe ich dann eine Fernsehsendung gesehen, die eigentlich gar keine Musiksendung war. Es wurde auch immer nur ein Song von einer Band vorgestellt. In dieser Woche waren es NIRVANA, die 'Smells Like Teen Spirit' gespielt haben. Ich war komplett geflasht und von dem Moment an, hat sich für mich alles verändert. Die Woche darauf waren es RAGE AGAINST THE MACHINE, und das hat alles bestätigt, was in der Vorwoche zu sehen war. Das hat mich dann wirklich zur Musik gebracht. Dabei wollte ich am Anfang gar kein Sänger werden und habe mir erstmal eine Gitarre gekauft. Da wir für die unsere erste Band keinen Sänger gefunden haben, hab ich es gemacht und bin dann auch dabei geblieben. Wobei das jetzt das erste Mal ist, dass ich wirklich nur der Sänger bin. In all meinen Bands zuvor war ich immer Gitarrist und Sänger. Ich musste mich daher wirklich erst einmal daran gewöhnen, dass ich auf der Bühne keine Gitarre mehr habe. Mittlerweile habe ich mich aber ganz gut daran gewöhnt.

Wie ging denn Deine musikalische Geschichte nach NIRVANA und RATM weiter?

Neil Starr: Ich habe dann eine Weile ziemlich viel Grunge gehört, also wirklich die ganzen klassischen Bands dieser Zeit, PEARL JAM, SOUNDGARDEN, ALICE IN CHAINS. Davon ausgehend habe ich mich dann immer weiter in der Zeit zurückgearbeitet, so ganz klassisch über die Thanks-Listen in den CDs. Wenn diese Band die Band "X" nennt, dann sollte ich mir die wohl auch mal anhören.

Und war Dir da schon bewusst, dass Du es mal professionell mit der Musik versuchen möchtest, oder war es zu dem Zeitpunkt noch der Hobbygedanke?

Neil Starr: Nein, in dem Moment als ich 'Smells Like Teen Spirit' gehört hatte, wusste ich, dass ich lieber doch kein Fußballer werden möchte, sondern Musiker.

Wenn man sich in dem Alter für die Musik entscheidet, wie lief es dann in der Schule? Warst Du da eher der rockstarmäßige Troublemaker, oder hast Du es trotzdem anständig mit der Schule gehalten?

Neil Starr: Ich hatte einen großen Freundeskreis, der aber zu dem Zeitpunkt hauptsächlich den Traum Fußballer hatte. Ich mit meinem plötzlichen Schwung hin zur Rockmusik war dann spontan der "Ausgestoßene" (lacht). Nein, durch den riesigen Erfolg von NIRVANA, den Mainstreameintritt von METALLICA und auch GREEN DAY kannten meine Kumpels das natürlich auch alle, sodass ich da keine Probleme hatte.

Du hast es ja offensichtlich in eine tourende Band geschafft, die sowohl auf großen Festivals, als auch in kleinen Clubs auftritt. Präferierst Du eine der beiden Varianten?

Neil Starr: Nein, ich spiele gerne sowohl in Clubs als auch auf Festivals. Die Energie eines Clubs hat etwas sehr Spezielles und Persönliches, weil man den Fans direkt in die Augen sehen kann. Diese sehr direkte Energie bekommst Du auf einem Festival nicht, aber das Flair und Menschenmenge auf einem Festival hat auch etwas sehr Eigenes. Ich spiele wirklich beides gerne.

Wenn Du eine Million Dollar in Eure Show stecken könntest. Welche Effekte würdest Du Dir wünschen?

Neil Starr: Ich denke, ich würde gar nicht so einen spektakulären Specialeffekt auswählen. Vielleicht ein wenig in Richtung SLIPKNOT, die ja immer viel mit Flammen machen. Das ist schon sehr cool.

Gibt es denn eine Touranekdote, die Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Neil Starr: Wir haben ein paar Gigs mit GUNS N' ROSES gespielt, das war wirklich unglaublich. Vor über 100.000 Fans in Imola aufzutreten und dabei nicht einmal das Ende der Leute zu sehen, das war schon ziemlich surreal. Das vergesse ich bestimmt nicht. Ansonsten sind es aber auch all die lustigen Geschichten, die uns Phil immer erzählt. Ihm zuzuhören, wenn wir in der Buslounge sitzen, ist schon fantastisch. Daneben treffen wir natürlich eine Menge Leute, die man normalerweise nicht mal eben trifft, die aber einfach Freunde von Phil sind. Letztens zum Beispiel haben wir Brian May getroffen.

Du hast gerade Eure Gigs mit GUNS N' ROSES erwähnt. Wie stehst Du zur Reunion?

Neil Starr: Die Shows waren der Hammer. Ich habe zwar auch andere Stimmen zu anderen Gigs gehört, aber die Shows, die ich gesehen habe, die waren wirklich grandiose Shows. Slash war fantastisch!

Nimmst Du Dir auf Tour eigentlich ein wenig Zeit, um Dir die Städte anzusehen, in denen ihr auftretet?

Neil Starr: Ja, das mache ich. Aber ehrlich gesagt ist der Grund der, dass ich alte SEGA-Spielekonsolen und Spiele dafür sammle und in den Städten immer in die Shops gehe, um nach Schätzen zu suchen. Hätte ich dieses Hobby nicht, dann wäre ich vermutlich etwas zu faul, um mir die Städte anzusehen.

Neben der Leidenschaft für Old-School-Videokonsolen, wie vertreibst Du Dir die Zeit bis zu den Gigs oder an einem Day Off?

Neil Starr: Ich weiß nicht, ob ich das wirklich sagen sollte, aber ich spiele Pokemon Go (lacht). Ehrlich gesagt, ist es leider der Klassiker, dass man viel Zeit mit Warten verbringt und sich der Tag auf Soundcheck, Interviews und Show konzentriert. Also nichts Außergewöhnliches. Nach der Show schaue ich dann meistens noch einen Film, um etwas runterzufahren.

Neil, stell doch bitte mal Deine absolute Traumband zusammen. Egal, ob die Musiker noch leben oder nicht.

Neil Starr: Schwierige Frage. Wenn es eine Band gibt, die ich gerne noch gesehen hätte, dann die BEATLES. Auch NIRVANA habe ich nie gesehen, ich hatte ein Ticket für die Tour, vor der sich Kurt umgebracht hat. Das Ticket habe ich sogar heute noch.

Ich stelle diese Frage gerne, und Du bist der Erste der ausschließlich "echte" Bands angegeben hat. Normalerweise ist es immer ein Hin- und Hergeschiebe. Gitarrist X und Bassist Z, oder doch lieber Gitarrist A und Drummer C oder doch H.

Neil Starr: Ja, das wollte ich auch erst machen, aber das hat im echten Leben mit zwei meiner Lieblingsbands nicht funktioniert. Ich liebe RAGE AGAINST THE MACHINE, ich liebe SOUNDGARDEN, also hätte AUDIOSLAVE meine Lieblingsband aller Zeiten sein müssen, aber ich habe nie Zugang dazu gefunden. Ich fand es nicht mal schlecht, aber ich dachte, ich müsste es lieben, aber die erwartete Magie hat sich in der Konstellation für mich einfach nicht eingestellt. Ich nehme daher die sichere Variante mit den BEATLES.

Welche drei Alben oder Songs sind denn für Dich so wichtig, dass ohne sie Dein Leben nicht das gleiche wäre?

Neil Starr: Ich muss nochmal 'Teen Spirit' nennen, es ist der Song, der mich zur Rockmusik gebracht hat. Dann unser Song 'Spiders'. Es ist der erste Song den wir gemeinsam geschrieben haben und der uns gezeigt hat, dass wir zusammen Musik machen und schreiben können. Er bedeutet mir deshalb sehr viel. Und jetzt kommt noch eine schnulzige Antwort. 'Mandy' von BARRY MANILOW, der Song erinnert mich einfach an zuhause und wird immer in meinem Herzen sein. Der beste Song aller Zeiten ist für mich aber 'Bohemian Rhapsody', wann immer ich den Song höre, er bläst mich jedes Mal aufs Neue um. Und ich habe ihn schon tausende Male gehört.

Wenn Du wählen könntest, was der letzte Song sein soll, den Du jemals hören würdest, bevor Du stirbst, welcher wäre es?

Neil Starr: Wow, das ist schwer. Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt (überlegt eine Weile). Ich denke nicht, dass ich etwas nehme, was besonders heavy ist, eher etwas Ruhiges und Emotionales. Vielleicht wäre 'February Stars' von den FOO FIGHTERS eine gute Wahl. Meine Tochter ist im Februar geboren und der Song versetzt mich immer in dieses Gefühl, und wenn ich wüsste, dass dies der letzte Song ist, den ich hören werde, dann möchte ich dieses Gefühl noch einmal haben.

Jetzt hab ich noch ein kleines Crossfire für Dich. Whiskey oder Bier?

Neil Starr: Bier!

Laut oder leise?

Neil Starr: Laut, eine Rockshow muss laut sein.

CD oder Vinyl?

Neil Starr: Vinyl!

Live oder Studio?

Neil Starr: Live!

Retro oder modern?

Neil Starr: Retro!

Schlafen oder Party?

Neil Starr: Schlafen!

Master Of Puppets?

Neil Starr: Pulling The Strings!

Kannst Du uns zum Abschluss noch ein paar Infos geben, für wann das nächste PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS-Album geplant ist?

Neil Starr: Phil steht kurz davor, sein Soloalbum fertigzustellen, dass er mit einer Vielzahl an verschiedenen Musikern eingespielt hat. Aus diesem Grund haben wir auch noch nicht mit dem gemeinsamen Songwriting angefangen. Vielleicht beginnen wir im Frühling mit dem Schreiben, aber etwas Genaues kann ich noch nicht sagen.

Damit sind wir auch schon am Ende unseres kleinen Interviews. Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns einen Einblick in Deine Einflüsse zu geben. Wie es bei uns gute Tradition ist, gehören die letzten Worte Dir.

Neil Starr: Ich bin ja vor allem selber Musikfan, also kann ich nur allen sagen. Supportet Musik! Geht auf Konzerte, unterstützt die Bands, die Magazine und den Underground! Klar, wusstet ihr das auch ohne mich, aber wenn ich die Chance habe, dann ist das etwas, dass ich sagen will. Musik ist wie eine Medizin, eine Therapie und jeder Support für die Musik ist wertvoll, um sie am Leben zu erhalten.

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