Festival Previews
ROCK HARD Festival 2017

Festival Reviews 2017
See Rock Festival 2015 // picture gallery
Take off: 30.07.2015 - Review (3606 mal gelesen)

See Rock Festival 2015

Take-Off

In den letzten Jahren fand das See Rock Festival immer an 2 Tagen statt; trotz großer Bands im Programm und gutem Besuch stand es für 2015 längere Zeit im Raum, ob das Festival überhaupt stattfinden wird. imgrightUnd doch, es gab ein See Rock 2015, auch wenn es deutlich redimensioniert wurde: von 2 Tagen wurde es auf einen Tag gekürzt und auch das Konzertgelände wurde gegenüber 2014 deutlich verkleinert. Doch das tut der Vorfreude keinen Abbruch, sind für 2015 doch große Namen wie die extrem selten live zu sehenden Legenden JUDAS PRIEST oder ACCEPT angekündigt. Man kann konstatieren, dass im Lineup mindestens 3 Namen stehen, die Headlinerstatus haben würden; doch auch alles, was davor spielt, hat einen Status zwischen "gut bekannt" und "Legende".

Die Anreise zum Festival gestaltet sich wie immer unkompliziert. Der Schwarzlsee liegt direkt an einer Autobahnabfahrt und daher kommt es zu keinerlei Staus. Die Einweisung in die Parkplätze, die nahe zum Gelände liegen, gestaltet sich reibungslos und ohne großen Zeitverlust. Der einzige Punkt, der für Unbehagen sorgt, ist die Wettervorhersage, die Regen für den gesamten Festivaltag ansagt. Doch während Wacken am selben Tag im knöcheltiefen Schlamm versinkt, bleibt es am See Rock Festival während des ganzen Tages und Abends trocken. Nur den angeschlossenen Badeteich wird ob der nicht gerade sommerlichen Temperaturen an diesem Tag kaum ein Festivalbesucher nutzen.

Teil 1: LOKALBANDS

2014 war das Festivalprogramm in 2 thematisch unterschiedliche Tage gegliedert: Am ersten Tag, dem Rock 'n' Chill-Day, spielten klassische Hardrockbands wie URIAH HEEP, AIRBOURNE, die SCORPIONS und STATUS QUO, während am zweiten Festivaltag, dem Heavy-Metal-Day, die härte Gangart am Zug war: BELPHEGOR und DIMMU BORGIR gaben sich ebenso die Klinke in die Hand wie auch BLIND GUARDIAN und SLAYER. Auch heuer gibt es eine Art thematische Trennung, und zwar spielen in einem ersten Block relativ junge und unbekannte Bands, während danach die arrivierten Acts am Zug sind. An sich eine gute Idee, denn grundsätzlich liefern die Newcomer durchwegs klasse Auftritte ab, allerdings wird dieser Block in 70 Minuten durchgepeitscht mit jeweils 10 Minuten Spielzeit und 5 Minuten Umbauzeit. Dadurch haben weder Band noch Publikum Zeit, richtig warm zu werden. Das Konzept sollte man überdenken.

imgleftDenn man muss sagen, auch wenn diese ersten fünf Bands des Tages noch gänzlich unbeschriebene Blätter sind, liefern sie dennoch durch die Bank gute Auftritte und abwechslungsreiche Musik. Die startenden MAD SOUL EMPIRE haben die undankbare Aufgabe, bereits kurz nach Einlass ihren Slot zu haben und spielen daher nur vor ihrer engeren Verwandtschaft, überzeugen aber mit einer jungen Sängerin, während die danach folgenden EBONY ARCHWAYS die Klammer zum Headliner JUDAS PRIEST herstellen. Vor allem EBONY ARCHWAYS Sänger Michel Sedaghat (Bild rechts) steht einem jungen Halford in nichts nach und die gesamte Band, die schon seit 1999 besteht, zockt ihre Songs mit einer bestechenden Coolness herunter. REST IN FEAR hingegen machen schon optisch einen professionellen Eindruck mit einheitlichen Bühnenoutfits und einem kleinen Backdrop, der das Keyboard verziert. Musikalisch liefern REST IN FEAR fette Gitarrenriffs und Gesang, der gekonnt zwischen Growls und Klargesang wechselt.

Musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlagen DETRACED, die aber melodischer agieren als die zuvor spielende Band. Gerade bei DETRACED wird noch einmal die Problematik der kurzen Spielzeit, in der sich nur 3 Songs ausgehen, klar: die Band ist erst gegen Ende ihrer Spielzeit warmgelaufen und der Funke springt gerade auf das Publikum über, da ist der Auftritt auch schon wieder zu Ende. CANNONBALL RIDE haben schon Festivalerfahrung und sogar ihren eigenen schmucken Backdrop mitgebracht. Der musikalische Kontrapunkt im Newcomerblock versetzt dem Publikum gehörige Stromstöße (auch wenn das Gelände noch schütter besetzt ist). Sänger Siegfried Kröpfel fegt wie nach einem Griff in die Steckdose über die Bühne und verströmt ansteckende Energie. CANNONBALL RIDE nutzen durch ihre kompakten Songs die zehn Minuten bestens setzen einen würdigen Schlusspunkt unter den ersten Block.

Teil 2: Mit Dynamit zum Priester

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KISSIN' DYNAMITE

Mit KISSIN' DYNAMITE geht das Festival dann richtig los. Man kennt den Effekt, dass es zwischen Vorgruppen und Hauptacts immer einen qualitativen Sprung gibt: plötzlich ist der Sound besser, das Licht wird besser und die Band agiert professioneller - so auch bei KISSIN' DYMANITE, die zum einen einfach einen coolen 80er Hardrock runterzocken und zum anderen es aber auch spielend schaffen, mit ihrer energiegeladenen Performance das Publikum mitzunehmen. Damit wird die Latte für BEYOND THE BLACK schon relativ hoch gelegt. BEYOND THE BLACK ließen in der Vergangenheit durch zweierlei Umstände aufhorchen. Zum einen mit ihren überraschenden Charterfolgen in Deutschland und Österreich, zum anderen durch ihr rasantes Erscheinen aus dem Nichts. Die Bandgeschichte liest sich seltsam, die erste Platte wurde produziert, bevor es die Band gab und keiner der Musiker wirkte auf dem Debütalbum mit, aber live präsentiert sich die Truppe rund um Sängerin Jennifer Haben als Einheit und Band. Der Hit 'In The Shadows' ist der Bringer und auch ihre anderen Songs, die musikalisch irgendwo zwischen THEATRE OF TRAGEDY und WITHIN TEMPTATION liegen - also Gothic ohne Opernstimme - kommen beim Publikum gut an. 'Songs Of Love And Death' oder 'When Angels Fall' sind einfach eingängige Ohrwürmer, die bei einem gemischten Festivalpublikum gut in die Schnittmenge passen. Die Zukunft wird zeigen, ob BEYOND THE BLACK eine stabile Band sind oder ein zusammengewürfelter Haufen, aber derzeit liefern sie musikalisch ansprechende Musik ab. ILL NINO dagegen setzen einen brachialen Gegenpunkt, auch wenn man den gut genährten dradlock-tragenden Bandmitgliedern eine derartige Performance nicht zutrauen würde. Drumer Dave Chavarri und der zusätzliche Percussionist Oscar Santiago liefern ein sensationelles Rhythmusfundament, das erstmals an diesem Tag einen Mini-Moshpit auslöst. Dazu verleihen lateinamerikanische Elemente wie akustische Gitarre und Bongos den Songs wie 'This Is War' eine zusätzliche Facette. Der Auftritt am See Rock Festival dient den Amerikanern gleichzeitig als Eröffnungsgig ihrer Europatour. Dementsprechend gut gelaunt und motiviert zeigen sich die Bandmitglieder. Der Auftritt ist unerwarteterweise ein Highlight des gesamten Festivaltages und die Moshpit-Dichte wird auch von Song zu Song größer.
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BEYOND THE BLACK


imgleftEinen Klassik-Metal-Block bilden DORO und ACCEPT. Dass DORO als nächstes an der Reihe ist, wird bereits durch den großen Backdrop ersichtlich. Ab der ersten Nummer 'I Rule The Ruins' ist die Stimmung im Publikum hoch. DORO spielt sich dabei durch ein Set, das gespickt ist mit Klassikern wie 'Burning The Witches' vom WARLOCK Debüt-Album oder der '85er-Nummer 'True As Steel', doch auch neuere Songs wie 'Raise Your Fist' vom letzten Album passen gut ins Programm. Zwischendurch wird die Ballade 'Für Immer' eingestreut, die mit üppigen Keyboard-Orchestrierungen bombastisch über das Gelände schallt und die eine oder andere Gänsehaut zaubert. Wie immer entpuppt sich DORO als echte Stimmungskanone und Rampensau, die ständig das Publikum anfeuert oder zu Mitsingspielchen animiert. Als DORO nach einer Dreiviertelstunde mit 'All We Are' ihr Set beendet, werden noch spontan 2 Nummern drangehängt, um die verfügbare Spielzeit voll auszunutzen. Ein sehr guter Festivalgig der Metal Queen, auf den die nächste Old-School-Metal-Band des Tages, ACCEPT, passt wie die Faust aufs Auge. ACCEPT verzichten zwar auf einen Backdrop, allerdings ist die Bühne in schwarz gehüllt, was auch eine effektive Form der Bühnengestaltung darstellt. Im Gegensatz zum DORO-Gig wirkt der ACCEPT-Auftritt eher durchchoreographiert. Jeder Musiker hat seinen Platz und jeder Handgriff und das bekannte ACCEPT-Gitarren-Synchron-Wippen sitzen perfekt. Auch ACCEPT ziehen ihre Mitsingspiele durch, allerdings steht hier die Musik im Vordergrund; vor allem Bandboss Wolf Hoffmann, der neben Basser Peter Baltes fast ausschließlich für Stimmungsmache zuständig ist, darf ausgiebig solieren. Vor allem der "Für Elise"-Einschub bei 'Metal Heart' ist immer wieder hörenswert (und mitsingenswert). Auch ACCEPT spielen sich durch ein gemischtes alt-neu-Programm; begonnen wird das Set mit 'Stampede' vom aktuellen Album "Blind Rage", doch im weiteren Verlauf werden die alten Hits 'Restless & Wild' oder 'Fast As A Shark" performed, die sich Sänger Mark Tornillo mittlerweile genauso zu eigen gemacht hat wie die neuen Nummern. Als neuere Nummer wird noch 'Stalingrad' ins Programm gesteckt, doch als absolutes Highlight gilt an diesem Abend 'Princess Of The Dawn'. Mittlerweile geht auch die Sonne unter, und die einfache Lichtshow liefert zusätzlich Stimmung zu diesem starken Auftritt.

Zwischen den klassischen Hardrock-Acts DORO, ACCEPT und JUDAS PRIEST wollen KORN nicht so recht ins Programm passen. Dennoch liefern KORN einen coolen Bühnenaufbau mit einem riesigen Backdrop, der das Cover ihres Debütalbums "Ko?n" darstellt und immer wieder in unterschiedlichen Farben erstrahlt. Drummer Ray Luzier liefert ein absolut packendes Intro zum Auftritt, der durch extrem fetten Sound besticht. KORN haben die bis zu diesem Zeitpunkt aufwändigste Bühne; neben dem bereits erwähnten Backdrop ist die Bühne mit einer Kerzenfront ausgeleuchtet. Als Hingucker entpuppt sich auch Bassist Reginald Arvizu mit seinem mit Neonsaiten bestückten Bass. KORN spielen an diesem Abend ihr Debütalbum in voller Länge. Irgendwie passen die Amis musikalisch aber nicht so recht zwischen die anderen Bands; Fazit: an diesem Abend verzichtbar. imgrightRichtig groß wird es danach aber mit dem Headliner JUDAS PRIEST: Die komplette Bühne wird von einer riesigen LED-Wand umrahmt, die vom Bühnenboden bis zur Bühnendecke zu reichen scheint und auf der aufwändige Clips zu den Songs ablaufen oder aber die Plattencover passend zum jeweiligen Lied gezeigt werden. Der Nachteil der LED-Wand ist allerdings, dass sie die Musiker beinahe überstrahlt, vor allem Drummer Scott Travis, der mitten in den Projektionen sitzt, ist nur als Silhouette zu erkennen. Auch PRIEST beginnen ihren Set mit einer neuen Nummer ('Dragonaut'), liefern aber unmittelbar danach mit 'Metal Gods' einen Klassiker, zu dem Sänger Rob Halford hinter einer spiegelnden Sonnenbrille versteckt seinen Zombiewalk hinlegt. Die Band braucht ein paar Songs, um warm zu werden; vor allem Halford wird zusehends agiler und lässt schon mal das Publikum einen Chorus singen. Neben Urgestein Glenn Tipton überzeugt vor allem Neuzugang Richie Faulkner, der ausgiebig Zeit zum Solieren hat. Rob Halford wechselt im Zug des Sets öfter seine Garderobe als Miley Cyrus; kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Band für das Bühnenoutfit einen Exklusivausstatter hat. Mit 'Beyond The Realms Of Death' wird eine Powerballade eingebaut, die die Show auflockert; allerdings sorgen alte Hits der Marke 'Breaking The Law' für mehr Bewegung im Publikum, vor allem als Rob Halford für 'Hell Bent For Leather' mit dem obligatorischen Motorrad auf die Bühne fährt. Überraschenderweise verabschiedet sich die Band bereits nach einer Stunde; allerdings folgt anschließend noch ein halbstündiger Zugabenblock, bei dem Richie Faulkner bei 'You've Got Another Thing Comin'' nochmals ein Wahnsinnssolo spielen darf. Bei 'Painkiller' beweist Halford wieder einmal, dass er die hohen Screams noch drauf hat und natürlich darf 'Living After Midnight' als Abschluss nicht fehlen. JUDAS PRIEST sind eindeutig ein würdiger Headliner mit einer überzeugenden Show - wer hat da jemals behauptet, dass Rob Halford nicht mehr so gut bei Stimme ist? Na gut, seine Bewegungen sind mittlerweile behäbig und er geht zwischen den Songs oft von der Bühne, aber er hat eine unheimlich starke Präsenz, die das minimalistische Stageacting wieder wett macht. Bleibt nur zu hoffen, dass PRIEST auch noch die eine oder andere Studioplatte aufnehmen.

Resümee

Auch das See Rock 2015 war wieder ein tolles Festival mit wie immer sehr ausgefallenem und sehr gutem Line-Up. Mit BEYOND THE BLACK und KISSIN' DYNAMITE konnten zwei angesagte Newcomer gewonnen werden. Für die Old-School-Fraktion wurde ein voller Sack an exzellenten Bands mit JUDAS PRIEST, die man nicht mehr allzu oft live sehen kann, als Headliner geboten. Dass das Festival nur mehr an einem Tag bespielt wurde, wurde durch große Banddichte wettgemacht, allerdings war am frühen Nachmittag das Programm für die jungen Bands wirklich allzu dicht. Außerdem war das Festival deutlich kleiner als in den letzten Jahren; das Gelände wurde um mindestens ein Drittel verkleinert und die Zuschauerzahl dürfte, wenn man diversen Medien glauben kann, etwa 5000 Personen betragen haben, was für ein derart hochkarätig besetztes Festival sehr wenig ist. Trotz der Redimensionierung wurde gute Festivalkost an den Ständen geboten (gute Idee übrigens, den Wavebreaker als Getränkestand zu nutzen), wenn auch die Anzahl der Merchstände überschaubar war. Ein absolutes NoGo war allerdings, dass zu späterer Stunde das Bier als Dosenbier verkauft wurde.
Und nicht zu vergessen: das Wetter hat ausgehalten und trotz Dauerregen-Prognose blieb es den ganzen Tag und Abend trocken.

Das See Rock ist das einzige Metal-Festival im Süden Österreichs und somit hoffen wir auch für 2016 wieder auf ein abwechslungsreiches Festival bei hoffentlich Sonnenschein und größerem Besucherandrang!

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KORN


ev & des
Billing
Judas Priest, Korn, Accept, Doro, Ill Nino, Beyond the Black, Kissin’ Dynamite, Visions of Atlantis, Cannonball Ride, Detraced

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